Manipulation im Handball Kiel drohen harte Konesquenzen


Der THW Kiel steht im Fadenkreuz der Ermittlungen: Sollte sich der Verdacht der Manipulation erhärten, hätte das für den Kieler Club weitreichende Konsequenzen. Der europäische Handball-Verband, der Hauptsponsor und Konkurrent Flensburg bereiten sich auf Schritte gegen den Club vor.

Der THW Kiel steht im Fadenkreuz der Justiz und muss einschneidende Konsequenzen fürchten - noch aber gibt es keine Beweise für die angeblichen Manipulationen. Verbände, Sponsoren und der Nord-Rivale SG Flensburg-Handewitt warten vor eigenem Eingreifen auf Ergebnisse von der Kieler Staatsanwaltschaft, die ihren Ermittlungen im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen gegen den deutschen Handball-Rekordmeister oberste Priorität einräumt. "Ich habe zwei, drei Staatsanwälte auf diesen Fall angesetzt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Dienstag.

Sowohl die Europäische Handball-Föderation (EHF) als auch THW-Hauptsponsor Provinzial Versicherungen und Bundesliga-Konkurrent Flensburg bereiten sich auf eventuelle Schritte gegen den Club vor. Wegen möglicher entgangener Einnahmen seit dem verlorenen Finale in der Königsklasse kündigte Flensburg vorsorglich Regressforderungen an, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. "Dann steht uns der Titel 2007 automatisch zu. Und dann werden wir gegen Kiel Regressansprüche stellen. Denn uns sind Prämien von Sponsoren, Förderern und der EHF entgangen", sagte Geschäftsführer Fynn Holpert den "Lübecker Nachrichten" (Dienstag). Eine Bestätigung der Anschuldigungen wäre "für den Handball der Super-Gau".

Bereits am Montagabend hatte Andreas Rudolph, Präsident des Bundesligisten HSV Hamburg, bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. "Die Staatsanwaltschaft hat mich angerufen. Ich habe dann eine schriftliche Aussage getätigt und sie der Behörde per Mail zukommen lassen. Diese Aussage würde ich jederzeit beeiden", sagte Rudolph der "Hamburger Morgenpost", ohne den Inhalt zu konkretisieren. Rudolph war Gastgeber einer Feier, auf der THW-Manager Uwe Schwenker angeblich Manipulation des Champions-League-Endspiels 2007 gegen Flensburg erwähnt haben soll.

Derweil geht Kiels Hauptsponsor in der angeblichen Manipulationsaffäre weiter von der "Unschuldsvermutung" aus. Das Unternehmen erwäge derzeit keine Beendigung seines Engagements, sagte Provinzial-Sprecher Günther Jesumann der dpa. "Das Sponsoring stellen wir auf den Prüfstand, wenn sich Beweise handfest ergeben." Natürlich würde der Konzern aber darüber nachdenken, wie er sich verhalte. Eine eigene Revision habe ergeben, dass die geschäftlichen Beziehungen mit dem Bundesliga-Spitzenreiter "absolut in Ordnung" gewesen seien.

Auch die EHF will eigene Nachforschungen von den Ergebnissen der Kieler Ermittlungen abhängig machen. Laut Regelwerk könnte der zuständige Slowake Jozef Ambrus erst dann als "moralische Instanz" die Ermittlungen anordnen. Ambrus begann am Dienstag mit der Sichtung der Unterlagen. "Die EHF will sich einzig und allein auf Fakten und nicht Gerüchte konzentrieren. Wenn Fakten vorliegen, wird die Arbeit des Initiators auch beginnen", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer.

FC Barcelona wehrt sich gegen Vorwürfe

Dem THW Kiel wird die Manipulation von zehn Champions-League- Spielen durch Bestechung von Schiedsrichtern vorgeworfen. Nach einem Bericht des "Spiegel" sollen zum Beispiel beim Champions-League- Gewinn 2007 vor dem Finale gegen Flensburg 96 000 Euro gezahlt worden sein. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen THW-Manager Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den früheren Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe. Schwenker und Serdarusic haben alle Vorwürfe zurückgewiesen. Beirat und Gesellschafter des THW Kiel haben Schwenker nach einer Sitzung am Montagabend das Vertrauen ausgesprochen.

Unterdessen wehrte sich der FC Barcelona gegen eine Passage im "Spiegel", wonach beim Champions-League-Endspiel 2000 gegen den THW Kiel nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen sein soll. "Wir haben nie Spiele manipuliert. Nicht in der Zeit, als ich Spieler war, und nicht in der Zeit, seit ich Manager bin", sagte Xavier O’Callaghan.

Wie zahlreiche seiner Kollegen reagierte der Barca-Manager mit Unverständnis und Überraschung auf die Vorgänge rund um den THW. "Wir können das alles nicht verstehen, was in Deutschland passiert. Wir wissen nicht, was wir von alledem halten sollen", sagte der Spanier. O’Callaghan und seine Kollegen befürchten einen erheblichen Schaden für den internationalen Handball. "Das wirft kein gutes Licht auf unsere Sportart", sagte Benjamin Kuznezow, Vertreter des russischen Serienmeisters Medwedi Tschechow.

Martin Kloth und Benjamin Haller/DPA DPA

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