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Tierschutz Nach Tod eines Pferdes beim CHIO Aachen: Peta fordert Abschaffung des Reitsports

Pferd Allstar B beim CHIO Aachen
Die Britin Rosalind Carter auf ihrem Pferd Allstar B, das beim CHIO Aachen schwer verunglückte
© Uwe Anspach / Picture Alliance
Beim CHIO Aachen verletzte sich der Hengst Allstar B an einem Hindernis schwer und musste eingeschläfert werden. Tierschützer fordern erneut, den Reitsport komplett abzuschaffen.

Als "Weltfest des Pferdesports" versteht sich das CHIO in Aachen, eines der weltweit wichtigsten Reitturniere. Doch die diesjährige Ausgabe wurde von einem schweren Unfall überschattet: Das Pferd Allstar B der britischen Vielseitigkeitsreiterin Rosalind Canter verletzte sich an einem Hindernis so schwer, dass es eingeschläfert werden musste.

Der tragische Fall heizt die Debatte um das Tierwohl im Pferdesport wieder neu an. Die Tierschutzorganisation Peta fordert deshalb, den Reitsport komplett abzuschaffen: "Die tragischen Ereignisse beim CHIO waren keine Einzelfälle. Immer wieder werden Pferde bei Turnieren zu Tode geritten, weil die Reiter sie als bloße Sportgeräte ansehen", sagte Referent Peter Höffken. "In der heutigen Zeit hat der Pferdesport jegliche Legitimation verloren, weil er auf dem Rücken unfreiwilliger Teilnehmer ausgetragen wird." Peta forderte die Bundesregierung dazu auf, "Hochleistungsturniere in sämtlichen Pferdesportdisziplinen zu untersagen".

CHIO Aachen: Schwere Verletzung im Vielseitigkeitsreiten

Jan-Hein Swagemakers, Tierarzt der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, widersprach Tierquälerei-Vorwürfen im Interview mit der "Sportschau" vehement. "Die Pferde gehen wirklich gern auf den Sport", sagte Swagemakers. "Es gibt sogar Pferde, die mit den Hufen scharren, wenn andere auf den Lkw gehen und sie zu Hause bleiben. Die möchten gern mit." Die Tiere befänden sich "konstant unter Betreuung" durch Tierärzte und unabhängige Experten. Der Veterinär hob die Sicherheitsmaßnahmen im Pferdesport hervor, schränkte aber auch ein: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht."

Das Unglück beim CHIO ereignete sich beim Geländeritt in der Vielseitigkeit. Weltmeister-Pferd Allstar B schlug mit seinem linken Vorderbein an ein Hindernis und konnte das Bein danach nicht mehr belasten. Sofort stieg die Reiterin ab, ein Sichtschutz wurde errichtet und das Pferd abtransportiert. In einer Klinik musste es dann eingeschläfert werden: Es sei nicht mehr möglich gewesen, dem Tier ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen, sagte Friedrich Wilhelm Hanbücken, Chef der Veterinärkommission bei dem Turnier.

Ein Islandpferd steht auf einer großen Tastatur vor einem Wasserfall

Der Schock saß bei allen Beteiligten tief. "Es gibt keine Worte für die Liebe und den Respekt, den ich für Alby empfinde", sagte Reiterin Rosalind Canter, Doppel-Weltmeisterin in der Vielseitigkeit 2018. "Er hat eine große Rolle beim Aufbau meiner Karriere gespielt und wird von vielen vermisst werden." Turnierdirektor Frank Kempermann erklärte: "So etwas ist schon lange nicht mehr in Aachen passiert."

Die Diskussion um Tierquälerei im Reitsport ist hingegen nicht neu. Zuletzt rief der Umgang der deutschen Sportlerin Annika Schleu mit einem Pferd harte Kritik hervor: Bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr hatte die Moderne Fünfkämpferin mit Sporen und Gerte das widerspenstige Tier zur Räson zu bringen versucht. Der Wallach eines Schweizer Reiters musste nach einer Verletzung in dem Wettkampf eingeschläfert werden. Der Weltverband UIPM hatte daraufhin angekündigt, die Disziplin Springreiten aus dem Programm zu nehmen. 

Quellen: "Süddeutsche Zeitung" / CHIO / WDR / "Sportschau"

epp

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