HOME

Eisschnelllauf: "Golden Girls" verzaubern Moskau

Anni Friesinger holte sich den zehnten Sieg im zehnten Rennen dieses Winters, Claudia Pechstein gelang der 22. Weltcupsieg ihrer Karriere. Dazu gesellte sich der deutsche Eisschnellläufer Tobias Schneider, der für eine Riesenüberraschung sorgte.

Anni Friesinger ballte die Faust, Claudia Pechstein strahlte über das ganze Gesicht: Die "Golden Girls" haben in Moskau im Gleichschritt den Eisschnelllauf-Weltcup in Moskau dominiert. Friesinger, die Olympiasiegerin aus Inzell, vollendete mit ihrem Erfolg über 1500 m ihre glänzende Bilanz: Im zehnten Rennen der Saison landete sie ihren zehnten Sieg. Zugleich kam sie zu ihrem sechsten Weltcup-Triumph in diesem Winter und zum insgesamt 42. Erfolg in dieser Serie. Zuletzt war Ähnliches nur ihr selbst im November 2001 sowie vor 13 Jahren der Erfurterin Gunda Niemann mit je sieben Weltcup-Siegen zum Saisonauftakt gelungen. In den kommenden Wochen werden sich die deutschen Stars nun etwas Erholung beim Radtraining auf sonnigen Ferieninseln gönnen: Friesinger reist nach Lanzarote, Pechstein nach Mallorca.

Überraschung von Schneider

Für die Überraschung des Tages sorgte aber der Berliner Tobias Schneider, der als Zweiter über 10.000 m mit deutschem Rekord von 13:16,36 das beste Ergebnis eines Deutschen seit fünf Jahren verbuchte. Am 25. November 2001 hatte der entthronte Rekordhalter Frank Dittrich (13:19,09) in Den Haag auf der Langstrecke für den letzten Sieg deutscher Herren gesorgt. "Von diesem Ergebnis hatte ich nicht zu träumen gewagt", meinte Schneider. "Wir sind alle total euphorisch. Mit so einem Top-Rang konnte niemand rechnen", sagte Bundestrainer Bart Schouten und freute sich über den 25-Jährigen, der sich nur Olympiasieger Enrico Fabris (Italien/13:14,94) beugen musste und seine Bestzeit gleich um 27 Sekunden unterbot.

Glücklich in die Pause

Glücklich war auch Anni Friesinger. "Ich bin total happy, das war ein runder Lauf. Aber jetzt freue ich mich auf die Wettkampfpause", meinte sie nach ihren 1:56,40 Minuten, mit denen sie ihren Bahnrekord aus dem WM-Rennen im Februar 2005 um 0,95 Sekunden drückte. Sie musste ohne ihren neuen Trainer Gianni Romme auskommen, der auf die Reise verzichtet hatte, da seine Frau ihr zweites Kind erwartet. So stand wie schon in den 17 Jahren Markus Eicher als Betreuer auf dem Eis. "Das war ein Super-Wochenende. Anni war noch stabiler als in Berlin. Es hat alles gestimmt", urteilte der Inzeller.

Pechstein erleichtert

Tags zuvor hatte Claudia Pechstein ihre lange Durststrecke beendet und über 5000 Meter ihren insgesamt 22. Weltcupsieg gelandet. Seit dem 21. Februar 2005 hatte die fünfmalige Olympiasiegerin keinen Einzelerfolg mehr verbucht. "Mir fällt ein Stein vom Herzen. Mit diesem Sieg konnte ich nicht rechnen, weil mich meine Erkältung noch immer plagt", meinte die 34-jährige Berlinerin. Trainer Joachim Franke nannte den Erfolg "einen Sieg für den Kopf".

Mit 7:04,96 Minuten lief sie eine Klassezeit, und es störte die Berlinerin auch wenig, dass die Niederländerin Gretha Smit in 7:01,25 in der B-Gruppe den Bahnrekord verbesserte. Auch das Fehlen von Renate Groenewold und Ireen Wüst, die sich auf die niederländischen WM-Ausscheidungen am 23./24. Dezember vorbereiten, kratzte sie wenig. "Ich habe dafür kein Verständnis. Die tun ja so, als würde Olympia vor der Tür stehen", meinte Pechstein. Mit Platz zwei vollendete Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms in 7:05,36 Minuten den deutschen Doppelerfolg über 5000 m, war aber nicht vollends glücklich. "Wenn man nur um vier Zehntel an seinem ersten Einzelsieg im Weltcup steht, ist das doch bitter", meinte die Erfurterin. Am Sonntag unterstrich sie ihre Topform über 1500 m als Dritte.

Bei den Herren hatte tags zuvor auch der Grefrather Stefan Heythausen als hervorragender Fünfter über 1500 m in 1:48,00 Minuten überzeugt. Seinen 23. Weltcup-Sieg verbuchte der Niederländer Erben Wennemars, der mit 280 Punkten seine Weltcup-Führung ausbaute.

Wissenscommunity