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Australian Open: "Tsunami Tsonga" stürmt ins Finale

Er ist der Überraschungsstar in Melbourne: Jo-Wilfried Tsonga, Nummer 38 der Weltrangliste, steht im Finale der Australian Open. Mit einem Sieg im Halbfinale hat der Muhammad Ali des Tennis Superstar Rafael Nadal aus dem Turnier geworfen.

Nach dem größten Erfolg seiner Karriere starrte Jo-Wilfried Tsonga erst einmal ungläubig ins Leere. Keine Faust war zu sehen, kein Jubelschrei zu hören an diesem denkwürdigen Abend in der Rod Laver Arena in Melbourne. Erst nachdem der 22 Jahre alte Franzose dem soeben im Halbfinale der Australian Open mit 6:2, 6:3, 6:2 deklassierten Rafael Nadal am Netz die Hand gegeben hatte, setzte er unter dem Jubel der 15.000 begeisterten Zuschauer zu einem Freudentänzchen auf dem Center Court an und schüttelte immer wieder den Kopf. "Das ist unglaublich, ich habe eine Gänsehaut. Heute konnte mich nichts aufhalten", sagte Tsonga nach seinem Coup.

In seinem ersten Grand-Slam-Finale am Sonntag, den 27. Januar, darf sich die Nummer 38 der Tennis-Welt nun mit Titelverteidiger Roger Federer aus der Schweiz oder dem Weltranglisten-Dritten Novak Djokovic messen. Bei den Damen bestreiten am Tag zuvor Vorjahresfinalistin Maria Sharapova aus Russland und die Serbin Ana Ivanovic das Finale.

Zielstrebig und mit hartem Aufschlag durchs Turnier

In nicht einmal zwei Stunden demontierte der Franzose mit dem Spitznamen "Muhammad Ali" den Weltranglisten-Zweiten und dreimaligen French-Open-Champion Nadal. Der Spanier eilte nach einer seiner bittersten Pleiten grußlos in die Katakomben. Auf die Frage, was mit seinem Spiel losgewesen sei, antwortete Nadal später: "Nichts." Ohne Satzverlust war der Linkshänder aus Mallorca ins Halbfinale eingezogen und schien in starker Verfassung. "Ich habe sehr, sehr gut gespielt", sagte er, "aber nicht gut genug, um Tsonga zu schlagen."

Dieser hatte bei seiner fünften Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier zuvor bereits unter anderem den an Nummer neun gesetzten Schotten Andy Murray, seinen an Position acht eingestuften Kumpel Richard Gasquet und im Viertelfinale den Russen Michail Juschni nach Hause geschickt. Durch den Einzug in das Endspiel wird er in der Weltrangliste erstmals unter die Top 20 klettern. "Das gefällt mir, euch jetzt jeden Abend zu sehen", begrüßte Tsonga die Reporter. Als er gefragt wurde, ob er dieses Niveau noch für ein weiteres Match halten könne, sagte er nur "Ja", musste dann aber lachen und ergänzte: "Ja, ich will es zumindest versuchen."

Er fegte wie ein Orkan über den Platz

"Es ist ein Tsonga Tsunami" hatten Fans in englischer Sprache auf ein Plakat gepinselt - und tatsächlich fegte der Überraschungsmann des Turniers auch über die Nummer zwei der Tennis-Welt wie ein Orkan hinweg. Wie wenig Respekt er vor großen Namen hat, bewies Tsonga vom ersten Ballwechsel an. Nach schneller 1:0-Führung nahm er dem ein Jahr jüngeren Nadal gleich das erste Aufschlagspiel ab. 32 Minuten dauerte der erste Satz, 50 Minuten der zweite und 35 der dritte. Beim ersten Matchball beendete er mit einem Ass das unerwartet ungleiche Duell. "Das war so ein Match, von dem jeder träumt", meinte Tsonga.

Der 1,88 Meter große und 90 Kilogramm schwere Athlet aus Le Mans galt früh als vielversprechendes Talent, wurde aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. 2004 zwang ihn ein Bandscheibenvorfall zu fünf Monaten Pause. Später kamen Schulterprobleme und eine Bauchmuskelverletzung hinzu. Erst 2007 bewegte er sich beschwerdefrei über den Platz. "Ich wusste, dass ich unglaubliches Tennis spielen kann, aber mein Körper war noch nicht so weit", sagte Tsonga.

Sharapova bei den Damen klare Favoritin

Während der Franzose am Sonntag erneut als Außenseiter in die Partie geht, ist Maria Sharapova bei den Damen gegen Ivanovic klare Favoritin und scheint auf dem Weg zu ihrem dritten Grand-Slam-Titel nach Wimbledon 2004 und den US Open 2006 nur schwer zu stoppen. "Ich bin sehr froh, wieder im Finale zu stehen, und ich hoffe, es läuft dieses Mal besser als letztes Jahr", sagte die 20-Jährige. Da hatte sie gegen die Amerikanerin Serena Williams 1:6, 2:6 verloren.

Wolfgang Müller/DPA / DPA

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