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Tour de France, 12. Etappe: Ausreißer Sörensen holt sich den Sieg

Nicki Sörensen hat die 12. Etappe der Tour de France gewonnen. Auf dem zweitlängsten Teilstück der Frankreich-Rundfahrt konnte sich der Däne erfolgreich von einer Außreißergruppe absetzen. Träger des Gelben Trikots bleibt weiterhin Rinaldo Nocentini.

Markus Fothen hat den größten Erfolg seiner Karriere und den händeringend erwarteten Etappensieg seines bisher blassen Milram-Teams verpasst. Der ausgebildete Landwirt fuhr über 150 Kilometer in einer Ausreißergruppe, hatte aber am Schluss der zweitlängsten Etappe der 96. Tour de France in Vittel dem siegreichen Nicki Sörensen nichts entgegen zu setzen. 22 Kilometer vor dem Ziel hatten sich der Däne und Sylvain Calzati (Frankreich) von ihren fünf Flucht-Gefährten abgesetzt. 5,5 Kilometer vor dem Ziel setzte Sörensen noch einen drauf und erreichte das Ziel als Solist. Für Fothen, der 2007 schon einmal Tour-Etappen-Zweiter war und seit über einem Jahr einem großen Erfolg hinterher fährt, blieb am Donnerstag nach 211,5 Kilometern nur der enttäuschende Rang vier mit 49 Sekunden Rückstand. Milram wartet weiter auf den großen Befreiungsschlag.

Die Topfahrer sparten ihre Kräfte für die kommenden Tage, speziell für den Sonntag mit der "Königsetappe" nach Verbier in der Schweiz. Deshalb änderte sich an der Spitze des Gesamtklassements auch am Donnerstag nichts: Hinter dem Spitzenreiter auf Abruf, Rinaldo Nocentini, belauern sich weiter die Astana-Kapitäne Alberto Contador (+6 Sekunden) und Lance Armstrong (+8) auf den Plätzen zwei und drei. Tony Martin als Siebter ist weiter im Besitz des Weißen Trikots als bester Nachwuchsfahrer, Andreas Klöden belegt weiter Rang sechs, und die Tour ist weiter eine Welt am Draht: Auf der 13. Etappe an diesem Freitag von Vittel nach Colmar wird nach einem UCI-Beschluss der Funkverkehr im Rennen nun doch wieder erlaubt sein.

Sörensen zu stark

"Im Finale ging der Schuss ein bisschen nach hinten los. Wir dachten, als die zwei weg waren: Lass die sich mal austoben. Das war nichts. Sörensen war zu stark", sagte ein enttäuschter Fothen nach dem Rennen. Sörensens Team-Kollege Jens Voigt freute sich für den Dänen: "Das ist jetzt eine große Beruhigung für unser Team nach den wunderschönen Tagen durch Fabian Cancellara in Gelb."

Erik Zabel hatte nach dem vierten Triumph seines Schützlings Mark Cavendish vorerst ein Ende der Herrlichkeit prophezeit. "Auf dem Weg nach Vittel wird es eine Ausreißergruppe geben, die den Sieg unter sich ausmacht. Wir können nicht jeden Tag die Verfolgung allein organisieren", hatte Zabel am Vortag erklärt. Seine Vorhersage bewahrheitete sich. Nachdem sich kurz nach dem Start wie üblich verschiedene Fahrer in Attacken versucht hatten, fand nach 60 Kilometern eine siebenköpfige Gruppe zusammen, die harmonierte und zunächst den Freifahrtschein der großen Teams erhielt.

Fothen mischte mit

Bei den sieben Ausreißern mischte auch Fothen mit, der sich von seinem Sturz beim Mannschaftszeitfahren in Montpellier inzwischen erholt hat. 100 Kilometer vor dem Ziel in der Mineralwasser-Stadt am Fuß der Vogesen hatten die Flüchtlinge mehr als dreieinhalb Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld, das sich mit eher gemächlichem Tempo begnügte. Fothen, ehemals U23-Weltmeister im Zeitfahren und bei der Tour 2006 lange Träger des Weißen Trikots, fährt seit Juni 2008 einem großen Erfolg hinterher.

Nocentini kann sein Glück derweil noch immer kaum fassen. Binnen weniger Tage ist aus dem Hobby-Olivenbauern Italiens neues Radsport- Idol geworden. "Der Traum geht weiter. Du fährst in die Geschichte ein", richtete "La Gazzetta dello Sport" an Nocentinis Adresse aus. Der 31-Jährige - zuletzt trug Telekom-Profi Alberto Elli 2000 das Gelbe Trikot - hat sichtlich Spaß an seiner neuen Popularität. Beim täglichen Schaulaufen vor den Kameras wird er von seiner attraktiven Ehefrau Manola unterstützt. Längst ist in seinem Heimatland das Nocentini-Fieber ausgebrochen.

Der vierfache Etappensieger Mark Cavendish aus England baute seinen Vorsprung in der Punktwertung vor dem Norweger Thor Hushovd durch seinen Sieg im ersten Zwischensprint in Channes aus.

Andreas Zellmer und Benjamin Haller/DPA / DPA

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