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Tour de France: "Keine Lust auf durchgeknallte Jaksches"

Einen Tag vor Beginn der Tour de France liegen die Nerven bei den Aktiven blank. Bei einer Fragerunde platzte Andreas Klöden der Kragen. Jens Voigt hat unterdessen als letzter deutscher Starter die Verpflichtungs-Erklärung unterschrieben.

Die Tour-Topfavoriten Alexander Winokurow und Andreas Klöden sind vor der Fahrt ins Ungewisse heftig in die Defensive gedrängt worden. Im Presse-Zentrum im Londoner Messezentrum Excell waren die Astana-Profis vor dem Start der 94. Tour de France fast nur mit der Doping-Problematik konfrontiert.

Die ständigen Fragen nach Manipulation im Radsport ließen Klöden, Basecap tief im Gesicht, Blick nach unten gerichtet, den Kragen platzen. "Ich beantworte nur Fragen zu meiner Form. Ich habe keine Lust, jeden Tag alle Fragen nach irgendwelchen durchgeknallten Jaksches zu beantworten", sagte der Wahl-Schweizer. Sein früherer Telekom-Teamkollege Jörg Jaksche hatte in seiner Beichte auch Winokurow indirekt mit Doping in Verbindung gebracht.

Jens Voigt vom dänischen CSC-Team hat indes als letzter der 19 deutschen Tour-Starter die UCI-Verpflichtungs-Erklärung unterschrieben. Das bestätigte CSC-Sprecher Brian Nygaard am Freitag. Der 36-jährige Berliner wollte die lange Hinauszögerung der Unterschrift, die für einen Tour-Start unabdingbar war, als Protest verstanden wissen. Mit der Unterschrift verpflichten sich die Tour- Teilnehmer, bei einem positiven Doping-Befund mit einem Jahresgehalt zu haften. Sie erklären sich zudem bereit, ihre DNA für einen Abgleich mit den beim Doping-Arzt Eufemiano Fuentes sicher gestellten Blutbeuteln zur Verfügung zu stellen.

Klöden pampig, Winokurow souverän

Astana-Kapitän Winokurow (Kasachstan) zeigte sich vor dem Prolog souveräner als der etwas pampige Klöden, der vielleicht auch sauer war, weil er offensichtlich von der Teamleitung als Nummer zwei im internen Machtgefüge für die Tour eingeordnet wurde. Winokurow, bei Olympia 2000 in Sydney Silbermedaillen-Gewinner hinter seinem Freund Jan Ullrich, wehrte sich gegen Kritik an seiner Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Italiener Michele Ferrari. "Ferrari war nie mein Arzt, sondern mein Trainer", sagte Winokurow. Der Mediziner (Spitzname: "Doktor Epo") arbeitete auch mit dem siebenfachen Tour-Rekordsieger Lance Armstrong zusammen. In einem Doping-Prozess war er wegen Verjährung frei gesprochen worden.

"Es ist ekelhaft, wenn ich mir vorstelle, Sie gewinnen die Tour", ereiferte sich der irische Journalist, Ex-Profi und Buch-Autor Paul Kimmage ("Der harte Ritt") an Winokurow gerichtet. Der Major ehrenhalber der kasachischen Polizei konterte routiniert. Er habe hart und intensiv gearbeitet, um sich seinen Lebenstraum, den Sieg bei der Tour de France, zu erfüllen. Winokurow, 2003 Tour-Dritter hinter Armstrong und Ullrich: "Sollte das gelingen, wird das ein sehr schöner Tag für mich werden."

Klöden, Tour-Zweiter von 2004 und Dritter des Vorjahres, verwies darauf, dass er allein in diesem Jahr 13 Mal kontrolliert worden sei. "Ich bin im Kontroll-Pool des Schweizer Verbandes, der UCI und der WADA." Im Team, das gerade durch den "positiven" Matthias Kessler auffällig geworden war, herrscht laut Winokurow ein strenges Anti-Doping-Regime.

Eklat im Pressezentrum

Kurz vorher war im Pressezentrum die Sitzung der Vereinigung der Rad-Profiteams (AIGCP) mit einem Eklat zu Ende gegangen. Sechs französische Teams und die beiden deutschen ProTour-Mannschaften T- Mobile und Gerolsteiner stellten sich gegen die anderen Delegierten, weil sie den gemeinsam unterschriebenen Ethik-Code nicht konsequent einhielten. Sie verließen die Versammlung vorzeitig und trafen sich auf dem Oberdeck eines roten Doppeldecker-Busses, der zur Dekoration ins Excell geschafft worden war. Dort oben beschlossen die acht Abtrünnigen die Gründung einer neuen Vereinigung. Die neue Arbeitsgruppe der acht Aufrechten soll sich am ersten Ruhetag der Tour am 16. Juli in Tignes konstituieren, sie bleibt aber trotzdem in der AIGCP. Mehr als eine Geste war die Aktion wohl nicht.

Hans-Michael Holczer vom Team Gerolsteiner war als erster Teamchef bei der AIGCP-Sitzung aus der Haut gefahren: "Als ein spanischer Vertreter sagte: 'Wir nehmen nur Medizin wie andere Sportler auch, das ist kein Doping', bin ich aufgestanden und bin gegangen". Ihm folgten die Franzosen und Sportdirektor Luuc Eisenga von T-Mobile. "Unser Auszug hat keine Auswirkungen auf die Tour. Ich habe den Eindruck, dass die 189 gemeldeten Profis, sollten sie den Medizin-Check bestehen, am Samstag auch an den Start gehen", sagte Holczer.

Auf der Tageordnung der AIGCP-Sitzung habe der Ausschluss der Tour-Teilnehmer Saunier Duval und Caisse d'Epargne (Spanien), Lampre (Italien) und Discovery Channel (USA) aus der Organisation gestanden. Die Mannschaften hätten gegen den Code verstoßen, in dem sie Fahrer, die in die Doping-Affäre Fuentes verstrickt sind, beschäftigten, erklärten Holczer und Eisenga.

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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