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Bjarne Riis: Bei Toursieg "randvoll" mit Epo

Neue, ungeheuerliche Dopingvorwürfe erschüttern die Radsportszene: Ein ehemaliger Masseur des Team Telekom hat in einem Fernsehinterview ausgepackt und Ex-Tour-Sieger Bjarne Riis schwer beschuldigt. Auch der Name Erik Zabel fiel.

Ein früherer Masseur des dänischen Radsport- Profis Bjarne Riis hat dessen Sieg bei der Tour de France 1996 als Ergebnis von "massivem Doping" bezeichnet. In einem am Montagabend ausgestrahlten TV-Interview sagte der Belgier Jeff d'Hondt, Riis sei bei der Tour 1996 "randvoll" mit dem Ausdauermittel Epo gewesen. D'Hondt arbeitete in dieser Saison für das damalige Team Telekom, dem heutigen T-Mobile Team.

Er berichtete in dem vom belgischen Fernsehen aufgenommenen Interview, dass Riis einen extrem hohen Hämatokritwert von 64 gehabt habe und in der letzten Rennwoche unter akuten Gichtsymptomen litt. Riis ist inzwischen Eigner und Chef des dänischen Profi-Rennstalls CSC. Er wies die Vorwürfe seines Ex-Masseurs zurück und erklärte, d'Hondt habe keine Belege für seine Behauptungen.

Kein organisiertes Doping bei Team Telekom

In dem Interview, das einer Generalabrechnung des Masseurs mit der gesamten Radsportszene gleichkam, fiel übrigens auch der Name Erik Zabel. Jedoch sprach d'Hondt den deutschen Sprintstar von einer Verbindung zum Doping frei. "Erik Zabel hat nicht mitgemacht. Er hat einmal eine kleine Dosis probiert, war aber kategorisch dagegen. Er sagte, er brauche das nicht", so der Masseur.

Ganz im Gegensatz zum Festina-Team soll damals im Bonner Rennstall allerdings kein organisiertes Doping praktiziert worden sein. Auch Jan Ullrich gehörte 1996 zum Team Telekom. Der Tour-Sieger von 1997 beendete die Frankreich-Rundfahrt 1996 hinter seinem Kapitän Bjarne Riis als Zweitplatzierter.

Immer wieder Doping-Gerüchte um Riis

Walter Godefroot, der damalige Team-Manager der Radport-Equipe, der in der Reportage des belgischen Fernsehens ebenfalls zu Wort kam, will nach den neuesten Vorwürfen gegen Riis die Affären der Vergangenheit nicht neu aufrollen: "Wir haben schon genug gelernt. Lasst uns die Vergangenheit hinter uns lassen und auf die Zukunft konzentrieren", so der jetzige Berater des Astana-Teams.

Die Doping-Gerüchte um Bjarne Riis sind übrigens nicht neu. Der Däne wurde zwar nie positiv getestet. Doch in Anspielung auf seinen damals extrem hohen Hämatokritwert, der durch das synthetische Hormon Epo gesteigert werden kann und bei seinem Toursieg 1996 über den erlaubten 50 Prozent gelegen haben soll, erhielt er in Radkreisen den Spitznamen "Monsieur 60 Prozent".

Klaus Bellstedt mit DPA

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