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Interview

Frank Thelen über DHDL: "Zu viel Wühltisch schadet der Sendung"

Frank Thelen findet, dass in der "Höhle der Löwen" zu viele Ramschprodukte präsentiert werden. Im stern-Interview rechnet der Löwe mit Katzenkloschaufeln und niveaulosen Gründern ab. Er sagt: "Ich distanziere mich von solchen Deals."

Frank Thelen in der "Höhle der Löwen"

Kritischer Investor: Frank Thelen in der "Höhle der Löwen"

Herr Thelen, in der letzten Folge der "Höhle der Löwen" konnte man beobachten, wie Sie vollkommen entgeistert der Vorführung einer Katzenklo-Schaufel zugesehen haben. Was haben Sie da gedacht? Niveaualarm?

Ja. Ich glaube, der Gründer hat gesagt, "das ist die innovativste Katzenscheißschaufel der Welt" oder so. Da habe ich gedacht, jetzt ist echt gut hier. Für mich sind solche Deals gar nichts. Ich distanziere mich davon nicht nur durch meinen Gesichtsausdruck, sondern auch indem ich sage: Du bekommst von mir keinen Cent. Ich suche intelligente Gründer, die hochwertige Produkte entwickeln. Das kann im Food-Bereich sein, sehr gerne im Technik-Bereich. Aber es muss ein gewisses Niveau haben. Zu sagen, ich arbeite tagsüber in einem Schnell-Imbiss und abends habe ich hier nebenbei eine Katzenschaufel entwickelt - das ist kein Gründer und Produkt für mich. 

Schaden solche Auftritte der Show?

Das weiß ich nicht, weil es ja nunmal diese Erfindungen gibt und auch die Katzenschaufel wird von Menschen gekauft. Und es gibt auch Löwen die in sowas investieren. Ralf Dümmel und ich verstehen uns persönlich gut, aber von der Art wie wir investieren und Unternehmen aufbauen könnten wir gar nicht verschiedener sein.

Ralf Dümmel gilt als "Mister Regal", weil seine Produkte überall sind.

Er ist sehr stark im Discount, vermarktet seine Produkte bei TEDi, kik, Woolworth und weiteren Discountern. Ralf macht das wirklich gut, er beeindruckt mich jedesmal mit seinem ersten Push in den Markt. Aber ich möchte da kein Produkt von mir jemals sehen und in die Läden möchte ich auch persönlich nicht reingehen. Aber das ist ja auch der Reiz der Sendung, dass die Löwen verschieden sind. Würden da nur Kopien von Frank Thelen sitzen, wäre es ja auch langweilig. Ich jedenfalls werde nicht in irgendwelche Blumentöpfe und Schnellkocher investieren. 

Verkommt "Die Höhle der Löwen" zunehmend zur Werbeplattform für Grabbeltisch-Ware?

Ich bin sicher nicht mit allen Deals glücklich, die präsentiert werden. Wenn zu viel für den Wühltisch dabei ist, schadet das der Sendung. Aber wir hatten früher viel mehr unterirdische Gründer. In der aktuellen Staffel sind auch sehr starke Gründer und Produkte dabei. Die letzte Sendung war sicher nicht die ideale, aber insgesamt bin ich zufrieden mit der aktuellen Staffel, weil auch viele hochwertige Deals und starke Gründer dabei sind. 

Wünschen Sie sich mehr bahnbrechende Ideen?

Sollte ich bei der nächsten Staffel dabei sein, was noch nicht klar ist, würde ich nochmal darüber sprechen, wie wir noch bessere Gründer reinbekommen. Das Produkt muss hochwertig sein, aber auch der Gründer muss ein gewisses Niveau haben. Er sollte ein Experte in seinem Fachbereich sein. Am besten einen unfairen Vorteil durch sein besonderes Wissen oder Erfahrung haben. Er kann Arzt sein, wenn er ein medizinisches Produkt macht. Sie kann BWLerin sein, wenn sie ein bestimmtes Produkt skalieren muss oder er kann Softwareentwickler sein. Da wünsche ich mir teilweise höhere Qualität und Gründer, die mit mir langfristig ein echtes Unternehmen aufbauen können. 

Dirndl, Gewürze und Spülsteine: Die erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Oft ist es aber auch unheimlich schwer zu unterscheiden, wer Niveau und Potenzial hat. In der letzten Sendung konnten zwei eloquente Gründer Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel von ihrer elektrischen Zahnbürste überzeugen. Bei Stiftung Warentest landete die auf dem letzten Platz.

Bei mir sind die Gründer nicht gut angekommen. Vielleicht weil ich die meiste Erfahrung habe. Ich investiere seit 20 Jahren in Startups und bin der einzige Löwe, der Vollzeit in Startups in der Frühphase investiert. Alle anderen machen noch andere Sachen nebenher. Da habe ich vielleicht die beste Nase zu sagen, wenn ich eine Zahnbürste herstelle, reichen zwei BWLer nicht. Da brauche ich einen Zahnarzt oder Zahntechniker. Meine Frau ist Kieferorthopädin, daher kenne ich das Thema etwas besser und teste viele neue Zahnpflegeprodukte. Die Gründer konnten meine Fragen zu Ihrem Produkt nicht beantworten. Ich habe keine echte Innovation gesehen und einen Facharzt im Team vermisst. Deshalb habe nicht investiert.

Andersherum wurde gerade mit Math42 ein Start-up für viele Millionen verkauft, was in der "Höhle der Löwen" keinen Deal bekommen hat. Sie waren damals zwar interessiert, aber machten den Gründern ein Angebot, das denen zu schlecht war.

Bei Apps ist es sehr schwierig. Math42 kamen rein und haben gesagt, sie hätten die beste App zur Umrechnung von mathematischen Formeln. Das konnte ich in dem Moment natürlich nicht wirklich überprüfen. Das ist die Herausforderung des Show-Konzepts. Es ist sehr schwierig, in der Sendung tiefgreifende technologische Investments zu machen. Trotzdem finde ich es gut, wenn die in die Sendung kommen und werde auch immer wieder versuchen, zu investieren.

Was würden Sie gerne am Konzept der Sendung ändern?

Ich bin Investor und habe keine Ahnung von Fernsehen. Deswegen wäre es arrogant von mir zu sagen, als Nicht-Fernsehmensch ändere ich jetzt das Fernseh-Format. Als Investor Frank Thelen hätte ich gerne mehr hochwertige Gründer, keine Katzenschaufeln, keine Aufkleber für High Heels. Aber vielleicht ist das eben auch der Charme der Sendung, das mal ein Math42 kommt und mal eine Katzenschaufel. Die Magie und die Grausamkeit der Show ist, dass wir das Thema so runterdampfen müssen, dass auch meine Mutter da Bock drauf hat. 

Interview: Daniel Bakir