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NFL: NFL-Kolumne - Wohin wechselt Peyton Manning?

Der Super Bowl ist Geschichte, alle Augen richten sich auf die Indianapolis Colts und ihren Noch-Quarterback Peyton Manning. Bleibt er? Geht er? Wenn ja, wohin? Unser NFL-Kolumnist versucht eine Antwort in der Wüste zu finden.

Gefühlte drei Tage hat es gedauert, bis die Nachwehen vom Super Bowl verschwanden. Boston hat Tom Bündchen, ähm Brady verziehen und blickt frohgemut auf die neue Saison und auch Eli Manning und die New York Giants haben ihren wohlverdienten Urlaub nach Letterman-Auftritten und Siegesparaden angetreten. Gott sei Dank für NFL-Berichterstatter gibt es Elis großen Bruder.

Wie bereits in der letzten Woche angedeutet, dürfte uns Peyton Manning eine Weile beschäftigen. Mittlerweile scheint es beschlossene Sache zu sein, dass der Mann, der die Indianapolis Colts in 14 Jahren und 208 Spielen zu elf Playoff-Teilnahmen und einem Super Bowl-Titel führte, das Team verlassen wird. Ein Gespräch mit Teambesitzer Jim Irsay soll in dieser Woche erfolgen, Hauptthema dürfte dabei Mannings Nacken und die 28 Millionen Dollar sein, die ihm in dem Falle zustehen, sollten die Colts weiterhin mit ihm planen.

Doch Irsay scheint sich anderweitig zu orientieren, spätestens seit den Vorkommnissen vor dem Super Bowl scheint das Tischtuch zerschnitten. Vor zwei Wochen hatte Manning Irsay mit einem Interview gegenüber dem Indianapolis Star verärgert, in dem er erzählte, die Atmosphäre bei den Colts wäre nach den Entlassungen der sportlichen Führungsriege um den Teampräsidenten Bill Polian und Coach Jim Caldwell eisig. Zwar räumten beide diese Meinungsverschiedenheiten aus, doch ein Nachgeschmack dürfte bleiben.

Should he stay? Or should he go?

Zudem könnten die Colts – dank ihres schlechten Abschneidens in der Saison ohne Manning, mit Andrew Luck im Draft denjenigen Quarterback nehmen, dem Experten einen glanzvolle NFL-Zukunft voraussagen.

Und so scheint es 28 Millionen Gründe für Irsay und die Colts zu geben, Manning nicht zu halten. Und es kommen noch drei hinzu: Die Nacken-Operationen, denen sich der Quarterback unterzogen hat. Zwar hieß es in der letzten Woche, die Ärzte hätten ihm die Rückkehr auf das Spielfeld erlaubt. Im Moment gibt es von allen Seiten Berichte, dass seine Bewegungsabläufe noch nicht die alten seien. Noch ist nicht entschieden, ob Manning die Colts verlässt und was dann mit ihm passiert – die Interessenten stehen jedoch schon Schlange. Fünf Beispiele gefällig?

Eine Autobahn namens Manning?

Der charmante oder sexy Pick dürften die Tennessee Titans sein. Dabei fällt die Divisionsrivalität mit den Colts gar nicht so sehr ins Gewicht, sondern Mannings Verdienste um die Tennessee Volunteers. In seiner Vor-NFL-Zeit baute er sich als Quarterback der Vols bereits ein Denkmal in Nashville – sämtliche Rekorde in den Passkategorien gehören ihm. Der Weg zum Neyland Stadion des Teams wurde in Peyton Manning Pass umbenannt. Warum also nicht auch die 180 Meilen lange Strecke auf der Interstate 40 von der Vols-Heimat Knoxville zur Titans-Stadt Nashville ebenfalls mit dem Namen Manning versehen?

Sinn würde dies schon machen, fehlte den Titans doch bereits im letzten Jahr nicht viel zum Playoff-Einzug. Ein gesunder Manning wäre gegenüber Matt Hasselbeck eine Aufwertung, zudem hätten die Titans auch den Bonus, Rookie Jake Locker hinter Manning "reifen“ zu lassen. Doch laut Terry McCormick von TitanInsider.com hat General Manager Ruston Webster ihm gegenüber verlauten lassen, man sei mit Hasselbeck und Locker sehr zufrieden und brauche sich nicht um Manning zu bemühen. Vielleicht sind dies nur Nebelkerzen, vielleicht weiß man bei den Titans aber auch, dass Manning schweren Herzens zu einem Divisionrivalen wechseln würde.

Texas – für eine Handvoll Dollar?

Dem widerspricht jedoch ein Bericht des Houstoner Ablegers des TV Senders ABC. So will Reporter Bob Allen von einem guten Freund Mannings erfahren haben, dass dieser einem Wechsel zu den Texans, wie die Colts und Titans in der AFC South beheimatet, nicht abgeneigt sei. Und eben weil Peyton sich nicht mehr mit Irsay verstehe – man verkehre nur noch geschäftlich miteinander, zitierte Allen den Freund – wäre ein Wechsel innerhalb der Division nicht außer Frage.

Und: die Texaner doch das Anforderungsprofil des fast 36-Jährigen passen. Sie kamen in die Playoffs und können dies auch in der nächsten Saison wieder schaffen. Zudem hätte Manning mit Wide Receiver Andre Johnson einen der besten seines Faches als Anspielstation. Aber die Verpflichtung Mannings könnte einen Rattenschwanz an Abgängen nach sich ziehen, denn für einen Handvoll Dollar wird er sicher nicht in Houston spielen. Ebensowenig wie Houstons Topspieler Arian Foster oder Mario Williams, die Free Agents werden. Und damit wäre das Playoffteam mit großer Wahrscheinlichkeit keines mehr.

Ab in die Hauptstadt?

Von der für Peyton gewohnten AFC könnte es aber auch in die NFC gehen – die Washington Redskins sollen unter anderem Interessiert sein. Das macht für die Hauptstädter Sinn, schließlich ist ihre Quarterback Position nicht bestens besetzt. Für Manning macht dies indes weniger Sinn, sind doch schließlich auch andere Positionen nicht bestens besetzt. Anders als die Texans fehlt den Redskins mehr als das Puzzleteil Quarterback. Dazu käme mit Mike Shanahan ein sehr dominanter Coach, dessen Sohn Kyle auch noch Offensive Coordinator ist. Für Manning, der diesen Job neben dem des Spielmachers gut ausfüllen kann, dürfte eine solche Konstellation wie ein Rotes Tuch wirken.

Und er würde zwei Mal im Jahr auf seinen Bruder Eli und dessen Super Bowl Champion aus New York treffen. Dabei könnte er sich doch sieben andere Divisionen aussuchen, um seinem Bruder nicht unbedingt in die Quere zu kommen. Eigentlich klingt das alles nicht unbedingt nach Manning, dem Papa Archie vielleicht wärmere Gefilde empfiehlt.

Der warme Wind der Wüste

Die bieten die Arizona Cardinals, die etwas zu bieten haben, was die anderen genannten Kandidaten nicht aufweisen können: Einen Dome als Spielstätte. Das wetterunabhängige Spiel ist Manning schließlich noch von den Colts gewohnt. Zudem haben die Cards mit Larry Fitzgerald ebenfalls einen der besten Wide Receiver der NFL aufzuweisen. Und als großen Pluspunkt haben sie noch Frank Reich verpflichtet, der zuvor drei Jahre bei den Colts als Coach tätig war und mit dem Manning eng zusammenarbeitete. Manning soll gerüchterweise zudem während der Super Bowl-Woche mit Fitzgerald diniert haben – ein erstes Rekrutierungsgespräch?

Arizonas Problem dürfte jedoch Kevin Kolb sein, den sie erst im letzten Jahr verpflichteten, und der einen Zweitrundenpick im Draft und Top-Cornerback Dominique Rodgers-Cromartie kostete – ihm wurden auch 21 Millionen Dollar Garantiesumme zugesagt. De Facto würden die Cardinals also im Falle einer Manning-Verpflichtung zwei Quarterbacks zahlen müssen.

Diese fünf obengenannten Teams sind übrigens bei weitem nicht die einzigen Interessenten an Mannings Diensten, Pros und Contras sind auch für den Rest zu finden. So scheint für mich nur eine Sache zu 99 Prozent sicher: Manning wird die Colts verlassen. Und dann geht das Gebuhle los. Fortsetzung folgt... mit Sicherheit!

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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