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stern zeigt Originalschreiben: So bittet Griechenland um neue Finanzhilfen

Wie sieht das eigentlich aus, wenn ein Staat bei der EU weitere Finanzhilfen beantragt? Gibt es da ein Formular? Schauen sie selbst: Dem stern liegt das Originalschreiben aus Griechenland vor.

War es das jetzt mit Griechenland? Die Staatskassen sind so gut wie leer, das Geld reicht nur noch maximal ein, zwei Monate. Dabei müsste sich der schuldengeplagte Staat eigentlich keine Sorgen machen, denn die EU ist bereit, Athen weitere Kredite zu geben.

Es bedürfte nur eines entsprechenden Antrags – mit dem auch die ungeliebten Spar- und Reformauflagen verlängert werden würden. Der Antrag ist nun bei der zuständigen Eurogruppe eingegangen, darin bittet die griechische Regierung auch um die Hilfsgelder, lehnt die damit verbundenen Auflagen jedoch ab. Das ist nun ganz und gar nicht das, was die Geldgeber hören wollten. Deshalb lehnt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das Gesuch Griechenlands ab.

Dem stern liegt der Originalbrief aus Athen vor – inklusive der markigen Unterschrift von Finanzminister Yanis Varoufakis. Das Schreiben beginnt mit salbenen Worten: "In den vergangenen fünf Jahren hat das griechische Volk bemerkenswerte Forschritte bei der Neuausrichtung der Wirtschaft gemacht. Die griechischen Behörden erkennnen die finanziellen Verpflichtungen an und sie unterstreichen ihr Vorhaben, mit den Partnern weiterhin zusammenzuarbeiten." Soweit so höflich.

Dann nimmt der Brief Fahrt auf. In sieben Punkten listet Varoufakis die Ziele der beantragten Verlängerung des Hilfsprogramms für sechs Monate auf. Da soll unter anderem die Haushaltslage Griechenlands stabilisiert und die Schuldenlast garantiert werden. Neue Belastungen, die die finanziellen Ziele gefährden könnten, sollen voll finanziert werden - "in enger Zusammenarbeit mit unseren Europäischen und internationalen Partnern", versteht sich. Der EZB soll erlaubt werden, "den Verzicht wieder einzuführen". Die Anleihen aus dem Euro-Rettungsschirm sollen zugänglich bleiben und ... und ... und ...

Lesen Sie hier den vollen Wortlaut des Schreibens

Vieles davon klingt bekannt. Zwar akzeptiert Griechenland weitere Überwachungen durch die ungeliebte Troika und erkennt zudem Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Geldgebern an, offen bleibt allerdings die Frage: Sind die Griechen bereit, im Gegenzug für Hilfskredite weitere Auflagen der internationalen Geldgeber zu akzeptieren? Die Antwort darauf bleibt Varoufakis' Schreiben schuldig. Deshalb blitzt der Antrag auch ab: Kein "substanzieller Lösungsvorschlag".

War es das also jetzt mit Griechenland? Auf jeden Fall wird die Zeit knapp. Am Freitag treffen sich die Finanzminister der Eurozone. Am 28. Februar läuft das aktuelle Hilfsprogramm aus.