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Banknoten: Immer weniger nationale Währungen

Mehr und mehr Länder trennen sich von ihren nationalen Währungen. In Euopa kommt der Euro, auch in Ostasien gibt es offenbar Pläne, langfristig einheitliches Geld einzuführen - genauso wie in Südamerika.

Mehr und mehr Länder trennen sich von ihren nationalen Währungen. In Europa ersetzt der Euro zum Jahreswechsel die nationalen Geldscheine in zwölf Staaten. In Lateinamerika trennten sich bereits Ecuador vom traditionellen Sucre und El Salvador vom Colon. Der US-Dollar gilt als einziges Zahlungsmittel.

»Stabile Währungen, in diesen Fällen der US-Dollar, sollen der Wirtschaft dieser Länder Stabilität bringen«, begründet ein Experte beim Internationalen Währungsfonds in Washington die Entscheidungen. Für ihn scheint es durchaus möglich, dass in naher Zukunft eine gesamtamerikanische Währung auch den Peso in verschiedenen Staaten, den Real in Brasilien und den Bolivar in Venezuela ablöst. Auch in Ostasien gibt es offenbar Pläne, langfristig einheitliches Geld einzuführen.

Für viele Weltenbummler gehört es bislang dazu, als Souvenir aus dem besuchten Land mindestens eine Banknote mitzunehmen. Mit Lilangenis aus Swasiland oder Kinas aus Papua-Neuguinea können andere Sammler noch beeindruckt werden, mit Bath aus Thailand oder Pesos aus der Dominikanischen Republik hat man dagegen eher schlechte Scheine in der Hand. Doch fast alle, die dieses Hobby betreiben, haben anfangs stolz Lire oder Pesetas ins Album gesteckt.

»Die Banknoten müssen kassenfrisch sein, das heißt sauber, ohne Knicke und Eselsohren«, rät Carl Buhr, Fachmann für Papiergeld und Inhaber eines Spezialgeschäfts in Hamburg. »Frisches Geld erhält man am besten bei Banken. Gebrauchte Scheine sind für echte Sammler sinnlos, sie haben nur Erinnerungswert.«

»Etwa 170 Währungen gibt es weltweit«, erläutert eine Mitarbeiterin in der Außenhandelsabteilung der Deutschen Bank in Frankfurt nach einem Blick in eine Devisenliste der Deutschen Bundesbank. International unbestrittener König des Geldmarktes ist der US-Dollar, gegen den Wechselstuben überall lokales Bares zum günstigen Kurs auszahlen.

Dollar nennen heute mehr als 20 Staaten ihre lokalen Währungen, darunter Kanada, Australien und Neuseeland. Die Bezeichnung Dollar geht auf den 1519 in Zentraleuropa eingeführten Joachimsthaler zurück, der nach einer Silbermine in Böhmen benannt wurde. Die Kurzform Thaler hieß in der Neuen Welt bald Dollar, den die Vereinigten Staaten von Amerika nach der Unabhängigkeit 1776 als ihre Währung einführten.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als Großbritannien noch Weltmacht mit Kolonien auf allen Kontinenten war, regierte das Pfund. Einige Staaten benennen ihr Geld auch heute noch so, darunter der Libanon. Am häufigsten trifft der Reisende auf Franc, sei es in Frankreich, Belgien oder Luxemburg, aber auch in praktisch allen Staaten Afrikas, die einst unter französischer Herrschaft standen.

Der Zusammenbruch des kommunistischen Wirtschaftsblocks mit seiner Leitwährung Rubel brachte dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion eine Reihe neuer Währungen. In Armenien zahlt man mit Dram, in Aserbeidschan mit Manat und in Kirgisistan mit Som. Wahre »Exoten« finden sich auch in Afrika: Birr in Äthiopien, Kwanza in Angola, Ouguiya in Mauretanien oder Dalasi in Gambia. Asiatische Staaten warten mit Raritäten auf wie Taka (Bangladesh), Ngultrum (Bhutan) oder Riel (Kambodscha).

In Europa kam Papiergeld erstmals in Schweden Ende des 17. Jahrhunderts in Umlauf, in China gab es erste Banknoten schon geraume Zeit zuvor. Eine Invasion an Scheinen überflutete Deutschland, als in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg Hunderte von Gemeinden und Unternehmen Notgeld als Ersatz für Münzen herausgaben. »Es gibt Sammler, die sich darauf spezialisieren«, sagt Buhr. Tabu für Sammler bleibt dagegen die wertvollste Banknote der Gegenwart, der 100.000-Dollar-Schein - er dient ausschließlich dem internen Zahlungsverkehr.