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In Katar verpflichtend Experten sehen großes Sicherheitsrisiko in Zwang-Apps für WM-Fans

Turnier-Geschäftsführer Nasser Al Khater: "Stellen sicher, dass die Leute sicher sind und niemand anderen schaden"
Turnier-Geschäftsführer Nasser Al Khater sieht in den Apps kein Problem
© Peter Kneffel / DPA
Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar warnen Experten vor zwei Zwang-Apps in Katar. Diese sind für Fans in dem Golfküstenstaat verpflichtend. Der Vorwurf: willkürliche Überwachung und Verletzung von Privatsphäre sowie Datenschutz.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de. 

Jeder Fußball-Fan braucht für die anstehende Weltmeisterschaft in Katar zwingend zwei Apps, um in den Golfküstenstaat einreisen zu dürfen. Experten warnen vor einem großen Sicherheitsrisiko. Doch auf was müssen sich Reisende genau einstellen? 

WM in Katar: Die App "Ehteraz" bereitet Experten mächtig Sorgen

Die App "Ehteraz" ist eine Corona-App, die der Kontaktverfolgung dient. Die andere Software mit dem Namen "Hayya" ist die offizielle App für die Weltmeisterschaft und verwaltet unter anderem auch Stadion-Tickets oder dient als Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Besonders "Ehteraz" bereitet den Experten mächtig Sorgen – aus gleich mehreren Gründen. Selbst die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte bereits. Der Vorwurf: willkürliche Überwachung und Verletzung von Privatsphäre sowie Datenschutz.

Die App kann auf sämtliche Daten auf dem Smartphone zugreifen, WLAN- oder Bluetooth-Verbindungen überwachen und den genauen Standort auslesen. "Ehteraz" übermittelt die gesammelten Daten dann auch noch an einen zentralen Speicherort, wo sie sich leicht einzelnen Personen zuordnen lassen. Praktisch bedeutet das: Die App kann nachverfolgen, wo eine Person ist und welche anderen Handys sich in der Nähe befinden.

IT-Experte Sebastian Schreiber von der IT-Sicherheitsfirma SySS sagt im Gespräch mit RTL: "Da wird gewissermaßen der Mensch, der Reisende oder auch der Bürger, der wird wirklich zum gläsernen Bürger." Dritte hätten die Möglichkeit, dem Nutzer etwa auf Schritt und Tritt folgen; sie wüssten auf den Meter genau, wo dieser sich befinde. Denn: "Man kann die App nur nutzen, also installieren, wenn ich gewisse Freigaben mache." Im Kampf gegen das Coronavirus biete das jedoch auch Vorteile, weil man die Kontaktketten ganz genau nachverfolgen könne.

In Katar gibt es gläserne Fans

"11 Freunde"-Chefredakteur Phillip Köster stößt ins gleiche Horn wie der IT-Experte: "Wer nach Katar zur WM fährt, der muss sich klar sein, dass er zum gläsernen Fan wird", sagte er im RTL-Interview. Durch die offizielle App könne jeder Besucher ausspioniert werden: Dritte wüssten, wo Nutzer sich befinden, was sie machen und was sie bezahlen. Sein klares Fazit: "Wer ein bisschen auf seine Privatsphäre und die Hoheit seiner Daten Wert legt, der sollte besser nicht nach Katar fahren." Köster kritisiert den Weltverband FIFA in diesem Zusammenhang dafür, gegen die Apps nichts unternommen zu haben.

Was ist mit der anderen App?

Die "Hayya"-App sei, was den Datenschutz und andere Gefahren für den Nutzer angeht, nicht ganz so schlimm, habe aber auch kritische Eigenschaften, wie Recherchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Norwegen "NRK" zeigen. Die App soll danach fragen, Daten weitergeben zu dürfen, die exakte Position orten zu dürfen und den Schlafmodus des Geräts überschreiben zu können. Ein IT-Experte der "NRK" kommt daher zu dem Schluss, dass er wegen der Apps niemals sein Smartphone mit nach Katar nehmen würde. 

key, RTL/jlu

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