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stern-Kolumne "Winnemuth": Keine Wahl, keine Qual

Allein auf der Insel. Die Läden fast alle geschlossen, im Café nur Kartoffelsuppe. Und doch: Sich zwischen nichts entscheiden zu müssen tut einfach gut.

Von Meike Winnemuth

Auf Spiekeroog kann man sich zwischen Nichtstun und Strandspaziergang entscheiden

Auf Spiekeroog kann man sich zwischen Nichtstun und Strandspaziergang entscheiden

Den Februar verbringe ich auf Spiekeroog, einer Insel, die stolz auf das ist, was sie alles nicht hat. Keinen Autoverkehr, keine Hotelklötze, keine Strandpromenade, nicht mal einen Fahrradverleih und einen Golfplatz schon gar nicht. Die Landschaft um das 750-Seelen-Dorf ist naturgeschützt, die Wälder und Dünen dürfen nicht betreten werden. Es gibt im Wesentlichen zwei gepflasterte Hauptpfade, auf denen man sich bewegen kann: einen zum Zeltplatz im Westen, einen Rundweg Richtung Osten. Die Fähre legt ab, wie es den Gezeiten passt: ein- bis zweimal am Tag, und wenn man Pech hat, morgens um sechs.

Als ob die Optionen nicht schon übersichtlich genug wären, wird es im Winter noch mal einen Zacken härter. Die Insel ist wie ausgeknipst, fast alle Geschäfte, Restaurants und Hotels sind geschlossen. Der Inselbäcker hat zu, der Buchladen hat zu, das Zweimal-die-Woche- Inselkino hat zu, das Inselbad nur an vier Tagen geöffnet, der Supermarkt macht zweieinhalb Stunden Mittagspause. Weil die Fracht vom Festland derzeit seltener kommt, kann es sein, dass man sich im kleinen Delikatessengeschäft nur zwischen drei Joghurtsorten entscheiden kann. Im einzigen Café gibt es mittags Kartoffelsuppe mit Krabben, Kartoffelsuppe mit Wurst und Kartoffelsuppe.

All das macht das Leben wundersamerweise nicht etwa schwieriger, sondern einfacher. Keine Optionen zu haben bedeutet, keine Entscheidungen treffen zu müssen. Nichts können heißt nichts sollen. Keine Wahl, keine Qual. Und wenn es nichts zu tun gibt, tut man endlich das, was man immer schon wollte: lesen, schlafen, spazieren gehen. Oder auch einfach: nichts. In meinem Blog schrieb ich neulich schon über dieses befreiende Gefühl der Entoptionalisierung, über die Erleichterung darüber, dass das Leben einfach mal auf Diät gesetzt wird. Unser täglich Überangebot führt im Schlepptau ja oft eine seltsame Unzufriedenheit mit sich: das nagende Gefühl, es hätte doch noch was Besseres, Günstigeres, Schöneres gegeben, wenn man nur länger geguckt, sich besser informiert und sorgfältiger verglichen hätte. Aus der latenten Überforderung durch das Zuviel erklärt sich nicht nur das wachsende Bedürfnis nach Gegengiften wie Klosterferien, Schweigewochenenden und Fastenkuren, sondern auch das Tchibo-Phänomen, das einen zum Fusselrasierer greifen lässt, obwohl man nie einen gebraucht hat – aber es gibt halt nur den einen und das auch nur eine Woche lang.

Ein unverdientes Glück

Ich plädiere nun, weiß Gott, nicht für das DDR-Prinzip – es gibt nur drei Fliesen und von denen ist gerade keine lieferbar –, sondern für ein entspanntes Nachdenken darüber, wann das ständige Wählenkönnen eine Bereicherung ist und wann eine Belastung. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Ich zum Beispiel brauche das Gefühl, immerzu und überall Zugriff auf jedes Buch zu haben, das mich gerade interessiert – sogar auf Spiekeroog. Ein Hurra also auf das 21. Jahrhundert und die Erfindung des E-Readers. Genauso brauche ich das Gefühl, morgens nicht eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen, was ich anziehe: Seit drei Jahren trage ich ausschließlich Blau. Ich bin zwölf Monate lang mit einem 20-Kilo-Koffer voller blauer Sachen gereist, habe dabei nicht das Geringste vermisst und bei meiner Rückkehr beschlossen, dass das so bleiben kann.

Wir haben das unverdiente Glück, in eine der optionsreichsten Zeiten und eines der optionsreichsten Länder der Welt hineingeboren zu sein, es wäre grotesk, sich darüber zu beschweren. Aber eine dieser Optionen ist es eben auch, manchmal keine haben zu wollen.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.