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Leichtathletik-WM: Gold für die "alte" Dame

Diskuswerferin Franka Dietzsch hat bei der Leichathletik-WM in Helsinki die erste Goldmedaille für Deutschland geholt. Nach 1999 ist dies der zweite WM-Titel der 37-Jährigen.

Franka Dietzsch hüpfte vor Freude in die Luft und schlug die Hände vor das Gesicht: Mit 66,56 Meter gewinnt die Neubrandenburger in Helsinki zum zweiten Mal nach 1999 den Weltmeistertitel im Diskuswerfen und übertrifft damit ihre deutsche Saisonbestleistung um 27 Zentimeter. "Das ist die Krönung, das ist der Gipfel", jubelt die 37-Jährige überschwänglich. WM- Silber gewann Olympiasiegerin Natalja Sadowa (Russland/64,56) vor Vera Pospisilova-Cechlova aus Tschechien (63,19).

Da sie etwas Bammel vor dem Regen hatte, konzentrierte Franka Dietzsch schon alles auf den ersten Wurf. Der flog 64,89 Meter weit und hätte ebenfalls den Sieg bedeutet. "Ich habe alles in den ersten Versuch gelegt. Doch dass der Diskus gleich so weit flog, hätte ich nicht zu träumen gewagt", meinte Dietzsch.

Schon ausgemustert gewesen

"Vor einem Jahr hat man uns praktisch ausgemustert - jetzt sind wir Weltmeister", sagte Trainer Dieter Kollark voller Genugtuung. Es sei nun ihre Entscheidung, ob sie die Laufbahn noch fortsetzen wolle. "Allerdings hat Franka versprochen, dass wir auf die chinesische Mauer gehen", meinte er mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Dann wäre die Ausnahmeathletin 40 Jahre alt.

Bei ihrer achten WM-Teilnahme seit 1991 wurde Franka Dietzsch auf die härteste Geduldsprobe gestellt. Nach der erfolgreichen Qualifikation mit 63,53 Meter am vergangenen Sonntag musste sie vier Tage ausharren, bis es endlich los ging. Denn am Dienstag wurde das Diskus-Finale wegen des Unwetters über Helsinki abgebrochen.

"Es war ein eine völlig richtige Entscheidung. Alles andere wäre gefährlich gewesen", sagte Franka Dietzsch, die über den Abbruch dennoch etwas traurig war: "Ich war echt gut drauf." Bewahrt wurde sie durch das Gewitter aber vor weiterer Unbill. Denn bei den ersten vier Würfen ihrer Konkurrentinnen vor der Vertagung funktionierte die Weitenmessung - unbemerkt vom Kampfgericht - nicht korrekt.

Die"alternde Athletin"

Die "alternde Athletin", wie Trainer Kollark sie schon 1999 nach ihrem WM-Sieg nannte, erlebt in dieser Saison einen "zweiten Frühling". So steuerte sie beim Europacup in Florenz einen der sechs Einzelsiege bei und meldete als zweitbeste der Jahresweltbestenliste mit 66,29 m WM-Ansprüche an. Nur die Vera Pospisilova-Cechlova (66,81) hatte sie vor Helsinki übertroffen.

"Ich habe schon im Winter gut trainiert und mir vorgenommen, dass ich eine Saison machen möchte, in der ich 67 Meter schaffen", so Dietzsch. Dies war ihr zuletzt im Jahr 2000 gelungen. Zwei Episoden ihrer zwei Jahrzehnte währenden Karriere würde Franka Dietzsch wohl lieber löschen: Sowohl bei den Welttitelkämpfen 2003 in Paris als auch bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen schied sie schon in der Qualifikation aus.

Andreas Schirmer/DPA / DPA

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