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Unbezwingbar in der NBA: Stephen Curry, die größte Sportsensation der Welt

In der NBA wird zurzeit Sportgeschichte geschrieben: Die Golden State Warriors dominieren die US-Profiliga wie kein Team zuvor. Superstar Stephen Curry ist so gut, dass Fans sogar beim Warm-Up jeden Move beklatschen wollen.

Stephen Curry jubelt

Gewohnte Pose: Stephen Curry bejubelt einen seiner zahlreichen Drei-Punkt-Treffer der bisherigen Saison

Der kleine Kerl schon wieder. Läuft mit Ball auf den Gegner zu, zieht kurz hinter der Mittellinie (!) ab und zack, drin das Ding. Schon wieder. Nicht zu verteidigen. Man kann kaum hingucken, so schnell setzt er zum Wurf an. Immer wieder drei Punkte mehr für Golden State, das Team in blau-gelb-weiß.

Entweder er versenkt den Dreier - "from downtown", wie die Amerikaner sagen, in seinem Fall sogar "from waaaayyyy downtown" -, oder er täuscht ihn an und zieht zum Korb für den Layup. So oder so: Er ist derzeit nicht zu stoppen. Stephen Curry ist gerade der aufregendste Sportler des Planeten.

Sein Team, die Golden State Warriors, haben in der nordamerikanischen Basketballliga die ersten 23 (in Worten: drei-und-zwanzig!) Saisonspiele gewonnen. Als Titelverteidiger, wohlgemerkt. Der bisherige NBA-Rekord lag bei 15 Siegen in Folge ab Saisonstart - eine Marke, die Golden State schon bald verdoppeln könnte. Im letzten Spiel gegen die hochgehandelten Indiana Pacers machten die Warriors 79 Punkte in der ersten Halbzeit. Soviel erzielen Liga-Konkurrenten wie die Philadelphia 76ers im Schnitt im ganzen Spiel. Sowieso wird unter Basketballfans schon spekuliert, ob diese Mannschaft vor Weihnachten überhaupt noch eine Partie verliert. Oder vor Ostern.

Wie die sagenumwobenen Siegerteams der Geschichte

Es ist längst legitim, die Warriors mit sagenumwobenen Siegerteams wie den Los Angeles Lakers der 80er Jahre oder den Chicago Bulls der 90er zu vergleichen. Auch wenn dem frischgebackenen Meister dazu noch ein paar Titel fehlen. Was das Team aber schon jetzt einzigartig in der NBA-Geschichte macht, ist dreierlei: Der besagte Lauf und das daraus resultierende Selbstbewusstsein, dass die Spieler bisweilen jubeln lässt, bevor der Ball überhaupt im Korb landet; die Leistungsdichte im Kader mit Klassespielern wie Klay Thompson, Andre Iguodala oder Draymond Green; aber eben vor allem Stephen "Steph" Curry.

Was der dribbelstarke Spielmacher seit Saisonbeginn im eisenharten Liga-Rhythmus alle zwei Tage abliefert, übertrifft sogar seine überragenden Leistungen des Meisterjahres: 2014/15 führte er die Warriors als MVP mit 28,3 Playoff-Punkten pro Spiel zum ersten Titel seit 40 Jahren, im Moment liegt er bei 32,3 Punkten. Aber Zahlen klingen zu nüchtern für das Phänomen. Currys Form ist so außergewöhnlich, dass selbst sein Aufwärmprogramm zur Show gerät.

Bei Auswärtsspielen der Warriors kommen die Fans anderthalb Stunden früher in die Halle, um dabei zu sein (Hier geht's zum Video). Eine Art Beatlemania für Basketballfans. "Als wäre er ein Tier im Zoo", sagt Warriors-Interimscoach Luke Walton dem "San Francisco Chronicle". Oder eben ein Künstler auf der großen Bühne: Curry startet mit einem Zwei-Bälle-Dribbling, das jeden Harlem Globetrotter vor Neid erblassen lässt - in einer Geschwindigkeit, in denen geübte Bürokräfte mit zehn Fingern auf der Tastatur tippen. Zwischendurch ein paar Korbleger oder ein Hakenwurf aus wahnwitzigem Winkel - und schließlich Currys berühmte Schüsse aus der Distanz. Jeder Move wird so zum Ereignis, jedes Warm-up zu einem präzise choreografierten Ballett aus Dribblings, Pässen und Würfen.

Seine Quote hat Curry noch einmal in die Höhe geschraubt: Kaum ein Viertel der Spielzeit hat Golden State bislang absolviert, und er hat bereits 119 Drei-Punkt-Würfe versenkt. Sein eigener Saisonrekord, aufgestellt im letzten Jahr, liegt bei 286 Dreiern. Wer hier hochrechnet, dem kann leicht schwindlig werden.

Curry ist erst 27 Jahre alt, aber auf dem besten Weg, bald mit den Legenden des Basketballs in einem Atemzug genannt zu werden - dabei ist er ein ganz anderer Typ als frühere NBA-Ikonen wie Kobe Bryant oder Michael Jordan, deren rücksichtsloser Ehrgeiz und bisweilen brutales Genie berüchtigt waren. Jordan ging in seiner Zeit keinem Trash-Talk aus dem Weg, für Bryant waren Mitspieler selten mehr als Staffage.

Curry ist "kein Arschloch wie Michael Jordan"

NBA-Legende Reggie Miller beobachtet einen grundsätzlichen Wandel: "Michael Jordan war ein Arschloch", so der Ex-Scharfschütze der Indiana Pacers in einem aktuellen Interview, "und ich auch. Aber heute muss man kein Arschloch mehr sein, um erfolgreich zu sein." Steph sei der lebende Beweis, meint Miller.

Exzentrik ist Curry fremd, er grüßt höchstens mal sein Pendant im Weltfußball, Lionel Messi, via Facebook. In diesen Momenten ist er Fan wie du und ich, nur eben mit unglaublichen Fähigkeiten auf dem Court.

Congrats Leo Messi on 30 million!

Posted by Stephen Curry on Donnerstag, 3. Dezember 2015

Vielleicht funktioniert ein Vergleich mit Philipp Lahm, um dem deutschen Sportfreund diesen Wunderspieler näher zu bringen: Wie der Fußball-Weltmeister ist Curry bescheiden, reflektiert und leistet sich so gut wie nie ein schlechtes Spiel. Bei einer Körpergröße von 1,91 Meter ist er oft kleiner als seine Gegenspieler, und genau wie Lahm unterschätzt ihn längst niemand mehr.

Aber im Gegensatz zum Bayern-Kapitän hat Curry den Zenit seiner Karriere womöglich noch gar nicht erreicht. Der Konkurrenz muss dieser Gedanke Angst machen, genau wie die Siegesserie. Stephen Curry und die Golden State Warriors schreiben mit Hochdruck ihr Kapitel der Sportgeschichte fort.

Und immer wieder dieser kleine Kerl. Läuft mit Ball auf den Gegner zu, zieht kurz hinter der Mittellinie ab und zack. Drin das Ding.

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