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"Die Höhle der Löwen": Millionendeal für freche Dänen - doch nach der Show sagten sie den Löwen ab

Mit einer App gegen Lebensmittelverschwendung beeindruckten die Gründer von "Too Good to Go" in der "Höhle der Löwen". Alle fünf Löwen wollten gemeinsam eine Million Euro geben, doch daraus wurde nichts.

Die Höhle der Löwen Too Good to Go

In Mannschaftsstärke in "Die Höhle der Löwen": Das deutsch-dänische Team von "Too Good to Go"

Eine App gegen Lebensmittelverschwendung beschert der "Höhle der Löwen" den spektakulärsten Auftritt seit Langem. Das dänische Start-up "Too Good to Go" vermittelt Lebensmittelreste von Restaurants und Läden an zahlende Kunden, sodass weniger in den Müll wandert. Klingt zunächst eher nach liebenswertem Weltverbesserertum mit zweifelhaften Erfolgschancen. Doch die Jungs von "Too Good to Go" können bei ihrem Auftritt in der Löwenhöhle bereits bemerkenswerte Erfolge vorweisen: Mehrere Tausend teilnehmende Läden, mehr als eine Million registrierte Nutzer und über 700.000 vermittelte Mahlzeiten - und das, obwohl der Schritt nach Deutschland erst bevorsteht.

Dafür wollen die Gründer die hübsche Summe von einer Million Euro bei den Löwen eintreiben - und im Gegenzug gerade einmal fünf Prozent ihrer Firma abtreten. Das ist den Löwen zu teuer. Obwohl das Konzept gefällt, steigen alle Löwen aus.

Erst sind alle Löwen raus, dann drin - und dann...

Doch statt das TV-Studio ohne Deal zu verlassen, kontern die Gründer mit einem kühnen Gegenangebot: Wenn sich ein Löwe alleine nicht traue, könnten doch einfach alle gemeinsam einsteigen und jeweils 200.000 Euro geben. Damit haben die Löwen nicht gerechnet: "Das ist der frechste Auftritt, den wir in der Höhle der Löwen bisher gesehen haben", entfährt es Frank Thelen anerkennend. Und tatsächlich: Die Löwen tun sich zusammen und versprechen schließlich gemeinsam eine Million Euro für rund neun Prozent der Anteile zu investieren.

...platzt der Deal doch noch

Was die TV-Zuschauer jedoch nicht erfahren: Nach der Show platzt der Millionen-Deal doch noch. Nach der Aufzeichnung der Show im Februar wurde zwar mehrere Monate verhandelt - unterzeichnet wurde aber nichts. Als Grund nennt eine "Too Good To Go"-Sprecherin gegenüber dem stern "das schnelle Wachstum des Unternehmens", weshalb es für "beide Seiten letztlich nicht mehr perfekt gepasst" habe. Nach stern-Informationen haben die Gründer den Löwen abgesagt und nicht umgekehrt.


Wahrscheinlich war auch die Vielzahl der Beteiligten ein Grund für das Scheitern des Deals. "Fünf Löwen in einem Deal - das hat bisher noch nie funktioniert. In Zukunft werde ich diese Konstellation auch vermeiden. Zwei, maximal drei Investoren mit klarer Aufgabenverteilung sind effektiver", kommentiert Löwe Frank Thelen gegenüber dem stern das Scheitern des Deals. Die Idee und den Pitch findet er nach wie vor sehr gut. Aber: "Das Unternehmen war bereits recht weit entwickelt und dementsprechend auch die Bewertung. Ich investiere grundsätzlich lieber in einer früheren Phase."

So ging es für Too Good to Go weiter

"Too Good to Go" hat sich unterdessen auch ohne Löwenhilfe auf dem deutschen Markt etabliert. Die Lebensmittelretter haben in Deutschland innerhalb weniger Monate 400.000 App-Nutzer und 1300 Partnerläden gewonnen - von Rewe- und Edeka-Filialen bis zu Restaurants und Hotels. Im Oktober erreichte "Too Good to Go" einen weiteren Meilenstein: Europaweit hat das Konzept nun bereits zwei Millionen Essen vor dem Müll bewahrt. 

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