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Interview

Frank Thelen: "Höhle der Löwen"-Klon? "Ich glaube nicht, dass Stefan Raab erfolgreich sein wird"

Frank Thelen ist das Investoren-Urgestein in der "Höhle der Löwen". Im Interview erklärt er, was ihn an Gründern am meisten stört, wie er Neulöwin Dagmar Wöhrl beurteilt - und warum Stefan Raab mit seiner Gründershow scheitern wird.

Frank Thelen in der "Höhle der Löwen"

Frank Thelen als Investor in der "Höhle der Löwen"

Start-up-Investor Frank Thelen sitzt seit der ersten Staffel in der "Höhle der Löwen", findet aber längst nicht alles gut, was in der Show passiert. Im ersten Teil des Interviews kritisierte er niveaulose Gründer und Ramschprodukte für den Wühltisch. Hier kommt Teil 2 des Interviews.

Herr , "Die Höhle der Löwen" ist mittlerweile so etabliert, dass sogar Gründer auftreten, die sagen, ich bin nur Gründer geworden, weil ich die Sendung so gut finde. Freut Sie das? Oder haben diese Leute eine falsche Vorstellung vom Gründersein, weil sie nur die TV-Version kennen?

Erstmal finde ich das super gut, wenn die Leute Gründergeist entwickeln. Das hilft übrigens auch großen Unternehmen. Fast jeder Dax-Konzern hat heute eine Art Höhle der Löwen, wo man Ideen pitchen kann. Aber: Gründen ist nicht einfach. Nur weil ich Nägel in einem Nagelstudio lackiere, kann ich noch keine Nagelstudio-Kette gründen.

Wie erkennt man, ob man das Zeug zum Gründer hat?

Man muss sich kritisch fragen: Habe ich wirklich das Know-How und bin ich bereit, alles andere zur Priorität B zu machen? Bin ich bereit, durch die Hölle zu laufen? Oder will ich mich nur selbständig machen, damit ich mir selbst auch mal zwei drei Wochen am Stück Urlaub geben kann. Gründen ist nicht einfach und nur weil die Sendung erfolgreich ist, kann jetzt nicht jeder gründen. Wenn ich bei jemandem das Gefühl habe, der nimmt das nicht ernst genug oder hat nicht tief genug gedacht, dann sage ich ehrlich: Nein, das ist schlecht was du tust, du wirst auf die Fresse fliegen, du bist kein echter Gründer.

Was stört Sie an Gründern in “der Höhle der Löwen" am meisten?

Wenn sie reinkommen und mir nicht in 90 Sekunden erklären können, was sie eigentlich tun. Man muss als Gründer lernen, seinen Pitch auf den Punkt zu bringen. Wenn man in die "Höhle der Löwen" geht, muss man sehr gut vorbereitet sein. Unfassbar häufig ist das nicht der Fall. Es kommen oft Leute, die reden vier, fünf Minuten über irgendwelche Märkte und dann frage ich: Aber was genau macht ihr denn jetzt? 

Was die Löwen in der Sendung immer wieder kritisieren: Dass die Gründer zu viel Geld fordern. Haben viele Gründer falsche Vorstellungen, was ihr Unternehmen wert ist?

Ja. Weil man in der Presse vor allem die Erfolgsstorys liest und nicht die Leute sieht, die Pleite gehen. Das führt zu völlig überzogenen Vorstellungen. Das zweite ist: Wenn ich in ein Unternehmen reingehe, dann baue ich das mit den Gründern und meinem Team auf. Wir helfen beim Webshop, bei Design, Logistik, Einzelhandel-Listings, Recruiting. Deswegen kann man nicht sagen, der Frank investiert 100.000 Euro und bekommt dafür 20 Prozent. Man müsste eigentlich sagen: Der Frank investiert 100.000 Euro in Cash und bietet 500.000 Euro in Mehrwert. Das haben die Gründer manchmal nicht auf der Uhr, wenn sie reinkommen. Mein Mehrwert liegt pro Gründer irgendwo zwischen 250.000 Euro und einer Million.

Haben Sie das Gefühl, dass manche Gründer gar nicht an einem Deal interessiert sind, sondern die Sendung nur als Werbeplattform nutzen wollen?

Beim US-Pendant der Sendung "Shark Tank" heißen solche Leute "golddigger". Wenn ich erkenne, dass Leute einfach nur Sendezeit abgreifen wollen, haue ich denen den Kopf ab und sage: Sorry, das macht keinen Sinn, was ihr erzählt. Oftmals werden solche Pitches gar nicht ausgestrahlt und das finde ich auch gut. Sony und Vox  schützen so unser Format. 

In einem stern-Interview vor ein paar Monaten haben Sie gesagt, dass Politiker schlechte Gründer abgeben. Nun sitzt mit eine Ex-Politikerin auf dem Löwenstuhl. Was sagen Sie zu Ihrer Mitlöwin?

Dagmar hat mit Sicherheit nicht die Investment-Erfahrung wie ich und ist auch nicht so in der Szene vernetzt. Sie hat sich da aber schnell reingefuchst und ihren Weg gefunden. Sie hat ihre Modehäuser, ihre Hotels und viel Kapital. Wenn Dagmar einen Deal macht, kümmert sie sich auch darum. Sie hat für die erste Staffel echt einen guten Job gemacht und die Gründer, denen sie eine Zusage gegeben hat, fair betreut, Zeit reingesteckt und das Geld sauber investiert. Sie ist eine ehrliche, vernünftige Investorin.

Im kommenden Jahr bekommt "Die Höhle der Löwen" Konkurrenz  durch weitere Gründershows. Carsten Maschmeyer bekommt seine eigene Show, auch plant ein Format. Sehen Sie das positiv oder befürchten Sie Kirmesveranstaltungen?

Das ist für mich zweischneidig. Ich freue mich, dass DHDL das Thema massentauglich gemacht hat. Grundsätzlich sind alle Shows, die über Gründer und Start-ups berichten, für mich besser als "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germany's Next Topmodel". Die Kehrseite der Medaille: Eine gute zu machen, ist echt schwierig. Kann Stefan Raab das, obwohl er keine Erfahrung als Investor hat? Ich glaube nicht, dass er erfolgreich sein wird, weil er keine Ahnung von Startups hat. Dass Carsten seine eigene Show macht, finde ich dagegen gut. Er hat Erfahrung als Investor, er hat das Kapital, es ist ein anderes Format als DHDL. Ich wünsche ihm dafür alles Gute.

Würden Sie aus der Sendung aussteigen, wenn jemand als Löwe verpflichtet wird, der Ihnen nicht passt?

Ich würde nicht aussteigen, nur weil ich jemand als Investor für inkompetent halte. Ich muss mit dem ja keine Deals machen. Auch wenn da Dieter Bohlen sitzen würde, wäre mir das egal. Aber was mich stören würde, wäre, wenn jemand kommt, mit dem ich im ethischen Sinn nicht klarkomme. Ein Waffenhändler oder der Vorsitzende der AfD oder der Linken. Neben so jemandem würde ich nicht sitzen wollen. Dann würde ich lieber aussteigen. Zumindest von meiner Seite aus, mag, respektiere und schätze ich alle vier Co-Löwen persönlich.

Interview: Daniel Bakir