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Leichtathletik-EM Göteborg: Franka Dietzsch wirft Silber

Es hat nicht ganz gereicht: Um 1,20 Meter hat die favorisierte Franka Dietzsch die Goldmedaille verpasst. Auch sonst konnten die deutschen Athleten am vierten Tag der EM nicht an die Erfolge der vergangenen Tage anknüpfen.

Bankkauffrau Franka Dietzsch hat das Medaillenkonto der deutschen Leichtathleten bei den Europameisterschaften in Göteborg mit dem ersten "Silbertaler" aufgefüllt, das heiß ersehnte "Goldstück" aber um 1,20 Meter verpasst. Die zweifache Diskuswurf-Weltmeisterin aus Neubrandenburg hielt am Donnerstagabend dem hohen Erwartungsdruck nicht Stand und musste sich acht Jahre nach ihrem EM-Titel von Budapest diesmal mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Darja Pischalnikowa schleuderte die ein Kilo schwere Scheibe im Ullevi-Stadion 65,55 Meter weit und erkämpfte bereits den siebten EM-Titel für Russland.

Am Tag, als der Regen kam, ging für die Deutschen eine stolze Serie zu Ende. Marita Koch und Grit Breuer lassen grüßen: Erstmals seit 48 Jahren stand keine deutsche 400-Meter-Läuferin im Finale von Europameisterschaften. Den Titel sicherte sich im Ullevi-Stadion in 49,85 Sekunden ganz überlegen Wanja Stambolowa - es war das erste EM-Gold für eine Bulgarin über die Stadionrunde, seit diese Strecke 1958 ins EM-Programm aufgenommen wurde.

Paradelauf ohne deutsche Beteiligung

Die 400 Meter waren lange Jahre die Paradestrecke der deutschen Läuferinnen - nur bei der EM-Premiere standen sie nicht im Endlauf. Weltrekordlerin Marita Koch holte drei Titel in Serie, Grit Breuer gewann zwei Mal und wurde vor vier Jahren in München Zweite.

100-m-Champion Francis Obikwelu machte das goldene Double perfekt: In 20,01 Sekunden holte sich der in Nigeria geborene Portugiese mit einer Demonstration der Stärke auch den Titel über die doppelte Distanz. Für Sebastian Ernst war im Halbfinale Endstation. Der Wattenscheider schied als Sechster chancenlos in 21,04 Sekunden aus. "Gestern war es super - heute Kreisklasse. Es ist der Wurm drin. Nach der Kurve war ich irgendwie tot", sagte der deutsche Meister.

Beste Europäerin über 800 Meter wurde die Russin Olga Kotljarowa in 1:57,38 Minuten. Den Titel über 400 m Hürden der Männer holte sich der Grieche Periklis Iakovakis (48,46 Sekunden).

Stabhochspringer überstanden Qualifikation

Als Diskus-Riese Lars Riedel und Hürdensprinterin Kirsten Bolm nach erfolgreicher Frühschicht längst ihre Sachen gepackt hatten, brach ein Gewittersturm über die schwedische Westküste herein. Bei Blitz und Donner mussten die Stabhochspringer am Vormittag aus dem Stadion flüchten - für 20 von ihnen endete die Flucht gleich im Finale. Auch das deutsche Trio mit Tim Lobinger (Köln), Lars Börgeling und Richard Spiegelburg (beide Leverkusen) überstand die chaotische Qualifikation und kämpft am Sonntag um die Medaillen.

Gewitter beendet Wettbewerbe

"Das war unzumutbar, es wäre sinnlos gewesen, hier heute weiter zu springen. Der Abbruch war also die richtige Entscheidung", sagte Lobinger. Wer zumindest 5,45 Meter gemeistert hatte wie Spiegelburg, ist am Sonntag dabei, wenn der Nachfolger von München-Europameister Alex Averbukh (Israel) gesucht wird. 20 "Stabis" werden sich dann auf der Anlage tummeln. "Das gab es bei internationalen Meisterschaften noch nie", meinte der WM-Fünfte Lobinger.

Kirsten Bolm hat ihren Vorlauf über 100 Meter Hürden in 12,83 Sekunden gewonnen, das Diskus-Duo Riedel und Michael Möllenbeck (Wattenscheid) kämpft um die Medaillen. Als die Wettkämpfe wegen des heftigen Gewitters unterbrochen wurden, ging es für die Geher weiter: Im strömenden Regen kam Johan Diniz (Frankreich) nach 50 Kilometern und 3:41:39 Stunden ins Ziel.

Ralf Jarkowski, Andreas Schirmer/DPA, / DPA

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