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Manipulation im Handball: Staatsanwalt ermittelt gegen Kiels Manager

Der mutmaßliche Bestechungsskandal beim Handball-Club THW Kiel weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Manager Uwe Schwenker und den Kieler Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic eingeleitet. Nach einem Medienbericht hat sich der Verdacht erhärtet, dass die beiden mindestens zehn Champions-League-Spiele manipuliert haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat im Zuge der angeblichen Betrugsaffäre beim deutschen Handball-Meister THW Kiel Ermittlungen gegen THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker eingeleitet. Grund sei der Verdacht der Untreue, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Gegen den früheren THW-Trainer Zvonimir Serdarusic werde zudem wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt. Weitere Erklärungen wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht abgeben. Kiel soll einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge mindestens zehn Champions-League-Spiele manipuliert haben. Schwenker und Serdarusic bestreiten die Vorwürfe.

Bereits am Sonntag hatten Mitarbeiter des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Kiel, die THW-Geschäftsstelle und mehrere Privatwohnungen durchsucht, berichtete "Spiegel-online". Einzelheiten dazu wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekanntgeben.

Nach den erneuten Bestechungsvorwürfen gegen die Kieler fürchtet Manager Thorsten Storm vom Bundesliga-Rivalen Rhein-Neckar Löwen einen Imageschaden für den gesamten Handball. "In dieser ganzen Sache hat sich der ganze Handball nicht mit Ruhm bekleckert, alle nicht", sagte Storm nach dem Einzug der Badener ins Champions-League-Viertelfinale am Sonntagabend. Der Löwen-Beiratschef Dieter Matheis hatte in seiner Funktion als Aufsichtsrat des Ligaverbandes HBL die Affäre mit einem Brief an Kiels Manager Uwe Schwenker ins Rollen gebracht. Der THW weist Manipulations-Vorwürfe zurück.

Storm bestätigte indes, dass die Mannheimer wegen der Gerüchte den Vertrag mit dem früheren Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic kündigen wollten. "Da die Gerüchte von verschiedenen Seiten immer wieder kamen aus Kiel, haben wir gesagt: Das geht nicht", erklärte der 44-Jährige. Serdarusic, der im Sommer einen Dreijahresvertrag bei den Löwen antreten sollte, sei dem Verein jedoch zuvorgekommen und habe selbst um Auflösung des Kontrakts gebeten.

Nach Informationen des "Spiegel" sollen Schiedsrichter bei mindestens zehn Champions-League-Spielen des THW bestochen worden sein. Darunter auch das gewonnene Finale 2007 gegen die SG Flensburg- Handewitt, bei der Storm damals Manager war. Serdarusic soll bei einem früheren Treffen mit Löwen-Vertretern die Mitwirkung an Bestechungen eingeräumt haben. "Wir haben niemanden angeklagt", betonte Storm. "Für uns war der Fall auch abgeschlossen." Er habe kein Interesse daran, dem Konkurrenten aus Kiel Schaden zuzufügen, versicherte der Manager. "Ich habe doch nur Nachteile im Moment", sagte Storm. Serdarusic hat bislang bestritten, weder manipuliert noch jemand anders beschuldigt zu haben.

Allerdings hatte Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen in der vergangenen Woche die Vorwürfe gegen die Kieler bekräftigt. Angeblich soll THW-Manager Uwe Schwenker die Bestechungen im Gespräch mit Nielsen zugegeben haben. Die Kieler wiesen dies als "falsch und frei erfunden" zurück.

DPA/tis / DPA

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