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Neunte Etappe: McEwens zweiter Streich

Krimifinish bei der neunten Tour-Etappe nach Guéret: Sprint-König Robbie McEwen siegte hauchdünn vor Thor Hushvod. Ullrich hatte Probleme mit seinem Sattel, am Abstand zu Armstrong änderte sich aber nichts.

Zwei Ausreißer hofften am Dienstag bis wenige Meter vor dem Ziel vergeblich. Die mit 160,5 km kürzeste Etappe der diesjährigen Etappe von St. Leornard-de-Noblat nach Guéret wurde doch wieder ein Beute der Sprinter. Der Italiener Filippo Simeoni und der Baske Inaki Landaluze, die nach 38 km ein Ausreißer-Duo gebildet hatten, wurden vom Hauptfeld in letzter Sekunde noch eingeholt. Der Australier Robbie McEwen sicherte sich den Tagessieg und feierte seinen zweiten Etappenerfolg. Der Norweger Thor Hushovd wurde Zweiter, Erik Zabel (Unna) Fünfter. Die 9. Etappe startete im Geburtsort des in Frankreich sehr populären "ewigen Zweiten" Raymond Poulidor.

Massensturz ohne schlimme Folgen

Acht Kilometer vor dem Ziel gab es im Feld wieder einen Massensturz, den der CSC-Fahrer Kurt-Asle Arvesen ausgelöst hatte, als er gegen einen Straßenteiler aus Beton gerast war. Der Norweger setzte das Rennen fort. Der Sturz beeinflusste nicht die Favoriten und den Träger des Gelben Trikots, Thomas Voeckler. Der 25-Jährige Franzose verteidigte sein Gelbes Trikot damit auch auf der ersten Etappe nach dem Ruhetag, auf der die Favoriten vor den kommenden, großen Aufgaben noch einmal etwas Luft schöpfen konnten.

Anstand zwischen Ullrich und Armstrong bleibt

Der fünffache Tour-Gewinner Lance Armstrong liegt auf dem Weg zu seinem angestrebten Rekordsieg weiter mit 36 Sekunden vor seinem ehemaligen Team-Kollegen und Landsmann Tyler Hamilton, der ihm den Kampf für die kommenden Bergetappen im Zentralmassiv und den Pyrenäen angesagt hat. 55 Sekunden hinter dem Texaner liegt weiterhin Jan Ullrich, der auch auf die Pyrenäen spekuliert.

Ullrichs Problem mit dem Sattel

Auf der Hälfte der Strecke musste Ullrich erst allein, dann mit zwei Helfern dem Feld hinterher jagen. Ein technischer Defekt hatte ihn zurückgeworfen. Die Sattelstütze seines Rades musste nachjustiert werden. Am ersten Anstieg des Tages hatte der Este Jaan Kirsipuu, Gewinner der ersten Etappe in Charleroi, aufgegeben. Damit ist Erik Zabels direkte Konkurrenz im Kampf um Etappensiege im Flachland nach dem Ausstieg der italienischen Sprint-Elite Alessandro Petacchi und Mario Cipollini weiter geschrumpft.

Der unglückliche Ausreißer Simeoni gilt nicht als bester Freund Armstrongs. Der Italiener aus der Domina-Vacanze-Mannschaft hatte als einziger Profi im Prozess gegen den umstrittenen Armstrong-Arzt Michele Ferrari ausgesagt und von ihm verschriebenen EPO-Rezepten berichtet. Armstrong, dem im Buch «L.A.Confidential» Doping vorgeworfen wird, hatte ihn einen «Lügner» genannt.

Die rund 1200 die Tour begleitenden Journalisten mussten am Dienstag ihre Arbei in einer Art Hochsicherheitstrakt hinter Stacheldraht verrichten. Das Pressezentrum befand sich auf einer Militäranlage in einer Lagerhalle mit bis an die Decke gestapelten Kisten für Waffen und Munition. Bis zum Abend wurden keine Zwischenfälle bekannt, obwohl das Rauchverbot nicht strikt eingehalten wurde.

Sportlich hochbrisant verspricht die 10. Etappe am französischen Nationalfeiertag von Limoges nach Saint Flour zu werden. Die mit 237 km längste Tour-Etappe durch das Zentralmassiv weist am Mittwoch neun Steigungen auf.

Andreas Zellmer und Heinz Büse

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