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Marihuana-Affäre: Olympia-Held Phelps erlebt Image-Gau

Michael Phelps ist öffentlich zu Kreuze gekrochen, doch von der Marihuana-Affäre wird er sich so schnell nicht freischwimmen können. Dem US-Schwimmstar drohen zwar keine sportlichen Konsequenzen, sein "Golden Boy"-Image ist jedoch längst beschmutzt.

"Phelps entschuldigt sich für Marihuanapfeifen-Foto", schrieb die "New York Times", aber da war der Schaden bereits angerichtet: Michael Phelps, US-Schwimmstar und Partylöwe, hat sich mit einem Fauxpas außerhalb des Pools wieder einmal in eine persönliche Misere gebracht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte zunächst großzügig und akzeptierte Phelps' Einsicht, der sich für "sein Fehlverhalten" entschuldigt hat. Das britische Boulevard-Blatt "News of the World" hatte ihn mit einer Marihuana-Wasserpfeife am Mund abgebildet. Ein Verlust seiner acht Goldmedaillen von Peking droht Phelps allerdings nicht. "Er hat sich für sein unangemessenes Verhalten entschuldigt. Wir haben keinen Grund, an seiner Ernsthaftigkeit und an seinem Willen zu zweifeln, sich in Zukunft wie ein Vorbild verhalten zu wollen", teilte das IOC in einer Presseerklärung mit.

Dabei wären Zweifel verständlich. Im Dezember 2004 hatte ein US-Gericht Phelps zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er alkoholisiert am Steuer seines Wagens erwischt wurde. Die Sponsoren hatten damals seine Reue akzeptiert. Nach der neuerlichen unrühmlichen Episode muss er nun mit Millionen-Verlusten rechnen - auch wenn sich zwei Top-Sponsoren (Speedo, Omega) bereits zum weiteren Engagement mit ihm bekannten und seine Erklärung als positives Zeichen werteten.

"Seine Reife hat noch nicht das Levels seines Bankkontos erreicht", kommentierte die "Chicago Tribune" und erinnerte gleichzeitig an Bilder, die Phelps vor ein paar Monaten mit Stripteasetänzerinnen in Las Vegas gezeigt haben. Der Olympia-Held kämpft um seinen Ruf.

"Wir sind enttäuscht über sein Verhalten. Michael ist ein Vorbild und sich seiner Verantwortung gegenüber anderen, vor allem jungen Leuten sehr wohl bewusst. In diesem Fall hat er bedauerlicherweise versagt", verbreitete das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC). Travis Tygart, Präsident der nationalen Anti-Doping Agentur der USA (USADA), war gleichermaßen bestürzt: "Für einen der größten Olympioniken aller Zeiten ist es enttäuschend, was er gemacht hat." IOC-Vizepräsident Thomas Bach kritisierte: "Es ist äußerst bedauerlich, dass er seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden ist."

Phelps gehört einer Athletengruppe an, die zugestimmt hatte, an einem USADA-Pilotprogramm zur Verbesserung von Dopingtests teilzunehmen. Tygart kündigte bereits an, dass der Name Phelps jetzt eventuell aus dem Programm gestrichen werden könnte. Von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat der Superstar offenbar keine Strafe zu befürchten. "Der Fall ist nicht in unserem Zuständigkeitsbereich, denn außerhalb von Wettkämpfen ist Marihuana nicht verboten. Aber es ist eine Sache, über die wir jedes Jahr diskutieren", erklärte der geschäftsführende WADA-Direktor David Howman.

Nach seinem Gold-Festival in Peking hatte Phelps eine monatelange Auszeit genommen und einige lukrative Werbeverträge unterschrieben. Sein Manager Peter Carlisle hatte im Dezember gesagt, sein Klient könne in seinem Leben mehr als 100 Millionen Dollar verdienen. Am Montag hörten sich die Prophezeiungen aus dem Phelps-Lager völlig anders an. "Er bedauert sein Verhalten, und ich bin sicher, er lernt aus dieser Erfahrung", ließ sein langjähriger Coach Bob Bowman ausrichten, "ich bin froh, dass er wieder trainiert."

Heiko Oldörp und Sven Busch, DPA / DPA

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