HOME

RedBull-Airrace-Champion Hannes Arch: Ein Extremsportler geladen mit Energy

Hannes Arch hat gerade als erster Europäer überhaupt das RedBull-Airrace gewonnen, einen der wichtigsten internationalen Flugwettbewerbe. Im Gespräch mit stern.de verrät der österreichische Extremsportler, was ihn immer wieder antreibt und wie es für ihn jetzt weitergeht.

Von Finn Rütten

Bergsteiger, Drachen- und Kunstflieger sowie B.A.S.E.-Jumper, also jemand, der mit einem Fallschirm von Gebäuden, Brücken, Sendemasten oder Bergen springt. Die Berufsbezeichnung von Hannes Arch klingt wahrlich außergewöhnlich – und er selbst ist es auch. Schön im frühen Kindesalter entdeckte der 41-jährige Österreicher seine Leidenschaft für Extremsportarten. Ein befreundeter Gleitschirm-Flieger weckte seine Neugier für den freien Flug mit dem Drachen. Nachdem er diesen Freund das erste Mal durch die Luft fliegen sah, kam er nach Hause und sagte zu seinem Vater "Papa, lass uns Drachenfliegen!" Von dem Punkt an nahm seine Karriere ihren Lauf.

Heute ist er ein erfolgreicher Bergsteiger, Europameister im Kunstfliegen und leidenschaftlicher B.A.S.E.-Jumper. Letztere Sportart ist zwar in vielen Staaten illegal, findet aber weltweit eine große Fangemeinde. Für Arch selbst war der Sprung vom fast 4.500 Meter hohen Matterhorn der beste seines Lebens.

Sportlich glaubt er nur noch zwei vergleichbare Dinge vollbracht zu haben. Zum einen den EM-Titel im Kunstflug und zum anderen den gerade erworbenen Titel des Weltmeisters im RedBull-Airrace. Bei diesem Wettkampf fliegen die Teilnehmer in bis zu 370 Stundenkilometer schnellen Rennflugzeugen einen abgesteckten Kurs zwischen aufblasbaren Pylonen hindurch.

Einzigartiger Erfolg

Nach insgesamt acht Wettkämpfen in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt setzte sich Arch als erster Europäer gegen die Konkurrenz durch. Den WM-Sieg bezeichnet er selbst als den "insgesamt wohl größten Erfolg seiner sportlichen Laufbahn". "Es war ein überwältigendes Gefühl in Australien auf dem Podest zu stehen und die österreichische Hymne zu hören", sagte Arch spürbar stolz im Gespräch mit stern.de.

Jetzt wolle Arch sich erst einmal den Winter über in Fiji und danach auf Hawaii ausruhen. "Ein wenig das Leben genießen, surfen und Energie tanken." Das ist nach der anstrengenden Saison wohl auch nötig, denn bald geht es wieder mit der Vorbereitung los. Schließlich will er nächstes Jahr wieder angreifen und seinen Titel verteidigen.

Cleverer Unternehmer

Die Begabung des Multitalents geht aber über das sportliche hinaus, denn Arch verfügt auch über einen ausgeprägten Geschäftssinn. Er hat mittlerweile zwei Firmen gegründet und einen Event ins Leben gerufen, der in der Extremsportszene großen Anklang findet. Das RedBull X-Alps – der österreichische Energy-Drink-Hersteller sponsort Arch bereits seit 1990 – ist ein 14-tägiges Rennen durch die Alpen, das nur zu Fuß oder mit dem Gleitschirm bewältigt werden darf.

Arch selbst nimmt nicht teil, da er sich um die Organisation kümmert und den Hubschrauber für die Berichterstattung steuert. Die Veranstaltung läuft über seine erste Firma, die 1995 gegründete AirPro Gmbh, die anfangs Stunts für Kino und TV plante und durchführte, sich aber nun auf die Organisation des X-Alps-Rennens beschränkt. Alles Weitere läuft über seine zweite Firma, die schlicht seinen eigenen Namen trägt, und natürlich über seinen Dauersponsor RedBull. "Ich finde es bis heute unglaublich, dass das alles nur per Handschlag gelaufen ist. Und jetzt bin ich mit RedBull groß geworden", sagt Arch über das Verhältnis zum heimischen Großkonzern.

Obwohl Hannes Arch viele riskante Sportarten betreibt, hat sich der Österreicher bisher erst zwei Knochenbrüche zugezogen. Beim Sportklettern in Frankreich brach er sich vor einigen Jahren das Handgelenk und ein missglückter Start mit dem Gleitschirm führte zu einem gebrochenen Sprunggelenk.

Die Begründung für die wenigen ernsten Verletzungen liegt für Arch auf der Hand: Er taste sich an alle seine Vorhaben mit großer Vorsicht ran, teste seine Grenzen mit Bedacht aus und vermeide unnötige Risiken. "Ich hab von Haus aus keine Angst, weil ich mir selbst und meinem Können vertraue", sagte Arch auf die Frage, wie er mit der Gefahr seiner Sportarten klar komme.

Man könnte meinen, der Mann sei ein Adrenalin-Junkie, der die Gefahr braucht. Das weißt Arch entschieden zurück. "Leben heißt für mich einfach Abenteuer, aber ich bin nicht süchtig nach Gefahr. Ich versuche eher gefährliche Situationen zu vermeiden."

Das zeigte Arch auch, als er vor einigen Jahren in Alaska Bergsteigen war. Die 1.800 Meter hohe Nordwand der Devils Thumb, eine der höchsten Granitwände Nordamerikas, stellte ihn vor seine bis dahin wohl größte Herausforderung. Auf dem Weg nach oben musste er dann einsehen, dass der weitere Aufstieg zu gefährlich war und brach das Unternehmen ab. "Man muss seine Grenzen kennen und einhalten", so der österreichische Extremsportler.

Die Sucht treibt an

Auf die Frage, ob seine vielen verschiedenen Hobbys darauf zurück zu führen seien, dass ihm langweilig werde, wenn er zu lange das Selbe mache, sagte Arch: "Für mich ist die intensivste Zeit in jeder Sportart die Anfangszeit. Hier lernt man noch viel dazu und merkt ständig, wie man besser wird. Wenn man dann auf einem gewissen Level angekommen ist, verliert der Sport etwas an Reiz. Ich brauche einfach die Herausforderung und das Abenteuer. Bei meinen Sportarten spüre ich einfach, dass ich lebe, dass ich meinen Geist und meinen Körper richtig fühle. Ich bin einfach süchtig nach einem intensiven Leben!"

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity