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"Die Höhle der Löwen" Abgefahrene Idee: Gründerin baut elektrischen Pferderücken für gesünderes Sitzen

Lucky Loop
Prototyp von "Lucky Loop": Mariam Vollmar, 53, will das Sitzen gesünder machen
© Lucky Loop
Mariam Vollmar hat ihr Erbe von einer Million Euro investiert, um das Sitzen zu revolutionieren. Ihre Erfindung simuliert die Bewegungen eines Pferderückens – und soll in der Therapie, in Kinderbuggys und Bürostühlen eingesetzt werden.

Auf die Idee, das Sitzen neu zu erfinden, kam Mariam Vollmar im Reiturlaub in Irland. Zehn Tage lang saßen sie und ihre damals 7-jährigen Zwillinge über Stunden im Sattel, um einen Pferdewanderweg zu bewältigen. Doch anders als nach langen Tagen am Schreibtisch fühlten sich alle hinterher topfit. Denn das Reiten, sagt Vollmar, ist im Gegensatz zum Stillsitzen äußerst gesund für den Körper. "Das Becken ist in ständiger Bewegung, der Rumpf gleicht diese Bewegung unmerklich aber effizient aus und Rumpf, Rücken und Beinmuskeln werden trainiert."

Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte die gelernte Werbetexterin die Idee, eine ergonomische Sitzfläche zu bauen, die die Bewegungen eines schreitenden Pferdes exakt nachahmt. Sechs Jahre und eine große Investition später, war der Prototyp fertig. "Ich habe den Großteil meines Erbes in die Forschung und Entwicklung gesteckt, insgesamt rund eine Million Euro", erzählt die 53-Jährige, die am Montagabend in der Gründershow "Die Höhle der Löwen" zu sehen sein wird. "Ich habe mich entschieden: Wenn ich das mache, dann auch richtig." 

Lucky Loop
Die viergeteilte Sitzfläche von "Lucky Loop" wird von einem Elektromotor bewegt
© Lucky Loop

Therapiegerät und Kinderbuggy

"Lucky Loop" nennt Vollmar ihre Erfindung in Anlehnung an die kreisende Bewegung, die Becken und Wirbelsäule beim Reiten vollführen. Kernstück ist eine viergeteilte Sitzfläche, deren einzelne Elemente von einem Elektromotor bewegt werden. Vollmar nennt den Sitz das "medizintechnische Pendant zum Pferd". Denn: Die Hippotherapie mit echten Pferden ist ein anerkanntes physiotherapeutisches Verfahren, das bei Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems und des Bewegungsapparats eingesetzt wird. Bekommt "Lucky Loop" eine Zulassung als Therapiegerät, könnten wesentlich mehr Menschen eine solche Therapie wahrnehmen.  

Im Fokus hat Vollmar aber nicht nur Kranke, sondern auch gesunde Menschen. Vor allem Kinder liegen ihr am Herzen. "Kinder sitzen viel zu viel", sagt Vollmar. "Man unterdrückt den Bewegungsdrang der Kinder jahrelang und wundert sich dann, dass sie mit 16 nicht von der Couch hochkommen." 

Deswegen hat Vollmar neben ihrem Therapiestuhl ein weiteres Produkt entwickelt, das im Massenmarkt zum Einsatz kommen soll: einen Kinderbuggy, in dem die Kleinen nicht sitzen, sondern quasi reiten. So können auch Großstadtkinder, die noch nie einen Ponyhof gesehen haben, in den Genuss von sanften Reitbewegungen kommen. "Prinz George kann jeden Tag auf sein Pony. Die Möglichkeit hat leider nicht jeder", sagt Vollmar. 

"Die Höhle der Löwen": Diese cleveren Produkte bringen heute Millionen ein

Den ersten Prototyp hat sie noch selbst aus Kinderwagen, zersägtem Schaukelstuhl und Stahlrohren zusammengeschraubt. Eine Firma aus Polen soll künftig die Produktion übernehmen. Ende des Jahres soll das Produkt auf den Markt kommen und gut 1000 Euro kosten. 

Auch Autositze und Bürostühle denkbar

Therapiestuhl und Buggy sind aber nur die ersten beiden Anwendungsfälle, in denen Vollmar ihre patentierte Technologie verbauen will. Ihre Vision ist es, dass der mechanische Pferderücken überall da zum Einsatz kommt, wo Menschen längere Zeit sitzen – sei es im Auto, in der Schule oder im Büro. Um nicht selbst komplette Autositze, Kinder- und Bürostühle entwickeln zu müssen, will Vollmar ihre Technologie perspektivisch an Hersteller von Sitzmöbeln aller Art lizensieren. "Wir haben das Sitzen neu erfunden und sind jetzt bereit, eine aufrechte Welt mit starkem Rückgrat zu gestalten", sagt die Gründerin selbstbewusst. 

Ob die Reitsitzfläche tatsächlich das Zeug hat, die Welt zu erobern, bleibt abzuwarten. Immerhin ihren Slogan hat Vollmar mit Blick auf eine Internationalisierung schon mal überdacht. Ihr kecker Werbespruch "We hacked the Horse" hat nur für deutsche Ohren einen technisch-cleveren Klang, musste Vollmar feststellen. Menschen aus englischsprachigen Ländern hätten eher blutrünstige Assoziationen. In den USA soll der Buggy daher unter dem Slogan "Looks like a buggy, works like a horse" vermarktet werden.


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