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Tischtennis: Zweiter Platz für die Deutschen bei Europa-Meisterschaft

Die deutschen Tischtennis-Herren sind Vize-Europameister. Das Team um Timo Boll verlor im Finale der Europa-Meisterschaft mit 1:3 gegen Weißrussland.

Europas Tischtennis-Krone bleibt für die deutsche Herren-Auswahl unerreichbar. Das Team um Europameister Timo Boll verlor am Dienstag das Finale der Titelkämpfe in Courmayeur mit 1:3 gegen Weißrussland und scheiterte auch beim fünften Versuch, die Regentschaft auf dem Kontinent zu übernehmen. Der Frust über das bittere Ende der akribisch geplanten Goldmission war groß. Während die enttäuschte Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zum dritten Mal in Serie mit Silber dekoriert wurde, feierten die Weißrussen mit ihrem Ausnahmespieler Wladimir Samsonow ihr erstes EM- Gold. Bronze ging an Titelverteidiger Schweden und Tschechien.

Jörg Roßkopf verlor beide Einzel

Vor allem für Rekordnationalspieler Jörg Roßkopf platzte ein großer Traum. Der Doppel-Weltmeister von 1989, Europameister von 1992 und Olympia-Dritte von 1996 wollte im Alter von 33 Jahren noch einmal einen Höhepunkt in seiner Karriere feiern. Doch ausgerechnet der Routinier verlor im Finale beide Einzel. Weil auch der Weltranglisten-Erste Timo Boll im Schlüsselspiel gegen die Nummer sechs Samsonow glatt mit 0:3 das Nachsehen hatte, reichte es für die DTTB-Auswahl nur zum Ehrenpunkt durch Zoltan Fejer-Konnerth (Karlsruhe). Der Europameister im Doppel siegte an Position drei mit 3:0 gegen Dimitri Chumakow.

"Wir müssen eine psychologische Barriere brechen. Nach so vielen vergeblichen Anläufen wäre der erste Sieg sehr wichtig für die Zukunft", hatte DTTB-Ehrenpräsident Hans-Wilhelm Gäb vor dem ersten Aufschlag in der Eislaufhalle am Fuße des Montblanc erklärt. Doch die "Gipfelstürmer" des DTTB stürzten erneut auf der letzten Etappe ab. Die Offensivtaktik des Trainer-Gespanns Istvan Korpa und Dirk Schimmelpfennig ging diesmal nicht auf.

Boll nicht so ausgeschlafen wie sonst

Mit der Aufstellung des Weltranglisten-Ersten Boll an Position zwei ging die DTTB-Führung bewusst ein Risiko ein. So musste Jörg Roßkopf das Auftakt-Einzel gegen den weißrussischen Abwehrkünstler Jewgeni Schetinin bestreiten. Bei der 2:3-Niederlage gegen den Bundesliga-Akteur von Müller-Munscheid wurde Linkshänder Roßkopf vom Pech verfolgt. Mehrfach brachten Kanten- und Netzbälle des Weißrussen den zu ungestüm angreifenden Hessen aus dem Rhythmus.

Danach wirkte Boll, der beim Vormittags-Training der Mannschaft pausiert und sich individuell vorbereitet hatte, im Spitzenspiel nicht so ausgeschlafen wie sonst. Im Duell der zuvor unbesiegten EM-Teilnehmer gab Samsonow mit 11:8, 11:5, 11:6 deutlich den Ton an. Der 22-jährige Hesse, der trotz der Niederlage Nummer eins in der neuen April-Weltrangliste bleibt, hatte zuvor Samsonow im Finale des Europa-Top-12-Turniers in Saarbrücken besiegt.

Nach dem 0:2-Rückstand war die Entscheidung so gut wie gefallen. Den einkalkulierten Gegenpunkt durch Fejer-Konnerth konterten die Weißrussen mit dem ebenfalls geplanten zweiten Sieg von Samsonow gegen Roßkopf. Deutschlands "Mr. Tischtennis", der nach langer Verletzungspause erst im letzten Augenblick den Sprung ins EM-Team geschafft hatte, verlor gegen den Europameister von 1998 trotz starker Gegenwehr.

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