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Handball-WM: Kartoffelsuppe und Post von Jogi

20.000 Fans in der Kölnarena und 11 Millionen an den Fernsehschirmen: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft sprengt alle Rekorde. Am Donnerstag wartet im Halbfinale mit Frankreich der nächste Brocken auf die "Brandmänner" - und selbst beim DFB fiebern sie jetzt mit.

Von Klaus Bellstedt, Köln

Sie haben sich versteckt, die deutschen Handball-Helden. Eine Dreiviertelstunde von Köln entfernt, mitten im hügeligen und beschaulichen Bergischen Land hat das Team Quartier bezogen. Das kleine Kaff heißt Wiehl, und nur Handball-Verrückte wissen, dass es sich dabei um eine winzige Ortschaft nahe Gummersbach handelt. Dort also residiert man, wobei das Wort 'residieren' eigentlich so gar nicht passt. Von wegen Steigenberger oder Hyatt Regency - die Jungs schlafen im gutbürgerlichen Hotel zur Post. Irgendwie passt das zu dieser sympathischen und völlig auf dem Boden gebliebenen Mannschaft.

Und während also vorne in der Küche die hausgemachte Kartoffelsuppe auf den heißen Platten vor sich hinköchelt, bittet Bundestrainer Heiner Brand im überfüllten Saal "Wiehlerhöhe" zur Pressekonferenz. Das Medieninteresse ist enorm: Zig Fernsehsender haben ihre Teams nach Wiehl geschickt, dazu Hörfunk und schreibende Zunft. Das Handball-Fieber, es greift immer weiter um sich. An Zahlen lässt sich das am besten festmachen. Die Fernsehübertragung vom Viertelfinalkrimi gegen Spanien sahen in der Spitze 11 Millionen Menschen. "Das ist die höchste Einschaltquote, die es beim Handball je gab", sagt Johannes Krause, ARD-Teamchef bei dieser WM. Das ZDF soll beim IHF sogar wegen einer Verlegung des Halbfinal-Knüllers gegen Frankreich nachgefragt haben. Bei einer Anwurfzeit um 18.30 Uhr hätte man die Quote wohl noch um einiges steigern können. Der Verband lehnte ab.

"Gewinnt das Halbfinale und werdet Weltmeister"

Heiner Brand wird das nicht weiter stören. Der Vater des Erfolges wirkt in sich gekehrt, der Mann steht unter Vollstrom. Seine lockeren Sprüche kommen ihm am Vortag des Halbfinales zwar immer noch über die Lippen, aber man sieht Brand an, dass es so langsam ans Eingemachte geht. "Der Blick geht nur nach vorne, wir können jedes Team schlagen, wir erwarten eine andere französische Mannschaft als noch in der Hauptrunde", Floskeln über Floskeln. Aber was soll er auch noch sagen? Vielleicht, dass sein Trainerkollege Jogi Löw gemeinsam mit Manager Oliver Bierhoff von der DFB-Zentrale in Frankfurt aus ein Fax an ihn und die Mannschaft geschickt hat? Nein, dafür ist Brand zu bescheiden. Das überlässt er dann doch lieber dem Präsidenten des DHB, Ulrich Strombach.

Moralische Fußballer-Unterstützung für unsere Handballer von zwei Männern, die wissen, wie es sich anfühlt, in einem WM-Halbfinale zu stehen. Fast ein bisschen stolz verteilen emsige DHB-Funktionäre nach der Brand-Fragestunde das kopierte -Zuspruchs-Fax an die Journalisten. Im genauen Wortlaut heißt es: "Schon heute habt ihr neue Maßstäbe in Eurer Sportart gesetzt. Zeigt weiterhin, was man mit absolutem Siegeswillen, fantastischem Teamgeist und harter Arbeit erreichen kann." Und dann steht da noch dieser bemerkenswerte Satz: "Wir Fußballer drücken Euch ganz fest die Daumen - schafft das, was uns verwehrt blieb: Gewinnt das Halbfinale und werdet Weltmeister!"

Lecker Kartoffelsuppe für unsere Helden

Die Spieler, die nach und nach in Badelatschen und Trainingsanzug für kleinere Pressegespräche im Anschluss an die PK dazu stoßen, freuen sich äußerlich über die warmen Worte ihrer Fußballerkollegen. Das merkt man ihnen durchaus an. Aber im Inneren haben auch sie - genauso wie ihr Coach - längst den Tunnelblick aufgesetzt. Und während sich Christian Zeitz mit flammenden Augen immer noch gern an das Spiel gegen Spanien erinnert ("als die deutsche Hymne abgespielt wurde und alle Fans mitgesungen haben, das war schon fantastisch und gibt noch mal einen Kick"), denkt Weltklasse-Flügelspieler Flo Kehrmann nur nach an das nächste Match auf dem Weg zum "Unternehmen Gold 2007". "Gegen Frankreich müssen wir noch einmal eine Schippe drauflegen - Spieler und Fans." Und dann schlürft Kehrmann weiter zum Büffet. Lecker Kartoffelsuppe essen. Für die ist das Hotel zur Post in Wiehl bekannt. Na denn, wohl bekomm's.

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