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Leichtathletin-Outing: "Ich fühle mich als Mann"

Mit einem ungewöhnlichen und mutigen Bekenntnis zu ihrer Transsexualität hat die deutsche Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum die Sportwelt geschockt. "Seit vielen Jahren befinde ich mich gefühlsmäßig im falschen Körper", erklärte die 27-Jährige. Als Mann will sie ihre Karriere aber nicht fortsetzen.

"Im Wesentlichen erfolgt meine Entscheidung, meine Karriere zu beenden, aufgrund meines seelischen Ungleichgewichts." Auf ihrer Homepage kündigte die Europameisterschafts-Dritte von 1998 und 2002 an, sich einer Hormonbehandlung zu unterziehen. Auch ihren Vornamen will Buschbaum ändern, als Mann jedoch keine zweite Leichtathletik-Karriere starten.

"Wer mich kennt, erkennt einen klaren Makel. Ich fühle mich als Mann und muss mein Leben im Körper einer Frau leben", beschrieb die mehrfache deutsche Meisterin mit der Bestleistung von 4,70 Meter ihr seit vielen Jahren andauerndes Dilemma. Sie führt sogar ihre zahlreichen Verletzungen darauf zurück. Nach insgesamt vier Operationen an beiden Füßen war Buschbaum nicht mehr richtig auf die Beine gekommen. "Die Jahre der Diskrepanz zwischen Schein und Sein haben ihre Spannungen hinterlassen und körperlich Ausdruck gefunden in Form meiner verletzten Achillessehnen. Eine chronische Verletzung ist immer die logische Konsequenz, dass es der Seele nicht gut geht."

"Ich dope nicht"

Sie möchte nicht länger verkannt werden, erklärte die in Ulm geborene Buschbaum, die beim VfB Stuttgart ihre Karriere startete und später für den ABC Ludwigshafen sprang. "Ich appelliere an das Verständnis und Einfühlvermögen eines gesunden, reinen und charakterstarken Menschenverstandes, meinen Schritt zu respektieren und keine falschen Schlüsse daraus zu ziehen. Ich gehe diesen öffentlichen Weg bewusst. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass Transsexualität ein Randthema ist."

Ausdrücklich verwies die Stabhochspringerin darauf, dass ihre Erfolge aus biologischer Sicht ihre natürliche Berechtigung haben: "Ich dope nicht". Sie wolle ihren Fall nicht verglichen haben mit dem der früheren Kugelstoß-Europameisterin Heidi Krieger. Die hatte sich nach hohen Zugaben von männlichen Hormonen im Zuge des DDR-Dopings operieren lassen und lebt heute als Andreas Krieger.

Theoretisch könnte Buschbaum 2012 bei den Olympischen Spielen in London als Mann teilnehmen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lässt seit 2004 transsexuelle Sportler zu. "Die Frage, bei den Männern zu starten, stellt sich mir nicht", sagte sie jedoch. "Die Welt des Sports ist klein. Umso dankbarer bin ich dafür, dass mich Größeres erwartet."

Ulrike John/DPA

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