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Dopinggeständnis: "Wenn mich jemand verklagen will: Bitte gerne"

Radprofi Jörg Jaksche scheint nach seinem Dopinggeständnis Schadensbegrenzung zu betreiben. Das vermutet zumindest Gerolsteiner-Manager Hans-Michael Holczer, den Jaschke jetzt überraschend angerufen hat. Jaksche selbst reagiert hingegen gelassen.

Das Dopinggeständnis des Radprofis Jörg Jaksche schlägt weiter Wellen. Jetzt hat sich Gerolsteiner-Manager Hans-Michael Holczer zu Wort gemeldet. Jaksche habe sich überraschend bei ihm gemeldet - und das obwohl die beiden als verfeindet gelten. "Ich habe heute bei den deutschen Meisterschaften einen kurzen Anruf von ihm bekommen und bin fast umgefallen. Er wollte nur mal Hallo sagen", sagte Holczer in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten" am Sonntagabend". Jaksche war 1995/1996 als Amateur unter Holczer in Öschelbronn gefahren. Ein unterschriftsreifes Vertragsangebot des Teams Gerolsteiner habe er später kurzfristig abgelehnt. "Ich habe mit ihm 2003 gebrochen", sagte Holczer.

Nach Ansicht des Managers versucht der Ansbacher Jaksche, der im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ausgepackt und seinen Rücktritt aus seinem aktuellen Team Tinkoff bekannt gegeben hat, mit der Kronzeugenregelung "auf ein Jahr Sperre runterzukommen. Er war wohl schon bei der WADA." Das ist die World Anti-Doping Agency.

Holczer gilt unter den Chefs der 19 ProTour-Teams ebenso wie T- Mobile-Manager Bob Stapleton als Wortführer einer harten Linie gegen Doping. Der Herrenberger räumte ein, dass die Doping-Problematik auch wirtschaftliche Folgen für ihn habe. "Im Vergleich zum 1.1. 2006 ist der Wert unserer Firma dramatisch gesunken. Das ist etwas, was mir zusetzt", sagte er über das Radsport-Unternehmen, das er und seine Frau Renate führen. "Das Team, das wir aufgebaut haben, verliert täglich an Wert."

"Wenn mich jemand verklagen will: Bitte gerne"

Jaksche selbst sagte, er fühle sich nach seinem Doping-Geständnis befreit. "Damit bin ich mit mir erstmals wieder im Reinen. Ich bin einigermaßen befreit, weil die Sache vorbei ist und ich jetzt niemanden mehr großartig anlügen muss", sagte der 30 Jahre alte Ansbacher dem Radiosender Bayern 3. Er stehe jetzt der Sportjustiz mit Informationen zur Verfügung, die er in zehn Jahren gesammelt habe, um den Sport sauberer zu machen. "Es geht nicht darum, irgendjemandem ans Bein zu pinkeln oder an die Wand zu fahren. Es geht einfach um das Wohl des Sports. Wenn mich jemand verklagen will: Bitte gerne", sagte Jaksche.

Jaschkes Doping-Geständnis hat eine Woche vor Beginn der Tour de France auch in den internationalen Medien für Aufregung gesorgt. Viele Kommentatoren befürchten verheerende Folgen für den Radsport. Andere flüchten sich in Fatalismus. Die dänischen Zeitungen sehen vor allem CSC-Teamchef Bjarne Riis nach Jaksches Anschuldigungen mächtig unter Druck.

"Wenige Stunden vor dem Start der Tour de France versinkt der Radsport im Zweifel und im Verdacht", schrieb der Brüsseler "Le Soir" in seiner Montag-Ausgabe. "In diesem Zusammenhang des Gestankes auf allen Etagen wird zunehmend klar, dass es sich in einigen Stunden um einen neuen Start der größten Sport-Schwindelei handelt."

Der österreichische "Kurier" erinnerte an den Kölner Jörg Paffrath, der lange vor Jaksche über systematisch betriebenes Doping im Radsport berichtet. "Die Beachtung hielt sich in Grenzen. Man schrieb das Jahr 1997. Da wurde Jan Ullrich zur Lichtgestalt, als er die Tour de France gewann."

Spanische Medien befürchten Hexenjagd

Für die spanische Zeitung "Marca" haben Jaksches Aussagen im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" "Alarmstufe Rot" im Peloton ausgelöst: "Befürchtet werden eine Aufruhr und eine Hexenjagd wie im vorigen Jahr." Auch die ebenfalls in Spanien erscheinende "Sport" glaubt, dass Jaksches Ausführungen "in den nächsten Tagen verheerende Folgen haben".

In Dänemark wird über die Zukunft des ehemaligen Tour-Helden Riis spekuliert. "Ein Frontangriff gegen Bjarne Riis. Der Boden unter ihm besteht nach den neuen Beschuldigungen seines früheren CSC-Fahrers Jörg Jaksche immer mehr aus Treibsand", schrieb "Berlingske Tidende".

"Jyllands-Posten" stellte sich die Frage, "ob er (Riis) sich von der Tour de France zurückziehen wird". "B.T." sieht den Fortbestand des CSC-Team gefährdet: "Wenn Jaksche die Wahrheit sagt, könnte das der Tropfen sein, der das Fass voller Ekel zum Überlaufen bringt und das Ende von Bjarne Riis' CSC-Team bedeutet. Seine Anklagen sind weit ernster als das persönliche Doping-Geständnis von Riis."

DPA / DPA

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