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Gegen Bestechungsgeld: Biathlon-Verband soll 65 Dopingfälle vertuscht haben

Der Biathlon-Verband IBU steht unter Verdacht, nicht angemessen auf mögliche Dopingfälle reagiert zu haben. Der IBU-Präsident weist die Vorwürfe von sich. Doch die Ermittler gehen von hohen Bestechungsgeldern und mehreren Tausend Euro erschwindelten Preisgeldern aus.

Biathlon-Weltcup in Russland

Die Ermittlungen beziehen sich vor allem auf die Biathlon-WM 2017 (Symbolbild)

DPA

Der Doping-Skandal im Biathlon weitet sich aus: Es ist von 65 Fällen die Rede, bei denen der Biathlon-Weltverband IBU Dopingproben nicht konsequent verfolgt haben soll. Stattdessen seien Bestechungsgelder geflossen. Im Rahmen der Ermittlungen gegen die IBU wurden auch Hausdurchsuchungen in Deutschland durchgeführt. Das teilte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am Donnerstag in Wien mit.

"Uns liegen keine weiteren Erkenntnisse vor, die über die offiziellen Presseverlautbarungen hinausgehen. Demzufolge haben wir auch keinerlei Erkenntnis zu möglichen Hausdurchsuchungen in Deutschland, gehen aber davon aus, dass diese in unmittelbarem Zusammenhang mit den bereits vor zwei Tagen bekanntgewordenen Untersuchungen stattgefunden haben", sagte Stefan Schwarzbach, der Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV).

35.000 Euro Preisgeld durch Doping "erschwindelt"

Auch Betreuer und Sportler des russischen Biathlon-Teams sind ins Visier geraten. Es gehe um Doping, schweren Betrug und Geschenkannahme, teilte die WKStA mit. Im Blickpunkt steht laut Angaben von Behörden vor allem die Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen, der Tatzeitraum reiche aber bis 2012 zurück.

Zudem würden Vorwürfe geprüft, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an den Verband herangetragen worden waren. Die IBU soll nicht angemessen auf die Doping-Verdachtsfälle reagiert haben. Im Gegenzug sollen laut WKStA Bestechungsgelder in Höhe von 300.000 Dollar (rund 242.000 Euro) versprochen oder auch angenommen worden sein. An durch Doping "erschwindelte Preisgelder" seien rund 35.000 Euro zusammengekommen.

IBU-Präsident bestreitet Vertuschung

Der Biathlon-Weltverband teilte mit, dass Präsident Anders Besseberg darüber informiert habe, sein Amt für die Dauer der Untersuchungen ruhen zu lassen. Auch Generalsekretärin Nicole Resch hatte am Mittwoch um Freistellung gebeten, und wurde am Donnerstag dann vorläufig suspendiert. Die IBU hatte zuvor bekanntgegeben, dass das österreichische Bundeskriminalamt gegen Besseberg und Resch ermittele.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft erklärte, dass nähere Details wegen des laufenden Verfahrens nicht mitgeteilt werden. Nach Informationen norwegischer Medien geht es um 65 von der IBU nicht konsequent verfolgte Dopingproben. Besseberg wies den Vorwurf einer Vertuschung zurück. "Ich meine, wir haben die Regeln eingehalten", sagte er dem norwegischen Fernsehen NRK. 

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fri / DPA

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