VG-Wort Pixel

NBA NBA Basket Case - Von Centerschwund und Ligaflucht


Ein chinesischer Nationalheld beendet seine Karriere, Serge Ibaka wird Spanier und die ersten Profis nehmen ihr Talent mit nach Europa. Der sportal.de Basket Case hat genauer hingeschaut!

Sommerpause, Lockout - alles keine schönen Stichworte für den geneigten NBA-Fan. Aber die NBA wäre nicht die bunteste Liga der Welt, gäbe es nicht trotzdem täglich neue Geschichten, über die berichtet werden könnte. Da es kaum neue Wasserstandsmeldungen zum Lockout gibt, beschäftigen wir uns heute im sportal.de Basket Case einfach mit den zahlreichen Randgeschichten, mit denen uns Clubs, Stars und Ex-Stars versorgen.

Frührente für Yao Ming

Die traurigste Nachricht der letzten Tage kam dabei aus China mit einem Umweg über Houston: Yao Ming, Center der Houston Rockets, 8-maliger All Star und wirkungsvollster Botschafter der Liga in Asien hängt seine Stiefel an den Nagel. Nach zwei Jahren, in denen Yao aufgrund einer Fußverletzung nur 5 Spiele bestreiten konnte, hat sich der wohl populärste chinesische Sportler dazu entschlossen, auf seine Knochen zu hören und das Basketballfeld endgültig zu verlassen.

Dies war sicher keine einfache Entscheidung für Yao, der in den letzten 12 Monaten fieberhaft an seinem Comeback gearbeitet hatte, aber dennoch eine absehbare. Für die Liga bedeutet dies nach dem Rücktritt von Shaquille O'Neal allerdings weitere Vakanzen auf der Position unter dem Korb - wie O'Neal in einem Interview mit espn.com unterstrich:"Jetzt muss Dwight Howard mindestens 3 Titel holen. Es gibt niemanden, der sich noch gegen ihn wehren kann, alles andere wäre eine riesige Enttäuschung."

Ob Howard seine Titelträume allerdings weiter in Orlando verfolgt oder wie gemunkelt in Zukunft für die Los Angeles Lakers auflaufen wird, das steht noch in den Sternen, klar ist jedoch, das der Weg nun frei für die nächste Generation an guten Centern scheint. Ob ein Andrew Bynum, ein fitter Greg Oden, Marc Gasol oder auch ein Andrew Bogut allerdings die Klasse haben, sich dauerhaft gegen Dwight Howard durchzusetzen? Das kann wohl nur die neue Saison zeigen.

Shaquille O'Neal Hand in Hand mit Charles Barkley

Apropos Shaq: Es war nur eine Frage der Zeit, wann O'Neal eins der zahlreichen Angebote annehmen würde, um ins TV-Geschäft einzusteigen, und nun ist es soweit. Turner Broadcasting, die Produktionsfirma der Sendung "Inside the NBA", hat den ehemaligen All Star unter Vertrag genommen, um ihn jeden Donnerstag in der größten Live-Sendung des Landes neben Charles Barkley, Kenny Smith und Ernie Johnson sein Unwesen treiben zu lassen.

Für Spaß und Unterhaltung dürfte hinlänglich gesorgt sein, hatten doch die drei alteingesessenen Johnson, Barkley und Smith in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Preise sowie einen Emmy für die beste Studiosendung erhalten. Bleibt nur abzuwarten, ob ein Mikrofon genug ist, um den Mitteilungsdrang von Shaq und Barkley unter einen Hut zu bringen.

Nun bleibt nur abzuwarten, wie viel die Herren denn in der nächsten Saison tatsächlich zu tun bekommen. Die NBA selber scheint sich zumindest auf einen länger andauernden Arbeitskampf und damit Gewinneinbußen einzustellen. So wurden in der letzten Woche die ersten 114 Mitarbeiter beziehungsweise 11 Prozent ihrer gesamten Arbeiterschaft freigestellt - laut Aussagen der Liga natürlich nicht als direkte Konsequenz auf eine möglicherweise nicht stattfindende Saison, aber gut informierte Quellen munkeln bereits, das wäre erst der Beginn einer Welle von Entlassungen.

D-Will und das Abenteuer Türkei

Aber weg vom Drumherum, hin zum eigentlichen Geschehen in der Liga. Wie bereits im letzten Basket Case angekündigt machen sich immer mehr Spieler Gedanken, wo sie im Falle einer verkürzten oder gar nicht stattfindenden Saison ihr Geld verdienen sollen. Der erste große Star, der sich nun zu einem Engagement in Europa bereit erklärt hat, ist Deron Williams von den New Jersey Nets. Der All Star wird ab Anfang September das Training für den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul aufnehmen, und dort für ein Jahr 5 Millionen Dollar verdienen. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt dass Williams bei den Nets knapp 16 Millionen verdient hätte, aber für europäische Verhältnisse ein Monstervertrag.

Der Vertrag sieht vor, dass D-Will für den Fall, dass die NBA-Saison zu einem späteren Zeitpunkt startet, sofort aus dem Vertrag heraus kann, um für die Nets die Saison zu bestreiten. Einziger Sorgenpunkt dürfte bei der ganzen Sache zwar Williams' Verletzungsanfälligkeit sein, nachdem er zum Ende der letzten Saison an einer Handgelenksverletzung laborierte und einige Spiele aussetzen musste, doch eine Operation im Sommer soll das Problem behoben haben.

Bislang haben sich die Liga beziehungsweise die Clubbesitzer nicht öffentlich zu dem Thema der auslandsflüchtigen Profis geäußert (laut FIBA-Statuten müsste jeder Spieler von seinem Club eine Einverständniserklärung ausgestellt bekommen), doch die Spielergewerkschaft hat bereits Klagen für den Fall angedroht, dass Spieler von Vereinsseite aus gehindert werden, Verträge im Ausland zu unterschreiben. Und außerdem ist es den Clubs ja momentan sowieso verboten, direkten Kontakt mit den Spielern zu haben, sodass momentan der Weg frei für weitere temporäre Transfers scheint.

Dabei wurde bisher angenommen, dass sich die Riege der absoluten Topstars um Kobe Bryant, LeBron James oder auch Dirk Nowitzki in Eigenregie fit halten würde, aber nachdem zunächst Dwyane Wade mitgeteilt hatte, sich ein Europaengagement durchaus vorstellen zu können, warf nun auch der Spielmacher der New Orleans Hornets, Chris Paul, seinen Hut in den Ring und erklärte, sich durchaus Angebote anhören zu wollen.

Auch Pachulia und Vujacic ziehen um

Und nicht dass jemand denkt, Besiktas wäre damit schon gerüstet für die neue Saison - auch Center Zaza Pachulia hat bereits Übereinkunft über einen Jahresvertrag mit den Türken erzielt. Der Georgier, zuletzt bei den Atlanta Hawks unter Vertrag, soll ab September dann Teamkollege von Williams werden und Besiktas beim Sturm auf die Euro-League-Krone helfen.

Und auch Sasha Vujacic zieht es nach Istanbul. Allerdings zum türkischen Spitzenclub Efes, der dem Guard der New Jersey Nets einen Jahresvertrag mit Ausstiegsklausel anbot. Bei der Verkündung des Deals hatte Vujacic auch eine klare Begründung für den Wechsel. "Ich kann mir ein Jahr ohne Wettbewerb beim besten Willen nicht vorstellen. Ich bin im besten Basketballalter und muss einfach spielen. Natürlich hoffe ich, die Lockoutproblematik löst sich, doch momentan bin ich fokussiert auf meine Aufgabe in der Türkei und kann es kaum erwarten, türkischen Boden zu betreten", so der 27-jährige Slowene.

Vamos, Ibaka!

Und auch Serge Ibaka, Forward der Oklahoma City Thunder ist, wie bereits berichtet, auf der Suche nach einem Verein für die Zeit des Lockouts. Gefunden hat er den zwar noch nicht, aber dafür wird er eine tolle Gelegenheit haben, sich in die Notizbücher der europäischen Scouts einzutragen. Ibaka wird nämlich bei der Europameisterschaft in Litauen (beginn 31. August) für die spanische Equipe auflaufen.

Der 21-jährige Ibaka hatte vor seiner Zeit in der NBA für drei Jahre in Spanien bei CB L'Hospitalet und Ricoh Manresa gespielt und betrachtete die iberische Halbinsel seitdem als so etwas wie seine zweite Heimat. "Spanien hat mir unglaublich viel gegeben. Es ist eine Ehre, etwas davon auf dem Court wiedergeben zu können." Spanien, das ohnehin schon als Mitfavorit auf den Titel galt, dürfte mit einer Mannschaft um die beiden Gasol-Brüder, Ibaka, Ricky Rubio und Rudy Fernandez für jeden Gegner nun noch schwerer zu stoppen sein.

Als Letztes bliebe noch zu bemerken, dass die NBA natürlich auch im Angesicht eines Saisonausfalls für alles planen muss. Und so sickerten die ersten Brocken des neuen Spielplans bereits durch. Würde die Saison nach Plan beginnen, käme es zum Auftakt am 1. November für die Dallas Mavericks zu einem Heimspiel gegen die Chicago Bulls, während das erste Aufeinandertreffen mit den Miami Heat, sozusagen Teil eins der Final-Revanche, für den ersten Weihnachtstag angekündigt ist.

Das war's für heute vom Basket Case, wie immer freuen wir uns über Anmerkungen und Nachfragen.

Oliver Stein

sportal.de sportal

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker