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Judith Arndt: Die Lady-Box von T-Mobile

T-Mobile steigt in den Frauen-Radsport ein. Zum Schnäppchenpreis hat sich der Sponsor mit Judith Arndt eine der stärksten Rennfahrerinnen geschnappt. Derzeit trainieren die Damen auf Mallorca.

Von Annette Jacobs, Mallorca

Judith Arndt liegt entspannt in der Sonne. Sie hat die erste Trainingseinheit des Tages in ihrem neuen magentafarbenen Trikot hinter sich. Es bleibt noch etwas Zeit, um vor dem Mittagessen mit Ina-Yoko Teutenberg zu quatschen. Über die Vergangenheit, als sie vor einigen Jahren den USA im gleichen Radteam fuhren und über die Zukunft, in der sie erneut gemeinsam erfolgreich sein wollen.

Vor wenigen Tagen wurde ihre Mannschaft zusammen mit dem Team von Jan Ullrich bei der Präsentation ihres neuen Sponsors T-Mobile vorgestellt. Ein Profiteam der Herren und eines der Frauen bei nur einem Sponsor unter Vertrag, das ist derzeit einmalig. Es ist ein Modell, von dem vor allem die Frauen profitieren wollen - die in der Öffentlichkeit höchstens mal während der Weltmeisterschaften wahrgenommen werden. Sogar der Gegner freut sich: Jens Zemke, Trainer des bislang einzigen deutschen Profi-Rennstalls Equipe Nürnberger, bei dem Judith Arndt unter Vertrag war, sagt: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Und wenn T-Mobile in den Frauen-Radsport einsteigt, dann kann man davon ausgehen, dass eine gute Strategie dahinter steckt."

Alles für das Team

Für T-Mobile ist das Damen-Team ein glattes Schnäppchen: Die Kosten belaufen sich auf fünf Prozent dessen, was für die Herren ausgegeben wird: Rund 750.000 Euro im Jahr. Auch beim Fahrerkontingent konnte man sparen. Da es wenige Rennen gibt, reichen 10 Frauen aus, um in der Saison gut mitzuhalten. Zum Vergleich: Das Herren-Team umfasst 29 Fahrer. Mit Judith Arndt hat sich T-Mobile eine der derzeit stärksten Rennfahrerinnen geschnappt. 2004 gewann sie in Athen die Olympische Silbermedaille, einige Wochen später wurde sie Weltmeisterin. Im vergangenen Jahr unterstützte sie ihre Teamkollegin Regina Schleicher beim WM-Sieg. "Mir ist nicht wichtig, selbst zu gewinnen", sagt die 29-Jährige, in ihrer zurückhaltenden Art. "Das wichtigste ist, dass ich dabei helfe, dass mein Team gewinnt. Diese Ziel habe ich auch in meiner neuen Mannschaft." Noch wichtiger sei allerdings, so Arndt "das ich wieder Freude am Rad fahren habe." Die war ihr in der vergangenen Saison abhanden gekommen.

Kein Konflikt mit dem Privatleben

Wohl auch, weil sie mit der Rolle ihrer Lebensgefährtin Petra Roßner nicht zurecht kam. Denn die war nicht mehr ihre Mannschaftskollegin, sondern rückte zu Beginn der vergangenen Saison in die Sportliche Leitung der Equipe Nürnberger. Durch den Wechsel von Judith Arndt zu T-Mobile gibt es nun keine Interessenkonflikte mehr. "Wir können jetzt Privates und Berufliches wieder besser trennen", sagt sie. "Wir werden weniger über Radsport sprechen und uns nicht in Probleme reinsteigern, die wir im Team haben." In ihrer neuen Mannschaft sucht Judith Arndt aber auch nach einer neuen Herausforderung. "Ich bin jetzt 29 Jahre alt", sagt die Weltranglistendritte. "Zwischen 30 und 35 erreicht eine Radsportlerin den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Ich möchte einfach noch mal etwas anderes erleben und nicht im gemachten Nest sitzen bleiben."

Viel Spaß im Frauen Team

Mit ihrer neuen alten Teamkollegin Ina-Yoko Teutenberg ist Spaß programmiert. Die Rheinländerin, die ihren Wohnsitz aus den USA und Australien vorerst zurück nach Düsseldorf verlegt hat, sorgt immer für gute Stimmung. Und unterstützt von der Kanadierin Lyne Bessette, mit der sie ebenfalls schon mal gemeinsam im US-Team Saturn fuhr, könnte sich Arndt ihren großen Traum erfüllen und die Thüringen-Rundfahrt gewinnen. Bei dem anspruchsvollen Rennen in ihrer Heimat, "stehen immer viele Freunde an der Strecke", sagt sie. Sieben weitere Fahrerinnen aus drei Nationen werden zusammen mit ihr um Siege kämpfen, um Spaß am Rad fahren - und in drei Jahren um eine Vertragsverlängerung des Sponsors.

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