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Olympia-Bewerbung: Schlingert Leipzig ins Olympia-Aus?

Die Bundesregierung hat dem Olympia- Bewerber Leipzig trotz seiner Pannenserie die weitere Unterstützung zugesichert. Zweifel bleiben.

Die Bundesregierung hat dem Olympia- Bewerber Leipzig trotz seiner Pannenserie die weitere Unterstützung zugesichert. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte am Montag nach einem Gespräch mit IOC-Vizepräsident Thomas Bach, die Bundesregierung sehe die Bewerbung Leipzigs nach wie vor als nationale Angelegenheit und unterstütze sie voll.

Kriegt Leipzigs Olympia-Bewerbung noch die Kurve?

"Es gibt kein Umdenken"

Regierungssprecher Bela Anda erklärte, die Regierung werde "das Nötige dazu beitragen, diese Unterstützung auch öffentlich zu machen". Ein konkretes Datum für das von Innenminister Otto Schily (SPD) angeregte Olympia- Gipfeltreffen gebe es bislang nicht. Ein Sprecher Schilys betonte aber: "Es gibt kein Umdenken." Schily sei "überzeugt von der Bewerbung und möchte sie zum Erfolg führen".

Aus dem Bundeskanzleramt verlautete, dass der Gipfel lediglich ein Terminproblem für Gerhard Schröder sei. Vor allem die Fülle der politischen Verpflichtungen bis Weihnachten ließen nur schwer Raum für ein Olympia-Treffen. Gleichzeitig drängt der Aufsichtsrat der Olympia GmbH, einen Gipfel möglichst bald einzuberufen. Er würde in schwieriger Zeit den Willen der Bundesregierung unterstreichen, Leipzigs Bewerbung aus der Krise zu führen.

Freitag sieht kaum noch Chancen

Die sportpolitische Sprecherin der SPD- Bundestagsfraktion, Dagmar Freitag, sieht kaum noch Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung von Leipzig als Austragungsort der Olympischen Spiele 2012. Es sei zu befürchten, dass die bisher bekannt gewordenen Affären noch nicht das Ende der Querelen gewesen seien, sagte Freitag der Chemnitzer "Freien Presse". Inzwischen sei es immer schwerer, selbst die Menschen in Deutschland für die Spiele zu begeistern.

Konflikte seien "völlig klar" gewesen

Eine Ursache für die Probleme der Messestadt bei der Olympia- Bewerbung sei die im kommenden Jahr anstehende Landtagswahl in Sachsen. "Die beiden wichtigsten Frontmänner der Bewerbung, Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), gehören unterschiedlichen Parteien an." Konflikte seien da "völlig klar" gewesen. An Tiefensee sei es nun, die Bewerbung doch noch zum Erfolg zu führen. Einen Heilsbringer von außen werde es nicht geben.

Diesen Grund nannte auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) im Berliner "Tagesspiegel" als Argument für einen Gipfel der Verantwortlichen von Sport, Politik und Industrie. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der Zeitung: "Wenn der Eindruck entsteht, dass Deutschland die Leipziger im Stich lässt, wäre das eine deprimierende Erfahrung für die Ostdeutschen."

Leipzig unterstrich am Montag seine Absicht, zügig Rechenschaft über städtische Zahlungen an die frühere Bewerbergesellschaft abzulegen. "Wir hoffen, dass die Aufstellung bereits am Dienstag vorliegt", sagte Stadtsprecherin Kerstin Kirmes. Verantwortlichkeiten und Zeitpunkte will die Stadt aber erst nach Abschluss ihrer Prüfungen benennen. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte am Wochenende erstmals Fehler bei der Olympia-Bewerbung eingeräumt.

Wir befinden uns auf hoher See"

Zwei Monate vor dem Abgabetermin des Fragebogens an das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 15. Januar steckt die Leipziger Bewerbung auch aus Sicht der Stadt in einer tiefen Krise. "Wir befinden uns auf hoher See", sagte Kirmes zum Rücktritt des Olympia-Beauftragten Burkhard Jung am Freitag. Gleichwohl sei in einer Konferenz der Stadträte mit Tiefensee am Montag beschlossen worden, an der "Vision und Chance" festzuhalten.

Als erstes Unternehmen haben die kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) ihre Unterstützung für die Olympia-Bewerbung vorerst auf Eis gelegt. Als Grund nannte Geschäftsführer Klaus Heininger am Montag die Diskussion um finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Unterstützung der alten Bewerbergesellschaft "Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH". Die KWL sei in den Strudel hineingezogen worden. "Ich muss deshalb die Wasserwerke schützen", sagte Heininger. Die KWL hatte die Leipziger Bewerbung im nationalen Rahmen mit insgesamt 200.000 Euro gesponsert.

Der Präsident der Leipziger Handwerkskammer, Joachim Dirschka, mahnte indes zur Besonnenheit. "Die Olympia-Bewerbung Leipzigs ist eine Chance für die Region, die nicht vergeben werden darf." Das Handwerk der Region stehe hinter der Bewerbung und sei bereit, diesen Prozess zu unterstützen.

dpa / DPA

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