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Deutsche Biathleten in Oberhof: Verlegenheits-Staffel stürmt aufs Podest

Erfolg mit zwei Neulingen: Die deutschen Herren-Staffel hat beim Biathlon-Weltcup in Oberhof den dritten Platz erkämpft. Der Sieg ging an Österreich, Zweiter wurden die Russen. Die deutschen Biathleten hatten allen Grund zum Jubeln: Es war der erste Podestplatz in dieser Saison für die Herren-Staffel.

Eine Verlegenheits-Staffel mit zwei Neulingen hat beim Biathlon-Weltcup in Oberhof den ersten deutschen Herren-Podestplatz im WM-Winter erkämpft. In der Besetzung Michael Greis, der einmal in die Strafrunde musste, Michael Rösch sowie dem erstmals im Weltcup eingesetzten Arnd Peiffer und Schlussläufer Toni Lang stürmte das Quartett vor 16.000 begeisterten Zuschauern mit nur 19,2 Sekunden Rückstand auf Rang drei. Nach den 4 x 7,5 Kilometer lagen die ohne ihren Star Iwan Tscheresow laufenden Russen 8,7 Sekunden hinter den bereits zum zweiten Mal siegreichen Österreichern. Tscheresow wurde bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere wegen zu hoher Hämoglobinwerte aus dem Verkehr gezogen.

"Ein Riesenkompliment an die Burschen. Sie haben auch mich überrascht. Auf den dritten Platz habe ich gehofft, aber nicht damit gerechnet. Wie speziell die Jungen Michael Rösch, Arnd Peiffer und Toni Lang aufgetreten sind, war fantastisch. Sie sind clever aufgetreten, haben unser Vertrauen voll erfüllt" lobte Bundestrainer Frank Ullrich, der zuletzt beim Olympiasieg 2006 in Turin so euphorisch aufgetreten war.

Greis übergab nur als Achter

Dabei musste Startläufer Michael Greis (Nesselwang) eine Strafrunde drehen und wechselte mit 42,6 Sekunden Rückstand nur als Achter. "Ich hatte zittrige Haxen. Dabei habe ich läuferisch nicht überzogen. Das ist zwar bitter, passiert halt Mal", sagte der dreimalige Olympiasieger. Michael Rösch (Altenberg) verbesserte sich mit einem Sturmlauf mit nur einem Nachlader und Bestzeit aller Staffelstarter auf Position drei. "Mein Zentralcomputer hat zwar gesagt, lass es ruhig angehen. Doch dann ging's vom ersten Meter an super. Beim Liegendschießen habe viel riskiert - und es hat geklappt. Das gibt Zuversicht für den Sprint am Samstag", bemerkte der Sachse.

Youngster Arnd Peiffer aus Clausthal-Zellerfeld, der wie einst Sven Fischer mit einem grandiosen Staffelrennen seinen Weltcup- Einstand gab, traf blitzsauber ohne Nachlader alle zehn Scheiben. Als bester Schütze des deutschen Quartetts und Schnellster aller dritten Läufer wechselte er mit 2,8 Sekunden Vorsprung als Erster. "Das war viel mehr, als ich es je erwartet hatte. Daran könnte ich mich gewöhnen", jubelte der Harzer und berichtete von Gäneshaut-Gefühl im Stadion. "Unglaublich was hier los ist", meinte Peiffer, der vordem auch als Zuschauer nie einen Weltcup erlebt hatte. "Dadurch habe ich schon ein bissel Stress gehabt", meinte Schlussläufer Lang aus Hauzenberg. "Doch ich hab's ganz gut gelöst", fügte der rundum zufriedene Bayer an.

Hoffnung auf Erfolg der Frauen

Optimismus verbreiteten auch die deutschen Skijägerinnen vor dem Sprint am Freitag (17.30 Uhr). "Ich will schon ein ordentliches Ergebnis machen", sagte die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm (Zella-Mehlis). Die in Oberhof wohnende Andrea Henkel (Großbreitenbach) fühlt sich nach Staffel-Pause und zwei Tagen mehr Zeit, um aus dem Kratzen im Hals keine Bronchitis werden zu lassen, wieder topfit.

"Schön wäre es, wenn ich zu Hause bei der Sieger-Präsentation dabei sein könnte", hoffte die dreimalige Weltmeisterin des Vorjahres. Für ihre Freundin Andrea verzichtete sogar Martina Beck auf die erste Start-Gruppe. "Nimm du den Platz, du bist besser drauf als ich", begründete Beck ihren Verzicht zugunsten Henkels.

Den beiden Thüringerinnen sowie Simone Hauswald, die im Staffelrennen am Mittwoch Schnellste aller Starterinnen in der Loipe war, traut auch Bundestrainer Uwe Müssiggang am meisten zu. "Ich bleibe bei unserem Anspruch: Eine sollte aufs Stockerl kommen", formulierte der Trainer-Fuchs seine Ansprüche.

Von Uwe Jentzsch, DPA / DPA

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