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WM-Stadien 2006: Finanzhilfen vom Bund möglich

Der Sportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert hält Finanzhilfen des Bundes zumindest für zwei WM-Stadien für möglich. An der Mängelliste der Stiftung Warentest äußerte er aber Zweifel.

"Der Bund hat zumindest für das Berliner Olympiastadion und das Leipziger Zentralstadion eine gewisse Verantwortung, weil sie erst vor kurzem mit mehreren hundert Millionen Euro Steuergeld saniert worden sind", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Die Welt". Er könne sich vorstellen, dass der Bund "in Vorkasse" trete. So kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft müsse ein monatelanger Streit vermieden werden. "Hauptanliegen muss jetzt sein, dass die Stadien zum Anpfiff sicher sind."

In der "Berliner Zeitung" äußerte Danckert Zweifel an der Qualität der Studie. Er frage sich bei manchen Stadien, "ob die Bauprüfung ernsthaft durchgeführt wurde oder ob die Behörden lediglich gut bewirtet wurden". Außerdem sei er überrascht über den Umfang der Mängelliste.

Fehlende Fluchttore, steile Treppen

Die Stiftung Warentest hatte am Dienstag die Fluchtmöglichkeiten in mehreren Stadien für den Fall einer Panik auf den Rängen bemängelt: Fehlende Fluchttore, zu kurze und zu steile Treppen sowie massive Bedenken beim Brandschutz.

Besonders stark herabgestuft wurden vier Arenen: Das Berliner Olympiastadion, in dem am 9. Juli das Finale stattfinden wird, die Veltins-Arena in Gelsenkirchen und das Zentralstadion in Leipzig haben laut Untersuchung "erhebliche" Bau-Mängel, weil die Zuschauer wegen fehlender Fluchttore im Notfall nicht auf das Spielfeld laufen können. Durch drängende Menschen könne "innerhalb kürzester Zeit ein so hoher Staudruck entstehen, dass sogar eisenarmierte Betonmauern nachgeben", hieß es. Das Fritz-Walter Stadion in Kaiserslautern habe "erhebliche Mängel" beim Brandschutz.

Schäuble nimmt Bedenken ernst

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) plädierte unterdessen erneut dafür, die Bedenken der Tester ernst zu nehmen: "Es sind noch 150 Tage bis zum Beginn der WM, also genügend Zeit, um notwendige und sinnvolle Ergänzungen der baulichen Bedingungen in den WM-Stadien umzusetzen", zitierte ihn das Blatt. Schäuble kündigte eine Prüfung der Untersuchungsergebnisse an. Der CDU-Politiker warnte allerdings vor Panikmache.

Das Organisationskomitee hat die zwölf WM-Stadien unterdessen für sicher erklärt und damit der Studie widersprochen. "Wir bleiben dabei: Unsere Stadien sind sicher", sagte der OK-Vizepräsident Hort R. Schmidt bei einer Pressekonferenz am Dienstag wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Studie. Diese beziehe sich auf Brandschutz und Panikfälle, nicht aber auf die gesamten Sicherheitsaspekte, sagte Schmidt. Kurz zuvor hatte sich das WM-OK mit den Verantwortlichen der Stadien in einer Telefonkonferenz "intensiv" über den jüngsten Stand in den zwölf WM-Stätten informiert.

Amtskollege Wolfgang Niersbach monierte ebenso wie Schmidt erneut die Art und Weise, wie die Stiftung mit ihren Ergebnissen umgegangen sei. "Wir bleiben bei unserer Verärgerung, dass es aus unserer Sicht nicht in Ordnung ist, etwas anzukündigen, das nicht korrekt ist", sagte Niersbach. "Wir sind sehr für Panik-Forschung, aber nicht für Panikmache."

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters

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