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NBA: Basket Case - Nowitzki in die BBL?

Die Olympiasieger auf Welttournee? Der Fresh Prince in Philadelphia? Einen flüchtenden Vermittler? Oder doch noch einen deutschen Superstar in der BBL? Aufklärung gibt es im Basket Case.

Mittlerweile ist man also bei Tag 117 des Lockouts angekommen. Von den ersten zwei Wochen der Saison hatte man sich ja bereits verabschieden dürfen, mittlerweile ist laut Commisioner Stern auch das Stattfinden der Spiele über Weihnachten sehr unrealistisch geworden.

Da klang es fast zu schön um wahr zu sein, dass sich Spieler und Teambesitzer zu Beginn der letzten Woche zwei Mal für jeweils knapp 16 Stunden hinter verschlossenen Türen zusammen setzten, bei einer der Sitzungen sogar unterstützt von einem professionellen Schlichter.

Auch ein Vermittler macht noch keinen Tarifvertrag

Nachdem bei der ersten Sitzung scheinbar Fortschritte gemacht worden waren, hatten sich Liga und Spielergewerkschaft darauf geeinigt, am nächsten Tag mit der Hilfe von George Cohen, der bereits der NFL bei der Ausarbeitung ihres neuen Tarifvertrag geholfen hatte, noch größere Schritte in Richtung einer Einigung zu machen. Diese Hoffnung bestätigte sich aber nicht, und so wurden die Verhandlungen ein weiteres Mal auf unbestimmte Zeit vertagt.

Mittlerweile sickerten aber hoffnungsvolle Töne aus beiden Lagern durch. Die Spieler sollen mittlerweile tatsächlich bereit sein, das Basketball-Related Income (BRI), also jeden Dollar, der mit der NBA verdient wird, anstatt wie bisher 57 zu 43 Prozent zu Gunsten der Spieler nun 50 zu 50 mit den Besitzern zu teilen. Damit würden sie als erste der beiden Seiten einem Kompromiss bei einer der beiden Kernfragen im Tarifstreit zustimmen.

Dafür erwarten die Spieler aber im Gegenzug Zugeständnisse der Teambesitzer bei der anderen großen Streitfrage, den Vertragslaufzeiten sowie den Maximal-Gehältern für die Top-Stars. Aber auch in dieser Frage wollen die Besitzer bisher kein Entgegenkommen zeigen – was die Gespräche also auch diesmal scheitern ließ.

Und nicht nur das: Auch Vermittler Cohen verabschiedete sich wortlos von den Verhandlungen - allein die Tatsache, dass er beide Parteien um Funkstille der Presse gegenüber gebeten hatte, und dann genau diese Zeilen als Zitate sowie diverse Verhandlungsdetails in den Medien lesen durfte, machten ihm seinen Job unmöglich.

Fans freuen sich – Superstars zusammen auf Tour!

Aber abgesehen von den Spielern, die sich bereits zum Spielen ins Ausland verabschiedet haben, bleiben auch die Superstars nicht untätig. Das Projekt, das in den letzten Wochen für die meiste Aufmerksamkeit gesorgt hat, hat Cal Darden, ein Geschäftsmann aus Atlanta, auf die Beine gestellt.

Kobe Bryant, LeBron James, Dwyane Wade, Derrick Rose, Carmelo Anthony, Chris Paul, Amar'e Stoudemire, Chris Bosh, Rajon Rondo, Blake Griffin, Russell Westbrook, Carlos Boozer, Paul Pierce, Kevin Love, Kevin Durant und Kevin Garnett. Klingt wie ein All-Star-Kader? Soll es auch, denn das ist die Gruppe, die Darden verpflichtet hat, um zusammen auf eine zweiwöchige Welt-Tournee zu gehen. Die geplanten Stops sind Macao, Australien, Puerto Rico sowie zwei Gastspiele in London, beginnen soll die Tour am 30. Oktober.

Jeder der Spieler soll einen sechs- bis siebenstelligen Betrag für sein Mitwirken erhalten sowie an den direkten Einnahmen aus Tickets und Merchandising beteiligt werden – sicher ein nettes Zubrot für die Zeit bis zum Ligastart. Und außerdem waren die meisten der Stars ja bereits 2008 in Peking bei den Olympischen Spielen zusammen auf Reisen, Probleme mit der guten Stimmung in der illustren Reisegruppe sollte es also kaum geben – und das, obwohl Spaßvogel Dwight Howard der einzige Superstar der Liga ist, der ein Engagement ausgeschlossen hat. Howard war bereits an einer Promotionstour durch sage und schreibe 15 Länder beteiligt – und will zunächst Mal Urlaub machen.

Hochklassigen Basketball im Sinne des Ligabetriebs kann man auf einer solchen Tour natürlich nicht erwarten, doch für viele Fans in allen Teilen der Welt ist es eine Möglichkeit, die Stars einmal live zu erleben, ohne dafür nach Amerika reisen zu müssen.

Wohltätigkeit gleich Staraufgebot

In der Zwischenzeit gab es natürlich wieder einige gut besetzte Wohltätigkeits- und Show-Spiele. Zunächst waren es LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh, die in ihrer Wahlheimat Miami zum Tanz baten – und gehört wurden. So gab es bei den South Florida All-Star Classic neben den drei Heat-Spielern noch Carmelo Anthony, Chris Paul, Amar'e Stoudemire, Kevin Durant, Rajon Rondo, Russell Westbrook und andere Stars zu sehen.

Für die Fans in Miami war es natürlich ein riesiges Spektakel, für die Spieler hingegen, abgesehen vom guten Zweck natürlich, nur eine Ablenkung vom grauen Alltag des Arbeitskampfes. "Wir versuchen, es wie einen Wettkampf zu spielen, Schließlich wären wir normalerweise jetzt alle im Trainingscamp. Aber wirklich ernst nehmen kann man solche Spiele natürlich leider nicht - und das fehlt uns allen am meisten", so Carmelo Anthony nach dem Spiel.

Wenn Magic sich mit dem King anlegt...

Besonders James dürfte die Ablenkung gut getan haben, hatte er doch in der letzten Woche einige derbe Worte von Lakers-Legende Magic Johnson einstecken müssen. Der hatte auf einer Veranstaltung der Universität of Albany zum besten gegeben, James werde nie Meister werden und immer Probleme im Schlussviertel haben. Außerdem dürfe man ihn niemals mit Michael Jordan vergleichen – und aufgrund der fehlenden Titel in James' Trophäenschrank auch nicht mit Kobe Bryant.

Auch Scoring-Champion Durant selber wollte hinter den wohltätigen Aktionen seiner Kollegen nicht zurückstehen und organisierte prompt sein eigenes Charitymatch. Unter dem Jubel seiner Thunder-Fans in Oklahoma konnte er zwar 42 Punkte erzielen – bester Mann auf dem Feld war aber überraschenderweise Michael Beasley von den Minnesota Timberwolves, der am Ende auf 56 Punkte kam.

Und auch Ex-Maverick Josh Howard plant sein eigenes Spiel, bei dem er neben den bereits bestätigten Jason Terry, LaMarcus Aldridge und John Wall auch gerne Dirk Nowitzki präsentieren würde. Der allerdings scheint im Moment mehr Zeit mit Baseball zu verbringen, bereits zwei Mal durfte Nowitzki während der Playoffs den ersten Pitch bei den Texas Rangers werfen – beim zweiten Mal sogar in einem Finalspiel der MLB, der World Series.

Nowitzki ab Februar in der BBL?

Zur angespannten Ligasituation meldete sich Nowitzki dann auch noch zu Wort. In einem Interview mit dem Sender ESPN gab er seine Seelenlage zum Besten:“Natürlich hatte ich gehofft, dass es mit dem Vermittler funktionieren würde. Wir waren alle hoffnungsvoll. Aber wenn selbst so ein Schritt nichts bringt, sieht es wirklich nicht gut aus für uns alle.“

Des weiteren betonte Nowitzki, sich noch keine tiefgründigeren Gedanken für die Möglichkeit eines kompletten Ausfalls der Spielzeit gemacht zu haben. “Wenn wir uns jetzt nicht bald einigen, werde ich zunächst mal nach Deutschland zurück gehen, um dort mit meinem Coach (Holger Geschwinder, die Red.) wieder in meinen Rhythmus zu finden und zu trainieren. Und wenn sich bis Januar nichts getan hat – tja, dann werde ich wohl überlegen müssen, welche Optionen es außerhalb der Staaten für mich gibt, um zu spielen.“

Nicht ausschließen wollte Nowitzki dabei, sich für ein paar Monate in der BBL fit zu halten. Aber der Finals-MVP hatte ebenfalls immer betont, keinem Club – sei es Bayern, Alba oder seinem Heimatverein aus Würzburg – auf die Füße treten zu wollen, indem er bei einem Konkurrenten unterschreiben würde. Und es wäre ja sowieso am schönsten, wenn wir uns alle keine Gedanken darum machen müssten – weil es dann eben doch noch eine NBA-Saison gibt.

Will Smith – Fresh Prince of Philly?

Eine geschäftliche Meldung die Liga betreffend gibt es trotz Lockouts dennoch. Und wie es in der NBA so ist, hat sogar der Verkauf der Philadelphia 76ers etwas mit Hollywood-Glamour zu tun. Finanzier und Mehrheitseigner des Clubs, der in der letzten Saison den Miami Heat in den Playoffs einen tollen Kampf bot, ist in Zukunft der New Yorker Joshua Harris – und als Minderheitseigner sitzen Hollywood-Pärchen Will Smith und Jada Pinkett Smith mit im Boot.

Zumindest die Spieler scheinen sich zu freuen, wie Evan Turner per Twitter mitzuteilen wusste: “Klasse, dass der Fresh Prince einer unserer neuen Besitzer ist. Vielleicht kann er seine Tochter mal bei uns auftreten lassen.“

Harris und seine Gruppe bezahlten dem Vorbesitzer der 76ers, Comcast-Spectator, 280 Millionen Dollar. Lässt man außer acht, dass der Club seit zehn Jahren vergeblich um schwarze Zahlen in den Büchern kämpft, ein Schnäppchen – laut Forbes waren die 76ers zu Beginn des Jahres etwa 330 Millionen Dollar wert. In Philadelphia ist man zwar nach den Flyers, den Phillies und den Eagles nur die viertbeliebteste Franchise und hat seit 8 Jahren keine Playoff-Serie mehr gewinnen können, aber die junge Mannschaft zeigte in der letzten Saison unter dem neuen Coach Doug Collins vielversprechende Ansätze.

Einmal mehr verabschiedet sich der Basket Case in den äußerst unbefriedigenden Zustand des Abwartens, verkürzt durch zahlreiche Michael-Jordan-DVD's sowie einem Zusammenschnitt der Meistersaison der Mavericks – und den immer wieder ungeduldigen Blicken in die Meldungen der Nachrichtenagenturen, die Hoffnung auf eine zumindest verkürzte Saison nie aufgebend!

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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