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Turn-WM: Hambüchen holt sensationell Silber

Was für eine fulminante Aufholjagd von Fabian Hambüchen bei der Turn-WM in Stuttgart! 24 Stunden nach Mannschafts-Bronze holte das 19-jährige Kraftpaket in der Königsdisziplin 'Mehrkampf' das zweite deutsche Edelmetall dieser WM. Dabei sah es zunächst nach einem Debakel aus.

Dank einer fulminanten Aufholjagd hat Fabian Hambüchen ein neues deutsches Turn-Wunder vollbracht. Bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart holte der 19-Jährige aus Wetzlar die kaum noch für möglich gehaltene Silbermedaille im Mehrkampf. Nach drei der sechs Geräte hatte Hambüchen am Freitag scheinbar aussichtslos auf dem 23. und vorletzten Platz gelegen. Doch unter dem Jubel der 8000 Zuschauer in der ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer- Halle bewies der Abiturient erneut Kämpferherz und sicherte an seinem Paradegerät Reck die zweite deutsche WM-Medaille nach Team-Bronze am Donnerstag.

"Wir sind jetzt mittendrin in unserem Traum. Wir haben uns hier so präsentiert, wie man sich das besser nicht wünschen kann", jubelte Bundestrainer Andreas Hirsch. Bei der Siegerehrung sagte er völlig gerührt: "Es ist ein sehr berauschendes Gefühl, so richtig die Worte finde ich derzeit nicht dafür."

Patzer an den Ringen

Überlegener Weltmeister wurde Titelverteidiger Yang Wei (China) trotz eines Sturzes am Reck mit 93,675 Punkten und 1,475 Zähler Vorsprung auf Hambüchen (92,200). Rang drei ging an den Japaner Hisashi Mizutori (91,400). Philipp Boy aus Cottbus belegte Platz 18 (88,650). Hambüchen gewann erst als dritter Deutscher eine WM- Mehrkampfmedaille. 1985 (Andreas Kroll), 1993 (Andreas Wecker) und 2006 (Hambüchen) hatte es jeweils Bronze gegeben. "Es ging nicht ganz so gut los. Fabian hat das gut weggesteckt. Ich bin stolz auf ihn", sagte Hirsch über Hambüchen.

Der Publikumsliebling begann am Boden, wo er am Donnerstag als letzter Turner der deutschen Mannschaft den Gewinn der Bronzemedaille gesichert hatte. Bis auf zwei kleinere Unsicherheiten startete er ordentlich in den Wettkampf und erhielt gute 15,475 Punkte, nur knapp 0,2 Punkte weniger als beim Team-Finale. An seinem "Zittergerät" Pferd zeigte er trotz eines erneute Wacklers zwar eine solide Leistung, fiel aber nach zwei Geräten auf Rang 18 zurück. An den Ringen patzte Hambüchen aber gleich zwei Mal und fand sich zur Halbzeit sogar auf dem 23. und damit vorletzten Platz wieder. Doch Teamkollege Andreas Andergassen hatte den deutschen Vorturner noch lange nicht abgeschrieben: "Fabian kam gut über seine schwächeren Geräte. Es ist noch einiges drin für ihn. Er muss einfach sein Zeug machen."

Kräfteverschleiß bei den Favoriten

Starke 16,3 Punkte im Sprung, wo er an diesem Samstag auch im Einzel-Finale steht, brachten Hambüchen immerhin neun Plätze nach vorn. Auf dem Barren zeigte er eine überzeugende Leistung und schob sich vor dem letzten Gerät auf Platz sechs vor, nur 0,4 Zähler hinter Platz zwei. Damit war klar: Vermeidet der WM-Dritte des Vorjahres einen Patzer bei der schwersten Übung aller Teilnehmer, ist ihm die Medaille sicher. "Es ist unglaublich was hier passiert. Er hat sich bisher völlig für die Mannschaft aufgerieben. Er war fix und fertig am Donnerstagabend. Aber gleich haut er das Ding noch einmal heraus", sagte Onkel und Psychologe Bruno Hambüchen. Und der Neffe enttäuschte ihn nicht, behielt die Nerven und entfachte unter den Fans einen Jubelsturm.

Der Kräfteverschleiß während dieser Turn-WM ging auch an den anderen Favoriten nicht spurlos vorüber. Der Mehrkampf- Vizeweltmeister von 2006, Hiroyuki Tomita (Japan), büßte nach Patzern am Boden und einem Absteiger am Pferd scheinbar seine Medaillenchancen ein und belegte nach einem Sturz vom Reck nur Platz zwölf. Europameister Maxim Dewiatowski fiel vom Barren und musste den Wettkampf in aussichtsreicher Position wegen einer Fußverletzung beenden.

DPA/kbe

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