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Scharapowa siegt im French-Open-Finale: Die Queen ist zurück

Die Tennis-Diva Maria Scharapowa gewinnt erstmals in ihrer Karriere das Finale der French Open und erobert den ersten Platz der Tennis-Weltrangliste zurück. Das kommt überraschend. Denn zuletzt hatte die Russin mit vielen Verletzungen und Rückschlägen zu kämpfen.

Von Cord Sauer

Maria Scharapowa und Paris, das ist eine ganz besondere Beziehung. "Ich liebe Shopping in Paris und die vielen Cafés", sagt sie, macht aber zugleich kein Geheimnis daraus, dass sie beruflich nur ungern nach Frankreich reist. Die French Open, das renommierteste Sandplatzturnier der Welt, ist alles andere als ihr Lieblings-Grand-Slam. Als sie vor zwei Jahren in der dritten Runde früh ihre Sachen packen musste, zog sie einen skurrilen Vergleich, der ihr noch heute nachhängt. "Ich fühle mich auf Sand, wie eine Kuh auf Eis", sagte Scharapowa damals und machte deutlich, wie unwohl sie sich auf dem rutschigsten aller Bodenbeläge fühlt.

Zwei Jahre später hat die Kuh auf dem Eis Schlittschuhe an und feiert elegant ihre Kür: Scharapowa ist die Königin von Roland Garros. Gegen Überraschungsfinalistin Sara Errani triumphierte sie im Finale nach nur 89 Minuten mit 6:3 und 6:2 und vervollständigte damit ihre Pokalvitrine - auf den French Open Titel hatte sie seit ihrem Profidebüt vor neun Jahren noch vergeblich gewartet. Zugegeben, ihr Weg in Paris war diesmal nicht wirklich steinig. Bevor sie im Halbfinale auf Petra Kvitova traf, standen ihr nur No-Name-Spielerinnen gegenüber.

Nummer 1 der Welt, Schulter-OP, Karriereende?

Schon vor Scharapowas Finalsieg war klar, dass die in Florida residierende Diva nach dem Turnier die neue Nummer Eins der Tenniswelt sein würde. Da Victoria Asarenka, die bisherige Ranglistenanführerin, schon im Achtelfinale gescheitert war, übernahm Scharapowa nach ihrem Halbfinalerfolg die angestrebte Spitzenposition. Für die Russin ist dieser Erfolg fast noch höher einzustufen, als der langersehnte French Open-Sieg, denn eigentlich schien ihre beste Zeit bereits vorbei.

Als sie 2005 erstmals die Nummer Eins der Welt war, stand die damals 18-Jährige am Anfang einer großen Karriere. Die Tenniswelt feierte sie als neuen Superstar. Ein Star, der dem Tennissport neuen Glanz verleihen sollte. Eine starke Spielerin, eine schöne Frau. Sieben Wochen blieb sie die "beste Tennisspielerin der Welt", ehe Lindsay Davenport sie ablöste. Scharapowa etablierte sich dennoch in der Elite des Damentennis und kehrte 2007 erneut für sieben Wochen zurück auf den Tennisthron. Im Sommer des nächsten Jahres wurde dann Ana Ivanovic die Nummer Eins und für Scharapowa ging es bergab. Nach einer Operation an der rechten Schulter musste sie zehn Monate pausieren, rutschte in der WTA-Rangliste auf Platz 126. Gerüchte um ein Karriereende machten die Runde. Alles schien möglich, nicht aber ihre Rückkehr als Topspielerin.

WTA feiert Scharapowa als „ultimative Botschafterin“

"Damals wusste ich nicht, ob ich jemals wieder auf dieser Bühne sein und Profitennis spielen würde", sagt Scharapowa heute. Sie ist ernster geworden, seriöser. Ihr provokantes Gestöhne auf dem Platz hat sie stark reduziert. Polarisieren war gestern, heute will sie nur noch Tennis spielen. Während sie sich nach ihrer Verletzung auf den langen Weg zurück zum Profisport begab, preschten andere Frauen an die Front. Dinara Safina, Caroline Wozniacki, Viktoria Asarenka eroberten das Damentennis, wurden längerfristig die Nummer Eins der Welt aber schafften es nicht, der Sportwelt ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken.

Doch jetzt ist das extravagante Glamour-Girl, das in Paris mit einem maßgeschneiderten Kleid im Kellner-Look auftrat, wieder da. Für die Women´s Tennis Association (WTA) ist Scharapowas Rückkehr ein großer Segen. Die WTA will und braucht eine Nummer Eins mit Profil, mit Ecken und Kanten. Eine, die sich gut vermarkten lässt. WTA-Präsidentin Stacey Allaster feierte die alte und neue Nummer Eins nach ihrem Finaleinzug bei den French Open fast abgöttisch und posaunte laut in die Publikumsmasse: "Maria, willkommen zurück. Du bist die ultimative Botschafterin des Frauentennis." Ein klares Votum für Scharapowa und gegen ihre Vorgängerinnen. Diplomatisch geht anders.

Scharapowas süße Versuchung

Mit ihren 25 Jahren ist Scharapowa noch jung und hat doch schon so viel erlebt. Ihr erster Titel bei den French Open hat sie nun endlich in den Kreis derer befördert, in dem sie sich ohnehin längst gesehen hat. Sie ist die zehnte Tennisspielerin, die alle vier Grand-Slams gewinnen konnte, eine lebende Legende. Sportlich ist die Marschroute klar definiert. Erfolge bei Wimbledon und den US Open sollen ihr Standing schnellstmöglich untermauern.

Und auch wirtschaftlich plant Scharapowa einen großen Coup. Die bestverdienende Sportlerin der Welt, deren Jahreseinkommen vom Forbes-Magazin auf rund 20 Millionen beziffert wird, plant ihr zweites Standbein. Pünktlich zu den US Open, die im Spätsommer in New York stattfinden, bringt Maria Scharapowa eine eigene Süßigkeitsmarke auf den Markt. „Sugapova“ soll dann bestenfalls in aller Munde sein. Bei dem Lauf, den die Russin derzeit hat, ist es nur höchst unwahrscheinlich, dass es dann heißt: "Maria, ihm schmeckt´s nicht."

Cord Sauer

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