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Tennis: US Open - Kohlschreiber raus - Haas kämpft sich durch

Ein Blick auf die Plätze bei den US Open machte Gedanken an Hurrikan Irene fast unmöglich. Bei strahlendem Sonnenschein zogen Julia Görges, Philipp Petzschner und Tommy Haas in die zweite Runde ein. Philipp Kohlschreiber stand jedoch trotz brennender Sonne im Regen.

Nach Hurrikan Irene lachte zum US-Open-Start die Sonne – aber nicht für alle. Während Julia Görges, Philipp Petzschner und Tommy Haas strahlen durften, zogen in Philipp Kohlschreibers Miene dicke Wolken auf. Zu deutlich war seine Erstrundenniederlage gegen Radek Stepanek ausgefallen.

Nach gerade einmal zwei Stunden war Kohlschreibers Auftritt bei den US Open 2011 schon wieder beendet und die verheerende Grand Slam-Bilanz des Deutschen in dieser Saison bittere Realität. Bei den Australian Open war er in Runde zwei gescheitert, bei den French Open, Wimbledon und jetzt in New York konnte er nicht einmal die Auftaktpartie überstehen.

Gegen Stepanek gewann er mit einem schwachen Auftritt nicht einmal einen Satz und unterlag so glatt mit 4:6, 1:6, 3:6. Schon der Start in die Partie war dem Deutschen völlig misslungen. "Das war einfach schlecht von mir gespielt", gab Kohlschreiber offen zu, "und ein Spieler wie Stepanek bricht mir gerade das Genick." Selbsterkenntnis ist der erste Weg der Besserung. Und den will der derzeit ohne Coach operierende Deutsche auch alleine weiter gehen. "Das ist jetzt Chefsache. Ich weiß selbst, was ich falsch mache. Ich brauche in nächster Zeit keinen Trainer. Ich nehme es selbst in die Hand."

Ohne Aufschlag gespielt

Der Knackpunkt im Match gegen Stepanek war in erster Linie der Aufschlag. Gleich sein erstes Aufschlagspiel hatte er abgeben müssen und lief diesem Rückstand bis zum Ende des Satzes hinterher. Beim Stande von 4:5 hatte sich Kohlschreiber zweimal die Möglichkeit eröffnet, den Vorsprung von Stepanek zu egalisieren. Doch er vergab seine beiden einzigen Breakchancen der ganzen Partie. Der zweite Satz begann wie der erste.

Kohlschreibers erster Aufschlag fand gerade einmal zu 38 Prozent das gegnerische Feld, mit dem zweiten Service entwickelte er deutlich zu wenig Druck und so hatte der auch nicht gerade überragend spielende Tscheche wenig Mühe, sich auch den zweiten Durchgang zu sichern. Im dritten Satz zeigte Kohlschreiber noch einmal etwas mehr Gegenwehr, die Konstanz fehlte aber. Eine Wende konnte er so nicht mehr herbeiführen.

Haas übersteht harten Fight

Deutlich erfreulicher verlief dagegen der Erstrundenauftritt von Tommy Haas. Gegen den französischen Qualifikanten Jonathan Dasnières de Veigy hatte er sich allerdings über vier Sätze und 170 Minuten quälen müssen, ehe er mit 6:3, 6:4, 6:7 und 6:1 den Sprung in die zweite Runde geschafft hatte.

Ein frühes Break zum 2:3 im ersten Satz hatte Haas gut wegstecken können und im Anschluss in dem Durchgang kein weiteres Spiel mehr abgeben müssen. Diese Souveränität setzte sich auch im zweiten Satz fort und fand erst zu Beginn des dritten ihr Ende, als der Franzose schnell mit 3:0 in Führung gehen konnte.

Haas bewies Kämpfermoral, egalisierte den Rückstand noch, rettete sich in den Tiebreak, den er dann aber durch einen Doppelfehler verlor. Im vierten Satz gab er sich dann aber keine Blöße mehr. Ein frühes Break legte den Grundstein zum Sieg.

Federer nicht gefordert

Überhaupt keine Mühe hatte der fünfmalige US-Open-Champion Roger Federer. In gerade einmal 1:46 Stunden fertigte er den Kolumbianer Santiago Giraldo mit 6:4, 6:3, 6:2 ab und musste sich dazu nicht einmal besonders strecken. "Ich habe nie mein bestes Tennis in der ersten Runde gespielt", sagte Federer, "es kommt nur darauf an, durchzukommen".

Görges übersteht deutsches Duell 

Durchgekommen sind auch Julia Görges und Philipp Petzschner. Görges gewann den deutschen Vergleich gegen Kristina Barrois mit 6:3, 6:2 und überstand damit zum zweiten Mal in New York die erste Runde. Mit einem schnellen Break zum 2:0 im ersten Satz und zwei weiteren nach dem 2:2 im zweiten Durchgang setzte sich Görges auch im dritten Duell gegen Barrois durch.

Nächste Gegnerin ist Laura Pous-Tio - eigentlich eine lösbare Aufgabe, doch Görges verlor vor Kurzem auf Sand in Bad Gastein auch den zweiten Vergleich gegen die Spanierin. Zuvor musste sie nach Wimbledon jedoch zwei Zahneingriffe über sich ergehen lassen. "Da war ich noch total erschossen, außerdem ist Sand ihr Lieblingsbelag. Es wird ganz klar an mir hängen, wie diese Partie ausgeht. Vom Gefühl her spiele ich im Moment das Beste, was ich bisher gespielt habe", sagte die an Nummer 19 gesetzte Görges.

Gegen Barrois sorgte die 22-Jährige mit einem knallroten Top auch äußerlich für Aufsehen und leistete sich nur eine kurze schwächere Phase im zweiten Satz. Während die Schleswig-Holsteinerin eine gute Länge in den Schlägen hatte, versuchte es Barrois zu oft mit der Brechstange. "Es war ein solides Match, mit dem ich zufrieden bin. Es ist immer ein bisschen komisch gegen eine Deutsche, aber im Grunde darf man sich davon nicht beirren lassen", sagte Görges.

Petzschner siegt nach Pfeifferschem Drüsenfieber

Petzschner rang dereil den Spanier Albert Ramos nieder und siegte nach viereinhalb Stunden dauernden Krimi mit 7:5, 6:7, 6:3, 6:7 (5:7), 6:3. Im vierten Satz besaß der Bayreuther seinen ersten Matchball, vergab ihn aber und musste in den fünften Durchgang.

Dort ballte der 27-Jährige die Faust, als er den als Weltranglisten-71. nur vier Plätze tiefer eingestuften Linkshänder Ramos endlich bezwungen hatte. Nächster Kontrahent ist der an Nummer 20 gesetzte Serbe Janko Tipsarevic.

Ob er da allerdings antreten kann, wollte er davon abhängig machen, wie sich sein Körper von der viereinhalbstündigen Partie gegen Ramos erholen wird. Denn auf der Pressekonferenz offenbarte Petzschner den Grund seiner gesundheitlichen Probleme der letzten Zeit.

Während des Masters-Turniers in Montreal hatte er sich von einer Mandelentzündung ungewöhnlich stark geschwächt gefühlt. Eine Blutuntersuchung der Ärzte vor Ort ergab schließlich, dass der Weltranglisten-67. seit ein bis zwei Monaten an der Viruserkrankung Mononukleose litt. Der Virus sei laut Petzschner inzwischen aus seinem Organismus verschwunden, er leide jedoch noch an den Nachwirkungen.

Kamke ohne Chance

Keine Gedanken über einen Zweitrundenauftritt muss sich dagegen Tobias Kamke machen. Der Lübecker war im riesigen Arthur-Ashe-Stadium seinem klar favorisierten Kontrahenten Mardy Fish mit 2:6, 2:6, 1:6 klar unterlegen und vergab seine wenigen Chancen gegen den Weltranglisten-Achten, dem am Ende ein spektakulärer Schlag durch die Beine gelang.

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