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Korruption im Handball: Der Aufstieg des Manipulators

Welthandball-Präsident Hassan Moustafa kümmert sich vor allem um seine Karriere, die trotz der vielen Skandalmeldungen über Spielmanipulationen nicht behindert wird. Jetzt will der Ägypter beim Weltsportgipfel die nächste Stufe erklimmen.

Von Jens Weinreich, Denver

Während im Handball eine Skandalenthüllung die andere jagt, arbeitet der Handballpräsident an seiner Karriere. Der Ägypter Hassan Moustafa, Chef des Weltverbands IHF, will am Dienstag in Denver Präsident der ASOIF werden, der Vereinigung olympischer Sommersportverbände. Beim Weltsportgipfel in Denver tagen in dieser Woche sämtliche Weltsportverbände und das IOC-Exekutivkomitee.

Sollte Moustafa gegen den Amtsinhaber Denis Oswald aus der Schweiz obsiegen, wäre dies ein wichtiger Schritt ins Internationale Olympische Komitee (IOC). Moustafa behauptet allerdings, er strebe keine IOC-Mitgliedschaft an.

Moustafa: Keine Korruption im Handball

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Denver sagte Moustafa der FTD, der Handball habe kein Korruptionsproblem. "Nein. Ich glaube nein." Handball hat auch kein Dopingproblem, sagt Moustafa. "Wir sind ein sauberer Sport." Er kann die Aufregung um Schiedsrichterbestechungen, verschobene Spiele und das von der Weltantidopingagentur (Wada) als mangelhaft gerügte Dopingtestprogramm der IHF nicht verstehen. "Ich bin zufrieden damit, was ich für meinen Sport getan habe."

Zu seiner gewöhnungsbedürftigen Praxis, sich Spesen ohne Vorlage von Belegen erstatten zu lassen, sagt er: "Ich schwöre, manchmal bezahle ich mehr, als ich von der IHF bekomme." Schwören ist eine Sache für Gerichtsverfahren, und als Moustafa zuletzt vor dem Internationalen Sportgerichtshof stand, musste er gestehen, Qualifikationsspiele für Olympia 2008 manipuliert zu haben.

Am Wochenende hatte seine Ankündigung Schlagzeilen gemacht, die IHF werde eine Untersuchungskommission zu den Korruptionsvorwürfen einrichten. In Denver klingt das anders. Da sei etwas missverstanden worden, sagt Moustafa nun. Für Gerd Butzeck, den Chef der Vereinigung der wichtigsten europäischen Handballvereine, hat er nur Spott übrig. Butzeck hatte Moustafa in einem Interview auf stern.de als "Kern des Problems" ausgemacht: "Mit so einem Menschen an der Spitze dürfen wir uns nicht wundern, wenn im Handball jetzt ständig die Rede von Korruption und Bestechung ist."

Moustafa will nicht gestört werden

Moustafa sagt, er habe mit Butzeck nichts zu bereden. "Welche Probleme macht Hassan Moustafa?", fragt er rhetorisch. Dann zählt er seine vermeintlichen Verdienste auf und sagt, wenn Butzeck ein Problem habe, solle er sich zunächst an den deutschen Verbandspräsidenten Ulrich Strombach wenden. Der Ägypter vermittelt den Eindruck, nicht gestört werden zu wollen von all den hässlichen Meldungen. Seine Kandidatur für die ASOIF-Präsidentschaft machte er ausgerechnet an jenem Tag bekannt, als Jean Kaiser aus Luxemburg und der Isländer Gudmundur Ingvarsson ankündigten, ihn auf dem IHF-Kongress im Juni in Kairo stürzen zu wollen.

Die ASOIF habe ein Imageproblem, nicht der Handball, verkündet Moustafa. "Ich habe einen Plan! Ich habe ein Programm!" Die Kandidaturen von Kaiser und Ingvarsson bewiesen letztlich nur, "wie demokratisch" es in der IHF zugehe. Seine Gegner werden diese Bemerkung gewiss nicht witzig finden.

Mehr Geld für kleinere Verbände

Der seit neun Jahren amtierende ASOIF-Präsident Oswald ist ein Hochkaräter in der Branche. Er ist Präsident des Ruderweltverbands und nimmt auch einen Platz im IOC-Exekutivkomitee ein. Der ASOIF-Posten war schon für Oswalds Vorgänger Primo Nebiolo der Schlüssel zum IOC. Dauerthema des Verbands sind die Anteile an den olympischen Fernsehverträgen des IOC. Moustafa verspricht, sich für höhere Tranchen kleinerer Verbände einzusetzen, was durchaus ankommt unter den Kollegen.

Die jüngste Abrechnung von 2005 bis zum 31. Dezember 2008 ist gerade erfolgt. Das IOC verteilt 290 Mio. $ an 28 Verbände. Die Verbände werden in vier Zahlungsklassen unterteilt: In der Kategorie A sind allein die Leichtathleten und erhalten 28,5 Mio. $. Die Sportarten der Kategorie B (Basketball, Radsport, Fußball, Turnen, Schwimmen, Tennis, Volleyball) erhalten je 14 Mio. $. Zur Kategorie C, dotiert mit 9,4 Mio. $, zählen Rudern, Reiten, Handball und Hockey. Der Rest (Gruppe D) erhält je 7,9 Mio. $. Manche Verbände finanzieren sich zu 90 Prozent über diesen olympischen TV-Anteil und könnten ohne diese Tantiemen nicht überleben. Moustafa argumentiert, Handball gehöre in die Kategorie B und müsse also 4,5 Mio. $ mehr erhalten.

In Finanzfragen ist sich jeder selbst der Nächste. Moustafa kommt zugute, dass die Szene im Umbruch begriffen ist: Im November 2008 haben vier Föderationen neue Präsidenten bekommen. Wie die Neuen sich verhalten, ist offen. Moustafa braucht nur 14 Stimmen.

Oswald wollte sich in Denver nicht äußern. Kürzlich hatte er Moustafas IHF kritisiert und betont, der Handballverband müsse seine Dopingregeln denen der Wada anpassen. Moustafa behauptet, er habe Oswalds Kritik gar nicht gelesen. "Vielleicht hat das mit der ASOIF-Wahl zu tun. Es ist doch alles ein Spiel."

FTD

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