Benzinpreise Zehn Cent weniger sind illusorisch

Nach Ansicht des Bundesumweltamtes könnten die Benzinpreise durch eine bessere Kontrolle der Mineralölkonzerne um bis zu 10 Cent sinken. Doch es gibt schlechte Nachrichten für die Autofahrer.
Von Malte Arnsperger

Der Präsident des Bundesumweltamtes, Andreas Troge, hat in der "Berliner Zeitung" eine europäische "Missbrauchsaufsichtsbehörde" vorgeschlagen. Eine solche "scharfe Aussichtsbehörde" könnte Druck auf die Mineralölkonzerne ausüben und für eine wirksamere Kontrolle der Preispolitik sorgen. Dadurch könnten die Spritpreise um fünf bis zehn Cent pro Liter sinken.

ADAC: Fünf bis zehn Cent sind unrealistisch

"Unrealistisch", meint dagegen der Anwalt der Autofahrer, der ADAC. "Fünf bis zehn Cent sind viel zu hoch gegriffen. Es gibt zwar einen Spielraum von ungefähr zwei Cent, das sind aber normale Schwankungen im Markt", sagt Jürgen Albrecht, Referent für Verkehrspolitik beim ADAC gegenüber stern.de. Es gebe keine Möglichkeit, durch rechtliche Maßnahmen die Benzinpreise zu reduzieren. Auch sehe er keine Preisabsprachen zwischen den Konzernen. Vielmehr sei die steuerliche Belastung in Deutschland und der steigende Rohölpreis Schuld an den hohen Spritkosten. "Die Autofahrer können nur durch ihr Tankverhalten die Preise beeinflussen."

Rohstoffexperte: Aufsichtsbehörde wäre nutzlos

Eine europäische Aufsichtsbehörde, die den Mineralölkonzernen auf die Finger schaut, hält das Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) für nutzlos. "Ich halte nichts von einer solchen Aktion, das wäre zum Scheitern verurteilt," sagt der Rohstoffexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes, Klaus Matthies. Versuche, den Konzernen Absprachen nachzuweisen, seien in den letzen Jahren immer wieder gescheitert. "Ich glaube nicht an eine Absprache bei den Konzernen." Deshalb sehe er hier auch kein Einsparpotential.

Die Mineralölwirtschaft erteilt möglichen Preissenkungen durch eine größere Wettbewerbskontrolle eine klare Absage: "Das ist illusorisch. Absprachen unter den Konzernen gibt es nicht, der große Wettbewerb in Deutschland sorgt von selber für billige Benzinpreise vor Steuern", so die Sprecherin des deutschen Mineralölverbandes, Barbara Meyer-Bukow.

Auch der deutschen Wirtschaft wäre mit einer Preissenkung um zehn Cent kaum geholfen. Sie hätte nur vernachlässigbare Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, und sogar das direkt betroffene Transportwesen würde davon kaum profitieren, meint Rohstoffexperte Matthies.


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