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Energiekosten: Öl und Benzin deutlich teurer

Während Yukos-Krise und US-Terrorwarnungen den Ölpreis auf neue Rekordmarken treiben, fürchten immer mehr Fluglinien wegen der steigenden Kosten ein schlechtes Ergebnis.

Die Preise für Öl und Benzin sind wieder kräftig gestiegen: Schon vergangene Woche kostete ein Barrel OPEC-Öl (entspricht 159 Litern) durchschnittlich 37,40 Dollar (Vorwoche: 36,56 Dollar), wie die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) am Montag in Wien mitteilte. Am Freitag gab es einen weiteren deutlichen Preissprung auf 38,69 Dollar. Als Grund wurden wieder die Probleme des russischen Ölkonzerns Yukos genannt. Marktbeobachter befürchteten, dass Yukos seine Ölförderung von 1,7 Millionen Barrel täglich einstellen könne.

US-Terminkontrakte auf neuem Höchststand

Aber auch die neuen Terrorswarnungen aus den USA belasteten die Energiepreise: Der für den Heimatschutz der USA zuständige Minister Tom Ridge hatte am Sonntag mitgeteilt, es lägen neue, konkrete Informationen über mögliche Anschläge von Terroristen auf Finanzzentren in New York, Washington und New Jersey vor. Dies weckte natürlich Erinnerungen an den 11. September 2001 und die Märkte reagierten dementsprechen: In der Nacht zum Montag erreichten die Terminkontrakte für US-Leichtöl den höchsten Stand seit 21 Jahren. Händler sagten, bei anhaltend starker Nachfrage und angesichts der jüngsten Warnung vor möglichen Anschlägen auf wichtige US-Finanzinstitutionen werde eine deutliche Abwärtsbewegung bei den Ölpreisen wohl noch auf sich warten lassen. Ein hoher Ölpreis gilt als Gefahr für die Erholung der Weltwirtschaft, da er die Produktion in vielen Industriebereichen deutlich verteuert.

Allerdings würde nach Einschätzung des Münchner ifo Instituts eine Lösung der Krise beim russischen Ölkonzern Yukos die Situation an den Ölmärkten entschärfen. "Es würde eine gewisse Entspannung bringen, wenn da jetzt ein Signal käme", erklärte dazu ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb am Montag in München. Das ifo Institut hatte im Juni seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland für 2004 von 1,5 auf 1,7 Prozent angehoben. "Wir haben in unserer Wachstumsprognose einen anderen Ölpreis unterstellt, der sich um 35 Euro bewegt", sagte Nerb. Derzeit sehe man aber keinen Anlass, die Erwartungen zu revidieren.

ifo-Prognose geht von 35 Euro/Barrel aus

Mittel- bis längerfristig könnten alle energieintensiven Branchen von einem hohen Ölpreisniveau betroffen sein, sagte Nerb. Dazu zählte er neben der Luftfahrtbranche unter anderem die kunststoffverarbeitende und chemische Industrie. Kurzfristig leide das Geschäftsklima aber noch nicht spürbar unter den hohen Ölpreisen. "Es ist nicht so, dass das gleich die Stimmung verhagelt." Möglichkeiten, das Preisniveau von staatlicher Seite zu beeinflussen, sieht der Experte kaum. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) habe sich bereits kooperativ gezeigt und ihre Förderquoten erhöht, betonte Nerb.

Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) hat am Montag auf die neuerliche Terrorwarnung der US-Regierung und den weiterhin steigenden Ölpreisen reagiert und nachgegeben. Der deutsche Leitindex verlor 1,22 Prozent auf 3.848 Punkte und gab damit rund die Hälfte seiner Zugewinne aus der Vorwoche wieder ab. Bereits an den asiatischen Märkten hatten die Themen Terror und Öl die Kurse gedrückt. In Frankfurt waren die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von fast vier Prozent größte Dax-Verlierer. Auch die Papiere der übrigen großen europäischen Fluglinien gaben nach. "Da kommen gleich zwei Sachen zusammen. Der hohe Ölpreis, weil die Flugzeuge viel Kerosin brauchen und die Terrorwarnung, weil man weitere Reisezurückhaltung der Kunden befürchtet", sagte Pütz. Die Aktien des größten europäischen Reisekonzerns TUI verloren 1,3 Prozent an Wert.

Der Ölpreis reagiert unter anderem deshalb so sensibel auf die Nachrichtenlage zum Yukos-Konzern, weil dieser immer noch für etwa zwei Prozent des weltweiten Ölangebots sorgt. Etwa ein Fünftel des russischen Erdöls stammt aus Yukos-Produktion. Russland selbst ist nach stetigem Wachstum in den vergangenen fünf Jahren nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Erdöl-Exporteur. Bricht die Yokos-Fördermenge nun weg, kann sie zwar kurzfristig durch OPEC-Mitglied Saudi-Arabien aufgefangen werden, aber der konstant hohe Rohstoffhunger Chinas und der USA lassen langfristig keine Entspannung auf der Nachfrageseite erwarten.

Russischer Markt derzeit nicht attraktiv

Ein Teil des Problems ist außerdem, dass über Jahre hinweg Investitionen in Resourcenmanagement und Infrastruktur unterblieben: So sind zwar noch immer ausreichend Erdölreserven da, aber diese müssen erst erschlossen werden. Außerdem muss dann das geförderte Rohöl irgendwie zu den Handelsplätzen geschafft werden. Am einfachsten wären derzeit die russischen Ölreserven zu erschließen, aber dies ginge nur mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm. Dazu wiederum sind nur wenige internationale Ölmultis in der Lage - und bereit. Bei der herrschenden Rechtsunsicherheit in Russland, deren sichtbarstes Zeichen die Yukos-Krise ist, zögern allerdings Ölmultis wie Esso, BP oder Unocal und Delta Oil dort aktiv zu werden.

Besonders schmerzlich trifft der momentane Höhenflug des Ölpreises den deutschen Verbraucher, dadurch stiegen die Benzinpreise im Juli kräftig an. Mit durchschnittlich 1,174 Euro pro Liter war Superbenzin 2,4 Cent teurer als im Vormonat und auf dem zweithöchsten Wert in diesem Jahr, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) berichtete. Teurer war der Kraftstoff nur im Mai mit 1,193 Euro, im Juni kostete Super noch 1,150 Euro. Der Preis für Diesel legte um 1,8 Cent auf 0,941 Euro zu. Der Steueranteil am Benzinpreis lag im Juli bei 81,7 Cent pro Liter und machte damit rund 70 Prozent des Preises aus. Ursache seien die gestiegenen Preise am Rotterdamer Markt, wo Benzin um 12 Prozent und Diesel um zehn Prozent teurer wurden. Allerdings hätten die Kostensteigerungen nicht vollständig an die Autofahrer weitergegeben werden können, erklärte der MWV.

Tägliche Preisänderung an Zapfsäulen

Nach Verbandsangaben gibt es nach wie vor einen harten Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt. So seien die Preise im ersten Halbjahr 48 Mal angehoben und 110 Mal wieder gesenkt worden. Das bedeute eine fast tägliche Änderung der Preise an den Zapfsäulen. Im harten Kampf um die Kunden würden die Preise schon kurz nach der Erhöhung wieder gesenkt, bis nach Unterschreiten der Wirtschaftlichkeitsschwelle eine Preiserhebung unausweichlich werde, hieß es.

Der hohe Ölpreis macht unterdessen auch der Luftfahrtbranche zu schaffen. Man befürchte wegen des gestiegenen Rohölpreises in diesem Jahr einen Kostenschub von rund zehn Milliarden Dollar, sagte der Generaldirektor des Verbandes der internationalen Fluggesellschaften (IATA), Giovanni Bisignani, dem "Handelsblatt". Trotz des Booms auf internationalen Routen sei ein Abrutschen in die roten Zahlen für viele Gesellschaften kaum noch aufzuhalten. Zu Jahresbeginn hatte die IATA noch einen Gesamtgewinn von 2,8 Milliarden Dollar für die Branche erwartet.

mit Material von AP, DPA, Reuters

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