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Florian Kehrmann: Der Torjäger mit der Titan-Hand

Als der beste Rechtsaußen der Welt sich vor zwei Monaten die Hand brach, war Handball-Deutschland geschockt. Aber Florian Kehrmann kam schnell zurück: Seitdem sind alle froh - und Kehrmann schwebt auf Wolke sieben.

Florian Kehrmann saß auf der Couch, schaute auf seine linke Hand - und mit ihm blickten zehn weitere Augenpaare bange auf die gleiche Stelle. "Es funktioniert alles", sagte der Rechtsaußen und erntete erleichtertes Aufatmen bei den Umstehenden. Damit war endgültig klar, dass der Lemgoer fit ist für die Heim-Weltmeisterschaft. Im letzten WM-Test am 13. Januar gegen Ägypten stellte er dies in München mit drei Treffern unter Beweis. "Für mich war es ein schönes Gefühl, wieder zu spielen", bekannte der 29-Jährige.

Mitte November sah es nicht besonders gut aus. Im Länderspiel gegen Schweden hatte er sich die Mittelhand gebrochen, war operiert worden und lebte lange in Ungewissheit, ob er bis zur WM wieder fit wird. "Als mir das passiert war, brach für mich eine Welt zusammen", erinnerte sich Kehrmann. Seit dem Eingriff hält nun eine verschraubte Titanplatte den lädierten Knochen zusammen. "Man merkt schon, dass da was drin ist", berichtete er und streichelte über die Narbe, unter der der Fremdkörper eingebaut ist, den er aber schon nicht mehr als solchen empfindet. "Wenn sie keine Mucken macht, bleibt die Platte für immer drin. Oder bis zum Karriereende. Mal sehen. Bis jetzt ist alles in Ordnung", erzählte Kehrmann.

Für den Traum viel riskiert

Seit ihm die Ärzte Grünes Licht gegeben haben, schwebt der Dressman im deutschen Team mit Blick auf die WM auf Wolke sieben. "Seither gibt es nur Freude. Für mich ist das alles ein großes Ereignis", sagte der Hobby-Golfer. Allerdings hat er für seinen Traum von der Teilnahme an der Heim-WM auch viel riskiert. Schon 41 Tage nach der Operation lief er im letzten Bundesliga-Spiel 2006 bei der 28:29-Niederlage gegen Minden wieder für Lemgo auf. "Es war vielleicht nicht gut zu spielen. Wenn da was kaputt gegangen wäre, wäre ich der dümmste Kerl gewesen", bekannte er.

Nun aber kniet er sich wieder ohne Bedenken ins Training und in die Spiele. Selbst die psychologische Barriere, es könnte wieder etwas brechen, ist überwunden. "Die Angst ist weg", sagte er. Spätestens seit einem unfreiwilligen Härtetest, als er im Training seinem Teamkollegen Lars Kaufmann (Wetzlar) bei einem Wurf an den Kopf schlug, weiß er es ganz genau. "So ein Erlebnis hilft dabei", urteilte Kehrmann, der noch während der Verletzungspause seinen Vertrag beim TBV Lemgo bis 2011 verlängert hatte.

"Mein Ziel ist das Halbfinale"

Vom Club-Handball ist er aber derzeit gedanklich weit entfernt. Nur die WM zählt. "Das Kribbeln ist da. Wir genießen jetzt schon den Hype", gab Kehrmann zu. Und der Anspruch ist hoch. "Mein Ziel ist das Halbfinale. Das beinhaltet auch die Chance, den Titel zu gewinnen", sagte Kehrmann und wiederholte zur Bekräftigung: "Das Ziel ist der Titel." Und falls es gelingt, das Endspiel in Köln am 4. Februar zu erreichen, haben die Gastgeber noch eine Überraschung parat. "Wir haben noch Geheimspielzüge für das Finale", scherzte er.

Martin Kloth/DPA / DPA

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