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BREITENSPORT: Golf spielen ist hip

In der Fußballnation Deutschland ist Golf die am schnellsten wachsende Sportart. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich das Image gewandelt hat.

Fast schon Breitensport

Der Goldbarren blinzelt in der Sonne. Als Siegprämie im Golf geht er an James Bond alias Sean Connery. Verloren hat Goldfinger alias Gerd Fröbe: Er hat zwar besser gepattet, sich aber nicht an die Golfregeln gehalten. Vor Wut zerquetscht sein taubstummer Caddy Ojob den Golfball. Heute ist der 007-Klassiker »Goldfinger« 30 Jahre alt, und die Zeiten haben sich geändert: Golf ist nicht mehr das Spiel der britischen Hocharistokratie, sondern ein Massenphänomen. In Deutschland ist das Spiel mit dem kleinen Ball sogar die am schnellsten wachsende Sportart. Vor zehn Jahren schwangen 184.000 Deutsche den Schläger, heute sind es rund 400.000

Imagewandel

Teuer, langweilig, nur für alte Leute. Das Vorurteil des versnobten Sun-City-Greises mit Golfbag im Kofferraum hat sich gewaltig verändert. Athletische Spieler wie Tiger Woods bestimmen das Bild. Tiger Woods 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking, das wäre großartig, hieß es kürzlich gar aus dem Munde von Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees.

Erschwinglicher

Wesentlichen Anteil, dass Golf in Deutschland für Jedermann möglich geworden ist, hat die 1993 gegründete Vereinigung clubfreier Golfer (VcG). Ziel der Vereinigung ist es, den Golfsport möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. »Wir sehen uns als Einstiegsvariante«, sagt VcG-Geschäftsführerin Christine Burgard. Mit preiswerten Jahresbeiträgen kann jeder unverbindlich testen, ob er dem Minigolf entwachsen ist - bevor er sich für den Eintritt in einen konventionellen Verein entscheidet.

Zielgruppe

Auch die Werbeagenturen haben den Golfer für sich entdeckt. Am liebsten den jungen Crossgolfer, der hemmungslos durch die Stadt ballert, statt sich an die engen Grenzen des Grüns zu halten. Egal, ob für Versicherungen oder Autos geworben wird: Der Mann mit dem Schlagholz ist überall präsent. Zum wandernden Pensionär sind der Student mit Geld, der Optikermeister und der Kulturredakteur gestoßen und jagen dem kleinen Ball auf dem Fairway hinterher.

Christoph M. Schwarzer

Wissenscommunity