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Boxen: "Es wird ein sehr schwerer Kampf"

Die Narben nach seinem Kampf gegen Lennox Lewis sind verheilt. In zwei Wochen wird Vitali Klitschko in New York gegen den Kanadier Kirk Johnson wieder in den Ring steigen. Der Gewinner kämpft um die Weltmeisterschaft.

Die Narben im Gesicht sind gut verheilt, nichts tut weh, das Training läuft hervorragend. Gut zwei Wochen vor seinem nächsten Alles-oder-Nichts-Kampf am 6. Dezember in New York gegen den Kanadier Kirk Johnson sprüht Vitali Klitschko regelrecht vor Optimismus. "Ich fühle mich in sehr guter Verfassung", sagt der Schwergewichtler aus dem Hamburger Universum Boxstall in der "La Brea Boxing Academy".

In dem kleinen, aber feinen Gym im Herzen von Los Angeles bleibt die Tür für Fremde normalerweise verschlossen, wenn Vitali mit Bruder Wladimir seine schweißtreibenden Übungseinheiten absolviert. Doch am Mittwoch war Medientag. Der Auflauf war nicht so groß wie im Juni, als er sich an gleicher Stätte auf den denkwürdigen Fight gegen Weltmeister Lennox Lewis vorbereitete, dennoch dauerte es länger als zwei Stunden bis er alle Frage-Antwort-Wünsche erfüllt hatte.

Keine Prognose

Zu einer Prognose über den Ausgang des Duells, dessen Gewinner um den Weltmeistertitel nach WBC-Version kämpfen wird, ließ sich der promovierte Sportwissenschaftler aus der Ukraine dabei nicht verleiten. Auf einer Werteskala von eins bis zehn würde er Johnson, der sich unter der texanischen Sonne in Houston für den Kampf fit macht, ganz oben platzieren. Schon deshalb, um ihn nicht zu unterschätzen. "Es wird ein sehr schwerer Kampf", prophezeit Vitali.

Sein Freund indes, der Schauspieler Ralf Möller, der auch in Los Angeles lebt, zweifelt keine Sekunde, dass Vitali Klitschko im legendären Madison Square Garden den Ring als Sieger verlassen wird. "Er hat den Biss, er hat durch die unglückliche Niederlage gegen Lewis noch mehr Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gewonnen", meint Möller.

Johnson, analysiert Vitali, sei sehr beweglich, sehr schnell auf den Beinen und ein harter Puncher. All diese Charakteristika sagten genug aus über die Gefährlichkeit seines farbigen Herausforderers (34 Siege/1 Unentschieden/1 Niederlage), der eigentlich an Vitalis Stelle gegen Lewis am 21. Juni um die Weltmeisterschaft hätte boxen sollen. Doch wegen einer Brustmuskelverletzung musste Johnson zwei Wochen vorher passen, woraufhin Vitali in die Bresche sprang.

"Das Unorthodoxe ist meine Stärke"

Mit welcher Taktik und Strategie er zum 33. Sieg im 35. Kampf kommen möchte, wollte Vitali Klitschko nicht preisgeben. "Das wird man erst im Ring sehen", sagte der 32-Jährige, der an seinem Boxstil aber keinesfalls etwas ändern wolle. "Das Unorthodoxe ist doch gerade meine Stärke", wie zuletzt gegen Lewis deutlich zu sehen war.

Noch immer ärgert er sich darüber, dass ihm durch "dumme Cuts am linken Auge" der erhoffte Thronsturz von Lewis verwehrt wurde. Ob Lewis noch einmal boxen wird? "Nach dem Kampf trafen wir uns in London und haben über ein Rematch diskutiert. Eine klare Antwort habe ich von ihm aber nicht bekommen", so Klitschko, der die Chancen für einen erneuten Kampf bei 50:50 sieht.

"Wenn Lewis nicht weitermacht, ist es nicht schlimm für uns", sagt der fünf Jahre jüngere Wladimir Klitschko, der zwei Wochen nach Vitali am 20. Dezember in Kiel in Aktion zu erleben sein wird. Gegen wen, ist nach wie vor ungewiss. "Wir bleiben auch ohne Lewis im großen Geschäft", behauptet Wladimir Klitschko, der wie Vitali fest daran glaubt, dass im nächsten Jahr ihr großen Traum wahr wird: Weltmeister in verschiedenen Verbänden.

Gunnar Meinhardt / DPA

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