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Tour de France: Winokurow gewinnt "Königsetappe"

T-Mobile Fahrer Alexander Winokurow hat die Bergetappe zum Dach der Tour de France - dem Col de Galibier - vor dem Kolumbianer Botero gewonnen. Armstrong und Ullrich kamen mit dem Hauptfeld ins Ziel.

Das hat Alexander Winokurow nicht auf sich sitzen lassen können. Nach seinem unerwarteten Einruch auf dem Weg nach Courchevel schlug der Kasache bei der folgenden Etappe der Tour de France zurück. Der Olympia-Zweite von Sydney, der sich am Vortag aus dem Kreis der Sieganwärter herausgefahren hatte, gewann die 11. Etappe von Courchevel nach Briancon vor dem Kolumbianer Santiago Botero. Winokurow nahm dem Träger des Gelben Trikots, Lance Armstrong, auf 173 Kilometern 1:15 Minuten ab, bedeutet aber keine wirkliche Gefahr für den Rekordsieger. Trotzdem schöpfte er neue Hoffnung: "Ich bin noch im Spiel", sagte Winokurow, der in ähnlicher Manier im April Lüttich-Bastogne-Lüttich gegen Jens Voigt gewonnen hatte.

Der nach seinen zwei Stürzen und dem desillusionierenden Tour-Verlauf angeschlagene Jan Ullrich kam an dem Tag, an dem der mögliche Doping-Fall Frigo die Tour überschattete, zusammen mit Armstrong ins Ziel. An der Spitze des Gesamtklassements änderte sich nichts. Armstrong liegt weiter vor der Tour-Überraschung Mikael Rasmussen (38 Sekunden zurück). Der Däne ist allerdings nur in den Bergen gefährlich. Im abschließenden Zeitfahren in St. Etienne dürfte er gegen Armstrong auf verlorenem Posten stehen.

"Der Ruhetag hatte mich aus dem Rhythmus gebracht. Aber trotz der Schlappe in Courchevel war ich heute sehr motiviert. Dieser Sieg wird unsere Moral wieder aufbauen. Im Finale habe ich an Lüttich gedacht", sagte Winokurow. Auf die Frage nach der teaminternen Hierarchie antwortete er ausweichend: "Das ist schwer zu sagen, das entscheidet sich von Tag zu Tag. Jan wird mit zunehmendem Tourverlauf immer besser." Ullrich, als Team-Kapitän unter Druck, freute sich über den Erfolg seines Freundes: "Das ist riesig. Unsere Taktik ist voll aufgegangen. Die Tour ist noch nicht zu Ende."

Zwei der großen Verlierer vom Vortag, Winokurow und Botero, versuchten sich mit Erfolg an einer kleinen Revanche. Am Fuß des letzten Anstieges auf den Galibier, den mit 2645 Meter höchsten Punkt der diesjährigen Tour, hatten sie einen Vorsprung von drei Minuten auf das erste Verfolgerfeld. An deren Spitze regulierte wieder die Armstrong-Mannschaft das Tempo. Jederzeit schien sie den Vorsprung der Ausreißer verkleinern zu können - je nach Bedarf und Lage des Rennens. Am Start wies Winokurow 6:32 Minuten Rückstand auf den Mann in Gelb auf - in Briancon waren es 4:47 Minuten.

Ausgang vom "Boss"

Ohne ihren Einbruch vom Vortag hätten die beiden vom Boss Armstrong sicher kaum "Ausgang" erhalten. Zehn Kilometer vor dem Gipfel schüttelte Winokurow seinen früheren Team-Kollegen Botero ab und versuchte sein Glück allein. Vor ihm lagen bis zum Ziel noch 50 Kilometer. Allerdings schloss der Kolumbianer auf der Abfahrt vom Galibier wieder auf. Bei der Tour-Vorbereitung Dauphiné Libéré hatte Winokurow im Juni einen großen Sieg vor Armstrong auf dem Gipfel des gefürchteten Mont Ventoux gefeiert.

Am Mittwoch wurde die Tour vom ersten handfesten Doping-Skandal überschattet. Dario Frigo vom italienischen Fassa Bortolo-Team wurde am Morgen von der Polizei im Mannschaftshotel festgenommen, nachdem seine Ehefrau am Vorabend an einer Autobahn-Mautstelle in Albertville festgesetzt worden war. In ihrem Wagen waren verbotene Medikamente, wahrscheinlich das Blutdopingmittel EPO, sichergestellt worden.

Bei Verurteilung droht Frigo, der nach einem Doping-Vergehen beim Giro 2001 eine sechsmonatige Sperre erhielt und deshalb als Wiederholungstäter gilt, eine dreijährige Gefängnisstrafe. Der künftige Tour-Direktor Christian Prudhomme wünschte Frigo einen "kräftigen Tritt in den Hintern".

Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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