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Lisicki gegen Kerber in Wimbledon: Deutsches Duell im Viertelfinale

Mit Sabine Lisicki und Angelique Kerber stehen sich erstmals seit vielen Jahren wieder zwei deutsche Tennisspielerinnen in einem bedeutenden Wimbledon-Match gegenüber.

Von Cord Sauer

Ein großer Tag für das deutsche Damen-Tennis: Mit Sabine Lisicki und Angelique Kerber treffen im Viertelfinale von Wimbledon zwei Topspielerinnen des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) aufeinander. Nicht nur auf dem heiligen Rasen ist diese Partie äußerst bedeutend, sondern auch für alle weiterern Grand Slams gilt: derartige Begegnungen haben großen Seltenheitswert. Zuletzt trafen vor fast zehn Jahren Steffi Graf und Anke Huber im Halbfinale der French Open aufeinander.

Es ist längst Zeit geworden für einen neuen deutsch-deutschen Vergleich. "Vom Kopf her wird es nicht einfach für uns beide", gibt Kerber zu und ergänzt: "Wir sind keine Feindinnen, verstehen uns prima." Sicher wäre es schöner gewesen, hätten beide gegen eine andere Gegnerin gespielt. Dann hätten vielleicht sogar beide den Weg ins Halbfinale packen können. Sabine Lisicki jedoch ist kein Freund des Konkunktivs und legt die Fakten auf den Tisch: "So oder so, eine Deutsche ist auf jeden Fall im Halbfinale. Das ist doch toll."

Cilly Aussem triumphierte 1931

Wer wichtige Begegnungen mit ausschließlich deutscher Beteiligung auf englischem Rasen sucht, muss sehr weit zurückblicken. Das wichtigste Match in der Geschichte des "All England Lawn Tennis and Croquet Club" aus deutscher Sicht reicht bis in das Jahr 1931 zurück. Damals standen sich die legendäre Cilly Aussem und Hilde Krawinkel-Sperling gegenüber. Aussem gewann mit 6:2 und 7:5 und war die erste deutsche Siegerin auf dem englischen Rasen. Es gab neben diesem deutschen Damenduell in der Folgezeit nur wenige weitere, unter anderem duellierten sich Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch Ende der 80er- Jahre im Viertelfinale (1989) sowie im Halbfinale (1988) der Australien Open.

Die Berlinerin Lisicki stand bereits im letzten Jahr in der Runde der letzten Vier, scheiterte dort jedoch gegen Maria Scharapowa. Scharapowa hieß auch ein Jahr später die Hürde für Lisicki, allerdings bereits im Achtelfinale. Und dieses Mal machte es die formstarke Lisicki besser, fertigte die Weltranglisten-Erste mit 6:4, 6:3 ab.

Boris Becker lobt die "wunderbaren" Damen

Nach 84 gespielten Minuten hatte Lisicki ihren dritten Matchball. Ihren ersten Aufschlag vergab sie leichtfertig, ehe sie mit dem zweiten ein Ausrufezeichen setzte: Ass! Spiel, Satz und Sieg, Sabine Lisicki. Die zarte Tennisdame sank auf ihre Knie, ballte ihre beiden Fäuste und brach in Freudentränen aus. Was für ein Sieg, was für eine Sensation. Erstmals in ihrer Karriere bezwang sie Maria Scharapowa. "Wenn sie so spielt, gehört sie zur Spitze", erkannte die Russin nach ihrer Niederlage neidlos an und lobte die Deutsche in den siebten Tennishimmel.

Dort, im Tennishimmel, sieht sich Lisicki selbst noch längst nicht. Jetzt trifft sie bei ihrem Lieblingsturnier auf englischem Boden auf ihre deutsche Tenniskollegin Angelique Kerber, die parallel die viermalige Grand Slam-Siegerin Kim Clijsters aus Belgien mit einem grandiosen 6:1, 6:1 zurück in die Heimat schickte. Zwei Damen, die das deutsche Tennis wieder auf Vordermann bringen und an die glorreichen Zeiten von Steffi Graf anknüpfen wollen. Auch Tennis-Legende Boris Becker verfolgt Lisicki und Kerber aufmerksam, twitterte nach deren Erfolgserlebnissen schnell: "Die deutschen Damen sind wunderbar."

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