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NFL: Any Given Wednesday - Sorge um Peyton Manning

Er hat einen neuen, gutdotierten Vertrag unterschrieben und gilt als einer der Besten aller Zeiten. Doch Peyton Mannings Saison ist durch seine Verletzung bedroht, zum ersten Mal seit über zehn Jahren müssen sich die Fans der Indianapolis Colts Sorgen um die Quarterback-Situation machen. Selbst der Name Brett Favre schwebt über Indiana.

Eigentlich wollte ich in dieser Woche nur zwei Sachen machen: Die ersten Preseason-Spiele nach dem Motto "der Ball fliegt wieder" abfeiern und mit meinem persönlichen Quarterback-Ranking für die kommende Saison aufwarten. Doch die Geschichte ist zunächst eine andere, zum Glück ist Peyton Manning ein Quarterback und zudem Mitglied meiner Top Ten, also sollte die Überleitung später klappen.

Ein unbekanntes Gefühl in Indianapolis

Zunächst gilt der besorgte Blick des Football-Fans dem Colts-Quarterback. Zugegeben, ich bin kein großer Manning-Fan und habe sein "Ich-habe-ein-großes-Spiel-verloren"-Gesicht mit den Jahren schätzen gelernt (nur einmal machten mir die Football-Götter einen Strich durch die Rechnung). Aber eine Verletzung, die sogar seine Saison im Frage stellt, wünsche ich keinem Sportler.

Dass seine Serie von 227 Spielen in Folge nun reißen könnte, dürfte dabei die geringste Sorge sein. Zum ersten Mal seit Mannings Draft 1998 müssen sich die Fans und die Indianapolis Colts Sorgen um die Quarterback-Positon machen - ein unbekanntes Gefühl. Denn seit einer Operation im Nackenbereich Ende Mai ist unklar, wann Manning wieder spielen kann. In den letzten Woche sah man ihn während der Trainingseinheiten laufen oder mit seinem Platzhalter Curtis Painter konferieren.

Ist Platzhalter ein zu hartes Wort für Painter, der immerhin seit drei Jahren Quarterback in der NFL ist? Nein, denn er macht seitdem er 2009 gedraftet wurde, nicht anderes, als das berühmte Klemmbrett mit den Spielzügen an der Seitenlinie zu halten - genau wie Vorgänger Jim Sorgi. Insgesamt bringt er es statistisch derzeit auf acht vollendete Würfe, dazu kommen zwei Interceptions und zwei Fumbles - nicht unbedingt Zahlen, die man in Indianapolis gewohnt ist.

Der weiße Ritter vom Mississippi?

Niemand - außer vielleicht den Colts und Manning - weiß derzeit, ob der Ausnahme-Quarterback zum Saisonauftakt am 11. September auflaufen wird. Bis jetzt wirkt Coach Jim Caldwell entspannt, sagte er doch vor kurzem gegenüber aol.sportingnews.com: "Er wird rechtzeitig fit sein." Doch gibt es einen Plan B, wenn Mannings Reha doch nicht wie gewünscht funktioniert?

Zumindest die Medien in Indianapolis machen sich schon einmal Gedanken. So brachte Anthony Schoettle vom Indianapolis Business Journal den tollkühnen Plan ins Spiel, doch Rentner Brett Favre von seinem Rasenmäher auf seinem Anwesen im Bundesstaat Mississippi zurückzuholen. Auf den ersten Blick entlockt dieser Gedanke einem ein Schmunzeln, auf den zweiten muss ich Schoettle fast recht geben.

Schließlich sind mittlerweile alle bekannten, erfahrenen und verlässlichen Quarterbacks vergeben. Indiz dafür sind zum Beispiel die San Francisco 49ers, die sogar Daunte Culpepper - der zuletzt in der United Football League beschäftigt war - zum Training einluden, da es mit Alex Smith immer noch nicht funktioniert. Ansonsten ist der Markt mittlerweile fast leergefegt.

Und man darf bei aller Kritik an Favres letzter Saison, seinen Handy-Eskapaden und seinem ewigen Rücktritt-Nicht-Rücktritt-Spielchen vergessen: Der - wortwörtliche - Opa, dessen Enkel bereits 2010 geboren wurde, führte die Minnesota Vikings Anfang 2010 bis ins NFC-Championship Game. Nicht das schlechteste Saison-Resümee für einen damals fast 40-Jährigen. Klar, sein Stil ist weniger kopfgesteuert als der Mannings, aber eine Offensive wie die der Colts kann er sicher besser führen als zum Beispiel Painter. Noch sollte man Manning natürlich nicht abschreiben - deswegen kommt er auch in meinen Top Ten vor.

Die AGW-Top Ten der Quarterbacks

Natürlich ist dies eine absolut subjektive Liste, die diskutiert werden kann und soll. Ja, ich hätte auch einen objektiven Punktekatalog zur Bewertung der Spieler erstellen können, aber nach dem Bauchgefühl erstellte Listen sorgen einfach für mehr Diskussionstoff und das ist gut so.

Sie scharren mit den Hufen

10. Tony Romo / 9. Matt Ryan / 8. Josh Freeman: Romo und Ryan haben bereits in den Playoffs gestanden, doch halte ich den Spielmacher der Bucs für talentierter als die beiden. Romo kommt dagegen von einer Verletzung zurück und trägt nicht erst seit seinen drei Fumbles in den Playoffs 2009/10 einen Makel mit sich herum. Und auch Ryan muss nach zwei Erstrundenniederlagen erst einmal beweisen, dass es für den großen Wurf reicht. Freeman bekommt von mir dagegen Welpenschutz, wobei meine interne Diskussion zwischen ihm und Ryan, den ich fast genauso gerne spielen sehe, fast zu einem anderen Ergebnis geführt hätte.

Prince Charles lässt grüßen

7. Ben Roethlisberger / 6. Drew Brees / 5. Michael Vick / 4. Philipp Rivers: Diese vier kratzen immer wieder am Podium der besten drei oder waren dort vielleicht einmal (Brees/Roethlisberger?), aber gehören nicht zu den Top drei der Quarterbacks. Big Ben sehe ich sehr gerne spielen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, er befindet sich auf dem Weg nach unten. Genau wie Brees, den ich jahrelang zwar unterschätzt habe, er gehört natürlich zu den besten Quarterbacks. Vick und Rivers sind beide auf dem aufsteigenden Ast, im Gegensatz zu Roethlisberger und Brees jedoch ohne Ring. Für Vick kann es schnell nach unten gehen, wenn er nicht eine ähnlich begeisternde Saison spielt, wie im letzten Jahr. Und Rivers hat so ein bisschen ewiges Talent-Charakter. Ja, er ist ein Guter. Aber eben noch ohne Erfolg in den Playoffs und vor allem: Ohne Titel.

Das Quarterback-Triumvirat

3. Peyton Manning / 2. Aaron Rodgers / 1. Tom Brady: Mindestens einen Ring haben diese drei Herrschaften auf jeden Fall. Dass Manning hinter Rodgers rangiert, liegt am Momentum: Der Jungspund kommt schließlich gerade erst von Präsident Obama, während Manning sich in der Reha befindet. Tom Brady hat dagegen nicht nur seine drei Titel, sondern eine MVP-Saison 2010 hingelegt. Auf der Überholspur ist von den Dreien ganz klar Rodgers, während die beiden Ü30er nur noch an Boden verlieren können.

Der Nachwuchs spielt sich warm

Und was machen die Rookies, von denen es nach diesem besonderen Draftjahr während der Aussperrung ein paar mehr als üblich gibt? Die Nummer eins Cam Newton, feierte ein solides Debüt mit den Carolina Panthers, ebenso wie Blaine Gabbert, der wenig für das 12:47 der Jacksonville Jaguars gegen die Pats konnte. Bei denen zeigte sich mit Ryan Mallet ebenfalls ein Rookie. Und das von seiner besten Seite, er feierte im Gegensatz zu den anderen Beiden sogar den ersten Touchdown-Pass.

Auch Jake Locker sorgte für Punkte bei den Tennessee Titans gegen die Minnesota Vikings und Christian Ponder, der sich zumindest keinen Ballverlust zuschulden kommen ließ. Den musste Andy Dalton beim 3:34 der Cincinnati Bengals bei den Detroit Lions allerdings auf seine Kappe nehmen.

Insgesamt lautete das Fazit der ersten Vorbereitungswoche, wie eigentlich immer: Es wird wieder gespielt - gezählt wird aber ab dem 8. September. Bis dahin gibt es noch eine Menge zu schreiben. In der nächsten Woche kommen die Top Ten der Runnig Backs.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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