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Porträt Robert Enke: Die Karriere des Keepers

Nach einem schwierigen Start als Profi gelang Robert Enke bei Hannover 96 der Durchbruch. Privat aber lastete der Tod seiner kleinen Tochter schwer auf ihm - am Ende wohl zu schwer.

Die Nachrichten über Robert Enke klangen zuletzt durchaus hoffnungsvoll: Erst im Oktober war der 32-jährige Torwart nach krankheitsbedingter Pause wieder ins Mannschaftstraining bei Hannover 96 eingestiegen und hatte angekündigt, den Kampf um die Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft erneut aufnehmen zu wollen. Und am vergangenen Sonntag stand er noch für seine 96er zwischen den Pfosten und trotzte mit seinem Team dem Hamburger SV ein 2:2 ab. Nur zwei Tage später ist Enke tot. Die Nachricht schockiert nicht nur die Fußball-Welt.

Bei Hannover 96 hatte Enke sein fußballerisches Zuhause gefunden, nach vielen Rückschlägen, beruflich wie persönlich. Am schwersten dürfte ihm das Schicksal seiner kleinen Tochter zugesetzt haben, die 2006 wegen eines Herzfehlers starb. Enke selbst war zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Es war die Rede von einer hartnäckigen Bakterienentzündung des Darms.

Seine fußballerische Laufbahn begann bei SV Jena Pharm und führte ihn als Jugendspieler über Carl Zeiss Jena zu Borussia Mönchengladbach. Für die "Fohlen" wurde er auf dem Bökelberg zum Stammtorhüter. Beim Abstieg der Gladbacher wechselte er ins Ausland zu Benfica Lissabon, wo er gute Leistungen zeigte und den FC Barcelona auf sich aufmerksam machte.

Waterloo in der Türkei

Doch der Wechsel nach Spanien brachte ihm wenig Erfolg. Er spielte kaum für die Katalanen und wurde nach Istanbul ausgeliehen. Dort blieb er allerdings nur wenige Wochen - der Tiefpunkt seiner Karriere. Mit dem Wechsel zu CD Teneriffa kam die Wende: Denn dort entstand der Kontakt zum damaligen Hannover-Trainer Ewald Lienen, und wenig später war der Wechsel zurück nach Deutschland perfekt. Sein Länderspiel-Debüt gab Enke schließlich am 28. März 2007 gegen Dänemark. Seinerzeit unterlag die deutsche Nationalelf mit 0:1 in Duisburg. Diese Niederlage zum Einstand sollte seine einzige mit dem Adler auf der Brust bleiben. Es folgten sieben weitere Einsätze, darunter fünf Siege, bei denen er ohne Gegentor blieb, sowie zwei Unentschieden.

Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Österreich und der Schweiz war er die Nummer 2 hinter Jens Lehmann. Nach dessen Rücktritt galt Enke als Favorit auf den Platz des Stammtorhüters - er musste sich mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika allerdings einem Konkurrenzkampf mit René Adler (Bayer Leverkusen), Tim Wiese (Werder Bremen) und Manuel Neuer (FC Schalke 04) stellen.

Bundestrainer Joachim Löw hatte sich für die letzten beiden Länderspiele des Jahres gegen Chile und die Elfenbeinküste zudem darauf festgelegt, Adler und Enke nicht spielen zu lassen, sondern Wiese und Neuer den Vortritt zu lassen.

"Ich habe sehr viel mitgemacht"

Zuletzt war Enke für Deutschland am 12. August 2009 in Aserbaidschan aufgelaufen. Das Team von Jogi Löw siegte damals in der WM-Qualifikation mit 2:0. Zu schaffen machte Enke, dass er ausgerechnet beim WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in Hannover am 9. September wegen seiner mysteriösen Erkrankung aussetzen musste.

Einen Tag später zitierte die "Bild"-Zeitung den sensiblen Fußballer mit diesen Worten: "Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern. Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt."

Daniel Rademacher/AP / AP

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