Dopingsperre für Claudia Pechstein "Noch nie so hintergangen gefühlt"


Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gibt sich trotz ihrer zweijährigen Dopingsperre nicht geschlagen. Die 37-Jährige ist davon überzeugt, auf das Eis zurückkehren zu können. Außerdem wird der Fall im Sportausschuss des Bundestages behandelt.

Claudia Pechstein will vom Karriereende nichts wissen, hofft auf das Schweizer Bundesgericht und erhält Rückendeckung von Wissenschaftlern. "Es sieht nicht so aus, dass ich bei Olympia starte. Aber vielleicht ja im März 2011 bei der WM in Inzell. Ich habe mein Karriereende noch nicht erklärt", sagte die fünffache Eisschnelllauf-Olympiasiegerin in einem Interview der "Bild am Sonntag", nachdem der Internationale Sportgerichtshof Cas ihre zweijährige Dopingsperre bestätigt hatte. Die 37-Jährige ruft jetzt das Schweizer Bundesgericht an: "Davon verspreche ich mir, dass es die erste Instanz sein wird, die nicht von Lobby-Interessen beeinflusst ist."

Wissenschaftliche Zweifel an dem Cas-Urteil äußerte der Darmstädter Anti-Doping-Experte Klaus Pöttgen. In Hamar seien bei Pechstein nicht nur die Retikulozyten gemessen worden, sondern auch andere Blutparameter. "Die Zellstrukturen, die dabei festgestellt worden sind, passen nicht zu einer EPO-Stimulation", sagte Pöttgen der "Welt am Sonntag". Ein Doping-Beweis hätte sich damit nicht führen lassen. "Das wissen wir alle", sagte Pöttgen und meint damit die namhaften Gutachter Walter Schmid, Wilhelm Schänzer und den Dänen Rasmus Damsgaard, der verschiedene Rad-Profiteams überwacht.

Claudia Pechstein erhob auf ihrer Homepage schwere Vorwürfe gegen den Cas, der sie wegen eines abweichenden Parameters verurteilte, obwohl die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in Zukunft neun Blutparameter heranziehen will. "Ich kann nur sagen, dass ich mich in meinem ganzen Leben noch nie so hintergangen gefühlt habe. Mich würde interessieren, ob die Richter, die mich verurteilt haben, sich vor Scham eigentlich noch im Spiegel anschauen können", schrieb Pechstein, die noch einmal beteuerte: "Ich habe nie gedopt und ich werde niemals dopen. Dafür würde ich sogar eine Eidesstattliche Erklärung abgeben."

Sie kritisierte die Nicht-Berücksichtigung der zukünftig in Kraft tretenden Richtlinien: "Die Wada wird kommenden Dienstag über die Guidelines zum indirekten Beweis befinden. Danach wird es nicht mehr - wie bei mir geschehen - möglich sein, einen Athleten anhand nur eines auffälligen Blutwertes zu sperren. In den neuen Guidelines ist geregelt, dass insgesamt neun Blutparameter herangezogen werden müssen. Da alle von mir während der WM in Hamar gemessenen Werte (mit Ausnahme der Retikulozyten) unauffällig waren, hätte es den Fall Pechstein und auch meine Sperre nie gegeben, wenn diese Guidelines bereits zuvor gültig gewesen wären. Der Entwurf lag dem Gericht bereits vor, er wurde jedoch nicht angewandt, weil - so die Begründung - die Guidelines noch nicht beschlossen und verkündet waren."

In einem möglichen Disziplinarverfahren könnte der Beamtenstatus von Claudia Pechstein als Bundespolizistin aufgehoben werden. "Es ist schon krass: Normalerweise müsste ich am Montag zum Dienst antreten. Aber ich habe erstmal Urlaub genommen", sagte die Athletin.

Ihr Fall wird am Mittwoch auch den Sportausschuss des Bundestages beschäftigen. Dies kündigte der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Winfried Hermann, am Sonntag im "Deutschlandfunk" an. Hermann will klären lassen, ob Steuergelder für ein Gutachten des Berliner Professors Christof Dame geflossen sind und notfalls sogar den Bundesrechnungshof einschalten. Das Bundesinnenministerium teilte dem Sender mit, die Bundespolizei habe eine Kostenzusage zur Untersuchung an der Charité gegeben. Das Gutachten habe Pechstein selbst bezahlt. Dame hatte betont, es sei von der Bundespolizei und nicht von Pechstein in Auftrag gegeben worden. Er wollte nicht als bestellter Gutachter angesehen werden.

Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes Fis, vermutet, dass die "sogenannten Doping-Jäger einen Schritt nach vorn getan hätten". In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärte er, seinem Verband lägen "sieben oder acht oder zehn Namen" von Athleten vor, die auffällige Werte aufwiesen. "Bisher waren wir der Meinung, dass wir ohne positiven Test früher oder später vor Gericht verlieren", sagte Kasper. Das sähe nach dem Pechstein-Urteil aber "nun anders aus". Vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver erhofft er sich, "dass dies eine Warnung an alle Athleten und deren Betreuer" war.

DPA DPA

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