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Ausstellung: Von der Ikeaisierung der Welt

Wohl in fast jedem deutschen Haushalt gibt es irgendein Ikea-Produkt - ob Möbel oder Teelicht. Der Siegeszug skandinavischen Designs kann nun in den Nordischen Botschaften in Berlin nachverfolgt werden.

Wohl in fast jedem deutschen Haushalt gibt es irgendein Ikea-Produkt. Wenn schon kein Möbel, dann doch vielleicht "Glimma"-Teelichter im praktischen 100er-Pack oder eine als Gastgeschenk mitgebrachte Vase. Vor gut 60 Jahren wurde das schwedische Möbelhaus Ikea gegründet, vor 30 Jahren eröffnete die erste Filiale in Deutschland. Der Siegeszug skandinavischen Designs kann seit Dienstagabend in Berlin nachverfolgt werden: In den Nordischen Botschaften ist die Ausstellung "Vom Wohnen zum Leben, eine Zeitreise" zu sehen.

Man muss Ikea nicht mögen, aber man muss es verstehen. Schließlich haben die Schwedenmöbel nicht allein deutsche Wohnungen okkupiert. Nur auf wenigen Flecken der Weltkarte steht noch kein Ikea-Warenhaus - USA, Australien, Belgien, Frankreich, China, Russland und weitere Länder sind bereits in Ikea-Hand. Japan soll demnächst folgen, sagt ein Mitarbeiter. Nachdem zunächst nur für den Bedarf Erwachsener entworfen und gebaut wurde, entdeckte das Unternehmen die Möglichkeiten, die in der Welt der Kinder zu erschließen waren. In diesen Tagen wird das Sortiment aufs ganze Familienglück ausgedehnt und um die Bereiche Hund und Katze erweitert.

Am Anfang war der Zufall

Der Erfolg fing mit einem Zufall an. Weil ein Mitarbeiter einen auszuliefernden Tisch nicht in seinen Wagen bekam, schraubte er die Beine ab: Die Idee für die Selbstmontage war geboren. Außerdem halfen die flachen Pakete die Transportkosten und damit die Preise niedrig zu halten. Ab 1953 konnten die Kunden die Möbel auch gleich mitnehmen, was die Produkte nochmals verbilligte. Da die Pakete für die damaligen Automodelle jedoch meistens zu groß waren, setzte das Unternehmen eins drauf und offerierte Dachgepäckträger zum Selbstkostenpreis.

Ikea, das war gleichzeitig die Abkürzung für den Kopf dieser Ideenschmiede. Im Alter von erst 17 Jahren fügte Firmengründer Ingvar Kamprad seinen Initialen noch den Anfangsbuchstaben seines Heimathofes Elmtaryd und den seines Dorfes Agunnaryd hinzu - fertig war ein Markenzeichen, das heute von Menschen in aller Welt verstanden wird.

Konzentration auf Möbelversand

Nach der Firmengründung 1943 war das Unternehmen zunächst ein Versandhandel für verschiedene Produkte, kurz darauf konzentrierte man sich auf den Möbelversand. Filialen in Schweden wurden errichtet, Norwegen und Dänemark folgten. 1973 eröffnete in der Schweiz das erste Ikea-Haus außerhalb Skandinaviens. Ein Jahr später wehte die schwedische Fahne in Eching bei München, das erste Ikea-Möbelhaus in Deutschland ist nach Firmenangaben gleichzeitig bis heute eines der erfolgreichsten weltweit. Bereits ein Jahr später wurde die erste Umsatzmilliarde erreicht, der Rest ist Erfolgsgeschichte.

Der Stolz der Schweden

Zwar mutet die Ausstellung im Felleshus der Nordischen Botschaften auf den ersten Blick etwas kärglich an. Doch sie offenbart bei näherem Hinsehen den Stolz der Schweden auf ihr Wirtschaftswunder. Liebevoll wird erzählt, wie pfiffige Designer aus skurrilsten Vorbildern neue Produkte entwickeln. Wer würde sonst schon auf die Idee kommen, sich nach dem Blick auf eine ausgebrannte Porzellansicherung an den Tisch zu setzen und Kerzenhalter zu designen? Oder die vielen Namen. Zur Vermeidung langweiliger Artikelnummern heißen Ikea-Produkte eben Barkaby, Krossa oder - schon legendär- Billy.

Logisch, dass die Schweden bei der Namensfindung ebenfalls mit System vorgehen. So hören alle Betten, Kleiderschränke und Dielenmöbel auf norwegische Ortsnamen, Badezimmerartikel auf skandinavische Seen, Flüsse und Meeresbuchten, Stühle und Schreibtische auf Männer-, Stoffe und Gardinen dagegen auf Frauennamen. Für die übrige Produktpalette ist das entsprechend fortzusetzen. Zwei schwedische Mitarbeiterinnen sind darauf angesetzt, sich nach neuen Bezeichnungen umzusehen und damit der ersten internationalen Möbelsprache immer weitere Vokabeln hinzuzufügen.

Die Ausstellung "Vom Wohnen zum Leben, eine Zeitreise" in den Nordischen Botschaften (Berlin-Tiergarten, Rauchstraße 1) ist bis zum 4. April zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10.00 bis 19.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr.

Stefan Lange