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Familienkonzern: Tchibo verkauft längst nicht nur Kaffee

Der Hamburger Handelskonzern startete in den Nachkriegsjahren als Kaffeeröster. Unter der Ägide von Firmengründer Max Herz expandierte das Familienunternehmen mit eigenen Filialen, später auch Depots bei Bäckereien.

Tchibo startete in den Nachkriegsjahren als Kaffeeröster in Hamburg. Unter der Ägide von Firmengründer Max Herz expandierte das Familienunternehmen mit eigenen Filialen, später auch Depots bei Bäckereien. Heute ist Tchibo zu einem der erfolgreichsten deutschen Unternehmen aufgestiegen und hat längst auch den einstigen Konkurrenten Eduscho geschluckt. Die Hamburger machen mit wöchentlich wechselnden Gebrauchsartikeln sowie Dienstleistungen inzwischen mehr Umsatz als mit Kaffee.

Blüte unter Günter Herz

Das Unternehmen wurde stark geprägt von Günter Herz, der 1965 nach dem überraschenden Tod seines Vaters die Unternehmensleitung übernahm und den Konzern führte, bis ihn seine Geschwister Anfang 2001 aus dem Amt drängten. Unter der Leitung von Günter Herz kaufte sich Tchibo bei dem Kosmetikunternehmen Beiersdorf (1974) und dem Zigarettenhersteller Reemtsma (1980) ein. Die Reemtsma-Beteiligung wurde im März 2002 für sechs Milliarden Euro an Imperial Tobacco verkauft.

Anteile auf die Familie verteilt

Günter Herz und seine Schwester Daniela schieden 2003 aus dem Tchibo-Eigentümerkreis aus und kassierten vier Milliarden Euro. Jetzt gehört Tchibo zu jeweils 34 Prozent den Brüdern Wolfgang und Michael Herz sowie zu jeweils 15 Prozent ihrem Bruder Joachim und der Mutter der Geschwister, Ingeborg Herz. Die restlichen zwei Prozent liegen bei einer Stiftung.

Familienquerelen schadeten Geschäftsverlauf

Wegen der andauernden Familienquerelen hat Tchibo unruhige Jahre mit etlichen Veränderungen im Management hinter sich. Seit Anfang Juni steht Dieter Ammer an der Spitze des Konzerns, der auch gleich den Chef der wichtigen Kaffeesparte entließ und die Stelle nicht wieder neu besetzte. Tchibo erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro und - wegen des Reemtsma-Verkaufs - 3,5 Milliarden Euro Gewinn. Der Konzern beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter.

DPA